
DüsseldorfDie Lage ist alles andere als rosig: Die Zinsen spanischer und italienischer Staatsanleihen steigen kontinuierlich, die Ratingagenturen haben Dutzenden Banken herabgestuft, der Rettungsschirm wurde auf Zypern ausgedehnt - und bald womöglich auch noch auf ganz Spanien und nicht nur wie bislang auf die dortigen Kreditinstitute. Da ist es wenig überraschend, dass die Börsenstimmung laut einer Umfrage der DZ Bank unter ihren Privatanlegern auf ein historisches Tief gefallen ist. „Nicht einmal jeder Sechste glaubt daran, dass sich die Situation positiv entwickeln werde“, so das Ergebnis der Befragung. „Nur noch jeder Fünfte rechnet in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Kursen.“
Genau hierin könnte aber die große Chance liegen. So hätten schlechte Nachrichten zuletzt kaum noch für weitere Rückgänge am Aktienmarkt gesorgt, wie der Vermögensverwalter Thomas Grüner zu bedenken gibt. Wer verkaufen wollte, hat dies wohl längst getan.
Bleiben weitere schlechte Nachrichten aber aus oder gibt es sogar positive Überraschungen, wie Ende vergangener Woche im Rahmen des EU-Gipfels, führt dies schnell zu steigenden Aktienkursen. Ein vollkommenes Eskalieren der Euro-Krise sowie ein Zerbrechen des Währungsraums einmal ausgeschlossen, sieht der Geschäftsführer der Grüner Fischer Investments in Rodenbach den Dax Ende Dezember deshalb bei Notierungen oberhalb des bisherigen Jahreshochs von 7.194 Punkten.
Entsprechend mag er dem häufigen Ratschlag, mit der Anlage noch zu warten, bis sich die Euro-Krise entspannt habe, auch nichts abgewinnen. „Wer nur bereit ist, in sicheren Zeiten Aktien zu kaufen, wird keine ordentlichen Gewinne einfahren“, so die These des Vermögensverwalters.
Für Anleger, die Grüners Einschätzung teilen und ebenfalls eher positiv gestimmt sind, stellen Sprint- und Outperformancezertifikate eine interessante Depotbeimischung dar. Beide Produktgattungen können ihren Besitzern bei Preissteigerungen des Basiswertes überproportionale Gewinne bescheren. Dazu ist es allerdings erforderlich, die Unterschiede zu kennen und vor allem den richtigen Basispreis zu wählen.
Andernfalls besteht die Gefahr, dass die prognostizierte Entwicklung des Underlyings (Basiswert) zwar exakt eintritt, sich der Kurs des Derivats aber nicht in der erwarteten Art und Weise entwickelt. Der Reiz von Sprintzertifikaten, die von manchen Emittenten auch als Double-Chance-Zertifikate bezeichnet werden, liegt darin, dass sich mit ihnen die Kursgewinne des Basiswertes innerhalb einer bestimmten Bandbreite verdoppeln lassen.
Kursgewinne verdrei- oder vervierfachen
Bei einigen Produkten ist sogar eine Verdrei- oder gar Vervierfachung möglich. „Dabei weisen die Papiere – zumindest bei ihrer Emission – in aller Regel kein höheres Anlagerisiko als das eines Direktinvestments in die jeweilige Aktie bzw. den entsprechenden Index auf“, wie Dirk Heß von der Citigroup sagt. „Dafür sind ihre Gewinne – ähnlich wie bei Discountzertifikaten – allerdings auch auf einen bestimmten Höchstbetrag begrenzt.“
Ein Beispiel: Zum Emissionszeitpunkt kostet ein „Zweifach-Sprinter“ auf eine fiktive Aktie 100 Euro, was exakt dem Börsenkurs des Dividendenpapiers sowie dem Basispreis des Derivats, der auch als Schwellenkurs bezeichnet wird, entsprechen soll. Das Cap des Zertifikats liegt bei 120 Euro.
Am Fälligkeitstermin sind nun drei Szenarien denkbar: Hat sich die Aktie während der Laufzeit des Sprinters per Saldo nicht bewegt oder sogar an Boden verloren, bekommen Zertifikatebesitzer bei Fälligkeit eine entsprechende Aktienanzahl ins Depot gebucht beziehungsweise den entsprechenden Gegenwert gutgeschrieben. Der Verlust entspricht in diesem Fall der negativen Aktienperformance.
Liegt der Preis des Dividendenpapiers zu diesem Zeitpunkt dagegen zwischen 100 und 120 Euro – also oberhalb des Basispreises, aber unterhalb des Caps – erwirtschaftet das Zertifikat die doppelte Performance wie der Basiswert. Je nach Aktienkurs wird der Sprinter in diesem Fall zu Preisen zwischen 100 und 140 Euro zurückgenommen. Mit letzterem Wert ist allerdings gleichzeitig auch der maximale Auszahlungsbetrag erreicht.
