Anlagestrategie: (K)eine sichere Bank

Anlagestrategie: (K)eine sichere Bank

, aktualisiert 04. November 2011, 15:04 Uhr
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Die Société Générale hat viele griechische und italienische Staatsanleihen in den Büchern.

von Matthias von ArnimQuelle:Handelsblatt Online

Bankaktien sind nichts für schwache Nerven. Die immer wieder eskalierende Schuldenkrise und die geplante schärfere Regulierung sorgen immer wieder für kräftige Kursausschläge. Wie Anleger profitieren können.

BonnAktien von Banken waren zuletzt die großen Verlierer an den Börsen. Während der Dax in den vergangenen Wochen sogar zu einer kleinen Rally angesetzt hat, kamen die Dividendenpapiere aus der Finanzindustrie teilweise regelrecht unter die Räder. Der jüngsten Nackenschläge: das erneute Bangen um Griechenlands Schuldenschnitt und die Drohung der Ratingagentur Fitch, eine ganze Reihe von europäischen Großbanken herabzustufen.
Die Begründung dafür: Das Geschäftsmodell der betroffenen Institute sei den Turbulenzen an den Finanzmärkten besonders stark ausgesetzt. Zudem würden die Banken durch die geplante schärfere Regulierung des Finanzsektors empfindlich getroffen.

Diese Fakten sind zwar schon lange bekannt, doch die Ankündigung der Ratingagentur, jetzt auch Konsequenzen in der Bewertung der Banken zu ziehen, kam offensichtlich für einige Marktteilnehmer überraschend. Kaum war die Meldung draußen, verloren beispielsweise Aktien der Commerzbank und der französischen Großbank Société Générale zeitweise mehr als fünf Prozent, Papiere der Deutschen Bank lagen nach Bekanntgabe der Meldung zwischenzeitlich mit fast vier Prozent im Minus. Und auch die jüngsten Querelen um die Griechenland-Rettung schickten die Papiere erneut auf Talfahrt.

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Ein weiterer Absturz?

Die Frage ist, ob Bank-Aktien weiterhin an Wert verlieren werden – oder ob die Politik ein weiteres Mal nach dem Jahr 2008 den Kreditinstituten zu Hilfe eilt. Das Problem: Niemand weiß genau, welche Leichen sich noch in den Bankenkellern verbergen. Die bekannten Zahlen sind beängstigend genug. So hat die Société Générale derzeit griechische und italienische Staatsanleihen im Wert von rund drei Milliarden Euro in den Büchern. Deshalb hat die Ratingagentur Moody´s die Kreditwürdigkeit der französischen Bank Mitte September auf Aa3 heruntergestuft.

Allerdings sind Analysten nicht so negativ gegenüber französischen Großbanken gestimmt. Zwar dürfte nach einer Studie der Deutschen Bank zu französischen Kredithäusern die Branche unter einem verschärften Wettbewerb bei Finanzierung und Schuldenabbau leiden. Auch die Gewinnschätzungen für die Société Générale wurden gekürzt. Aber die Aktie wurde noch mit „neutral“ eingestuft, das Kursziel von 33 lediglich auf 26 Euro gesenkt.


Viele italienische Staatsanleihen

Bei der Commerzbank sieht es beidem Bestand von riskanten Anleihen ebenfalls düster aus. Über ihre Tochter Eurohypo besitzt das Institut 14,7 Milliarden Euro an Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern. Vor allem die 8,7 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen machen viele Investoren nervös.

Apropos Italien: Die Unicredit besitzt zwar nur 0,7 Milliarden Euro an griechischen Staatstiteln, sitzt aber insgesamt auf 37,9 Milliarden Euro an Anleihen aus den PIIGS-Staaten (PIIGS steht für Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien). Der Löwenanteil davon sind italienische Titel. Die italienische Bank ist damit das europäische Finanzinstitut mit dem größten Brocken an heißen Papieren im Depot. Sollte Italien Schwierigkeiten bekommen, seine Schuldzinsen zu bedienen, würde das die Unicredit schwer treffen.

Aktien weiter unter Druck

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Anleger mit der aktuell schwierigen Situation der Banken umgehen können. Möglichkeit eins: Raus aus Zertifikaten. Denn wer von dem Worst-Case-Szenario ausgeht, dass einige Banken in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten, sollte keine Schuldverschreibungen dieser Banken im Depot halten. Alternative zwei: Investoren, die erwarten, dass es zwar keine Bankenpleite gibt, aber die Aktien von Banken weiterhin unter Druck geraten werden, können sich mit einem Zertifikat von der Société Générale absichern (WKN: SG0H31).

Als Basiswert dient der Stoxx Europe 600 Banks Daily Short Index. Dieser Short Index entwickelt sich fast genau spiegelbildlich zum Wert des Stoxx Europe 600 Banks Index. Verliert der Banken-Index beispielsweise fünf Prozent, dann steigt der Short-Index ebenfalls um fünf Prozent. Ausgangspunkte für die Berechnung ist immer der Schlusskurs des Index vom Vortag. Der Short-Index startet gegenüber dem Index an jedem Handelstag immer
mit einer Hebelwirkung von minus eins. Anders als bei Standard-Indizes könnten Inhaber des Short-Index-Zertifikats theoretisch davon profitieren, wenn sich an der Börse gar nichts tut.

Hohe Managementgebühr

Denn der Wert der Short-Indizes erhöht sich täglich um Zinszahlungen in Höhe des doppelten Tagesgeldsatzes. Praktisch sieht es leider etwas anders aus. Denn die französische Großbank Société Générale berechnet für ihr Zertifikat eine Managementgebühr von 1,25 Prozent per annum – ziemlich viel für ein Zertifikat, dessen Basiswert nicht gemanagt wird.