Notiert der Basiswert bei Fälligkeit des Derivats oberhalb von 140 Euro, wäre der Anleger nachträglich betrachtet mit einem Direktinvestment besser gefahren. „Um die beschriebene Auszahlungsstruktur garantieren zu können, setzen sich die Zertifikate aus dem zugrunde liegenden Basiswert und einer Kombination ge- und verkaufter Calls zusammen“, erklärt Heß. „Ihr Nachbau ist deshalb selbst für finanzmathematisch versierte Privatanleger nur schwer und zu erheblichen Kosten möglich“, so der Derivateexperte weiter.
Grenzenlose Gewinne
Ebenfalls gehebelt partizipieren Outperformancezertifikate von Kurssteigerungen des Underlyings. Notieren Aktie oder Index am Ausübungstag oberhalb des Basispreises, zahlt der Emittent zusätzlich zu diesem die entsprechende Differenz zum Aktienkurs, multipliziert mit dem bei Emission des Derivats festgelegten Hebelfaktor aus.
Finanziert werden die überproportionalen Wertsteigerungen – genauso wie beim Sprintprodukt – über die einbehaltenen Dividenden, die die ausgebende Bank zum Erwerb von Kaufoptionen einsetzt. Alternativ bzw. bisweilen auch gleichzeitig müssen Anleger im Vergleich zum direkten Kauf des Underlyings zudem ein Aufgeld zahlen. Dies ist dann der Fall, wenn bis zur Fälligkeit der Papiere keine Dividenden mehr ausgeschüttet werden oder sich das Derivat auf den Dax, also einen Performanceindex bezieht, bei dem die Dividenden mit in die Berechnung einfließen.
„Dabei fallen die Konditionen der Papier umso attraktiver aus, je niedriger die für die Zukunft erwartete (implizite) Volatilität des Underlyings ist“, erläutert Derivateexperte Stefano Angioni von der DZ Bank. „Wird nur mit geringen Schwankungen gerechnet, sind die im Zertifikat enthaltenen Kaufoptionen schließlich verhältnismäßig günstig. Entsprechend hoch kann der Hebel oberhalb des Basispreises bei Emission gewählt werden. Während der Laufzeit schlagen sich entsprechende Änderungen insbesondere in der Höhe des Aufgelds nieder.“
Eine Gewinnbegrenzung gibt es bei „Outperformern“ nicht. Dafür fällt die Partizipationsrate, mit der sie an Wertsteigerungen des Underlyings oberhalb des Basispreises partizipieren, niedriger aus. Während beispielsweise ein Outperformancezertifikat auf Lufthansa mit einem Basispreis von neun Euro und Fälligkeit im Juni 2013 (WKN: DZ73PJ) einen Hebel von 1,6 bietet, ist bei einem vergleichbaren Sprintzertifikat mit einem Schwellenkurs bei neun und einem Cap bei zwölf Euro mit einem derzeit fast identischem Preis (WKN: DZ89S5) immerhin eine Verdopplung des Anstiegs innerhalb der festgelegten Bandbreite möglich.
Auf den Basiswert kommt es an
„Es wird somit schnell klar, dass Outperformer insbesondere für solche Investoren interessant sind, die mit starken Kurszuwächsen des Underlyings rechnen“, sagt Angioni. „Werden bis zum Laufzeitende dagegen lediglich moderate Kursaufschläge erwartet, sind Sprinter sicherlich die sinnvollere Wahl.“
„Auch die zweite Einflussgröße, nämlich veränderte Volatilitäten, wirkt sich auf die Wertentwicklung der Papiere unterschiedlich aus“, ergänzt Heß. „Steigt die für die Zukunft erwartete Schwankungsbreite des Basiswertes an, was meist bei fallenden Aktienkursen der Fall ist, werden Kursverluste bei Outperformancezertifikaten durch volatilitätsbedingte Wertzuwächse der Optionskomponente etwas abgemildert. Da Sprinter aus einer Kombination ge- und verkaufter Calls bestehen, macht sich dieser Effekt bei ihnen kaum bemerkbar.“
Ein anderer Aspekt gilt dagegen wiederum für beide Produkttypen: So wirkt der Hebeleffekt oberhalb des Basispreises beziehungsweise innerhalb des Sprintbereichs stets in beide Richtungen. Stefano Angioni gibt deshalb zu bedenken, „dass sich im Vergleich zum Underlying in diesen Fällen ein erheblich gesteigertes Anlagerisiko ergibt, was beim Kauf entsprechender Papiere unbedingt zu berücksichtigen ist.“ Einen Basispreis deutlich oberhalb des aktuellen Kurses des Basiswertes zu wählen sei andererseits auch nicht sinnvoll.
Schließlich muss die jeweilige Aktie beziehungsweise der Index dann zunächst erheblich an Wert zulegen, bevor der gewünschte Hebeleffekt von Outperformern und Sprintern überhaupt erst zum Tragen kommt.
Der Derivateexperte der DZ Bank rät interessierten Anlegern deshalb möglichst auf solche Produkte zurückzugreifen, deren Basispreis sich in etwa auf Höhe des aktuellen Kurses des Basiswertes befindet.






