Hintergrund: Emittenten müssen bei der Nutzung von Indizes als Basiswert eine Lizenzgebühr an den Indexanbieter entrichten. Diese Lizenzgebühr ist bei kleinen Spezialindizes im Regelfall höher als bei den bekannten Blue-Chip-Indizes. Allerdings ist eine Managementgebühr von 1,25 Prozent pro Jahr in diesem Fall auffällig hoch.


Alternative Deep-Discounter

Investoren, die gelassen bleiben und allein mit Taschenrechnern und kühlem Kopf an die Sache herangehen, bietet sich mit Alternative drei eine Möglichkeit, mit Bank-Titeln hohe Renditen zu generieren – und zwar ganz egal, ob die betreffenden Aktien noch etwas an Wert verlieren oder sogar wieder im Kurs steigen. Denn die hohe Volatilität bei Bank-Aktien hat dafür gesorgt, dass einige Discountzertifikate mit extrem günstigen Konditionen zu haben sind.

Insbesondere Deep-Discounter, als Papiere mit sehr niedrigem Cap, bieten aktuell zum Teil ordentliche Renditechancen – vorausgesetzt natürlich, dass weder die Emittenten der Papiere noch die betreffenden Aktientitel, auf die sich die Zertifikate beziehen, vom Kurszettel der Börsen verschwinden.

Besondere Eigenschaft dieser Papiere: Sie reagieren aufgrund des hohen Discounts kaum noch auf Kursbewegungen. „Die Restlaufzeit und die Veränderungen der Volatilitäten spielen bei der Preisbildung von Zertifikaten mit sehr großem Rabatt eine größere Rolle als Kursveränderungen des Basiswerts“, sagt Anouch Wilhelms von der Commerzbank.

Ein Beispiel für solch einen Deep-Discounter ist ein Zertifikat von der Commerzbank auf die Aktie der Société Générale (WKN: CK3SC6) mit einer Laufzeit bis zum 3. Januar 2013. Der Cap liegt hier bei fünf Euro, das Zertifikat ist für 4,55 Euro zu haben. Das ergibt einen maximalen Ertrag von 9,65 Prozent oder eine jährliche Rendite von etwas mehr als acht Prozent bis zum Laufzeitende.

Das Spannende an diesem Papier: Die Aktie der Société Générale notiert derzeit gut 19 Euro, das Zertifikat bietet also einen Rabatt auf den Aktienkurs von rund 75 Prozent. Mit anderen Worten: Selbst wenn der
Aktienkurs der französischen Bank bis zum Ende 2012 noch um 76 Prozent fallen würde, könnten Anleger Anfang Januar 2013 die maximale Rendite von 9,65 Prozent einstreichen.

Weitere Beispiele für ähnliche Konstellationen bieten auch Papiere wie beispielsweise ein Discountzertifikat von der Schweizer Bank UBS auf die Aktie der Deutschen Bank (WKN: UB44CL), das einen Rabatt von etwa 70 Prozent und eine Rendite von gut sechs Prozent bietet.


Doppeltes oder halbiertes Risiko

Oder ein Papier von der DZ Bank auf die Unicredit (WKN: DZ559E) mit einem Risikopuffer von 53 Prozent und einer maximalen Rendite von 12,5 Prozent. Dieses Papier bietet, wie alle anderen Zertifikate von der DZ Bank, eine Besonderheit, mit der nur wenige Konkurrenten dieses Emittenten aufwarten können: Die Bank ist Mitglied der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Diese schützt auch die Zertifikate ihrer Mitglieder vollständig vor einem Zahlungsausfall. „Die DZ Bank ist als Emittent von Zertifikaten durch die Sicherungseinrichtung des BVR geschützt“, bestätigt Markus Bärenfänger von der DZ Bank. Ein Risikofaktor wäre bei diesem Zertifikat also ausgeschaltet.

Doppeltes oder halbiertes Risiko Zertifikate von bedrohten Banken mit einer europäischen Bank-Aktie als Basiswert sind natürlich ein gewagtes Investment. Wer dieses Spiel auf die Spitze treiben will, kann in Zertifikate von Banken investieren, deren Basiswert jeweils ebendiese Bank ist. Je nachdem, wie man diese Konstellation interpretiert, ist dies eine Verdoppelung oder Halbierung des Risikos.

Ein Beispiel für solch ein Investment ist ein Discounter von der Deutschen Bank auf die Deutsche Bank (WKN DE1GPY). Das Papier bietet bei einer Restlaufzeit von 15 Monaten einen Rabatt von 56 Prozent auf den Aktienkurs der Bank und eine jährliche Rendite von gut acht Prozent.

Einen ähnlich hohen Rabatt auf den Aktienkurs wie das Deutsche-Bank-Produkt bietet auch ein Discountzertifikat von der Commerzbank auf die Commerzbank (WKN: CK2E8U). Der maximale Ertrag ist hier mit 13 Prozent etwas höher als bei beim Deutsche-Bank-Zertifikat. Dafür ist der Spread, bedingt dadurch, dass weniger als ein Cent nicht möglich ist, im Verhältnis etwas höher. Er beträgt 1,37 Prozent des Zertifikate-Preises.

Fazit: Anleger, die davon ausgehen, dass die aktuelle Bankenkrise schlimm, aber beherrschbar ist, können mit Deep Discountzertifikaten auf Banktitel üppige Renditen einfahren. Wer fest mit einer erneuten Korrektur rechnet, findet mit dem Short-Zertifikat der Société Générale das geeignete Instrument, das jedoch leider etwas teuer daherkommt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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