Anlagestrategie: "Profitieren, wenn alle nervös sind"

InterviewAnlagestrategie: "Profitieren, wenn alle nervös sind"

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Peter Langerman, erfolgreicher Value-Investor und Chef von Franklin Mutual Advisers, einer Tochter von Franklin Templeton

von Angela Hennersdorf

Der Top-Fondsmanager Peter Langerman setzt auf unterbewertete Aktien. Er erzählt, warum er auf Microsoft, Apple und Metro setzt, und von seiner Rolle als Treuhänder beim Finanzkrisen-Auslöser AIG.

Mr. Langerman, warum zählt der Versicherungskonzern AIG, den die US-Regierung 2008 mit Milliarden vor der Pleite rettete, zu den wichtigsten zehn Aktien in Ihren Fonds?

Der Konzern ist extrem günstig bewertet, weil ihm noch der Makel der Vergangenheit anhaftet. Die drohende Pleite 2008 war der eigentliche Grund für den Ausbruch der globalen Finanzkrise. Dazu kommt, dass die US-Regierung den Konzern im Zuge der Krise verstaatlichte. Offenbar fürchten Investoren bis heute, es könnten irgendwo in den Büchern noch versteckte Risiken in Form fauler Wertpapiere stecken. Das neue Management aber hat bewiesen, dass AIG ein solides Unternehmen ist. Es hat verlorene Marktanteile zurückerobert und gezeigt, dass es Gewinne erzielen kann. Die Firma ist restrukturiert und rekapitalisiert.

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Sind Sie so zuversichtlich, weil Sie AIG so gut kennen? Sie waren von 2010 bis 2011 einer der drei von der US-Regierung bestellten Treuhänder des AIG Trusts.

Lassen Sie mich eins klarstellen: Keiner unserer Fonds war, als ich dort Treuhänder war, in AIG investiert. Erst nachdem das Unternehmen seine Selbstständigkeit zurückerlangt hat, haben wir Aktien von AIG in unsere Portfolios aufgenommen.

Zur Person

  • Peter Langerman

    Langerman, 58, ist seit 2005 Chef der auf Value-Investments spezialisierten Franklin Mutual Advisers. Das Fondshaus gehört zum US-Giganten Franklin Templeton, der weltweit umgerechnet 625 Milliarden Euro verwaltet. Der Amerikaner verantwortet 63 Milliarden Dollar, unter anderen in dem weltweit anlegenden Franklin Mutual Global Discovery Fund. Er ist zudem Vorstandsmitglied des Weinberg Center for Corporate Governance der Universität Delaware.

Welche Aufgabe hatten Sie in dem Trust?

Der Grund für die Einrichtung des Trusts war, dass sich die US-Regierung nach der Übernahme von AIG in einem Interessenkonflikt befand. Im Austausch dafür, dass der Staat Milliarden in AIG gesteckt hatte, übernahm die US-Notenbank die Mehrheit der AIG-Anteile. Damit war die Fed Eigentümerin eines Unternehmens, das sie auch reguliert. Die US-Regierung packte deshalb die AIG-Anteile in einen Trust, kontrolliert und verwaltet von drei unabhängigen Treuhändern. Einer davon war ich. Unsere Aufgabe war es, das Kapital zu verwalten. Ende 2011 wurde der Trust aufgelöst, weil AIG wieder als eigenständiges Unternehmen überleben konnte. Die Regierung ist mittlerweile komplett draußen.

Investoren wurden enteignet, der Ex-AIG-Chef Hank Greenberg klagt dagegen und fordert Milliarden zurück. Wie gefährlich ist diese Klage für AIG?

Greenberg verklagt die US-Regierung, nicht das Unternehmen. Wenn er erfolgreich wäre, würde am Ende der Steuerzahler zur Kasse gebeten, nicht AIG. Die Regierung argumentiert, dass die Übernahme der Anteile eine faire Transaktion war, weil das Unternehmen vor der Pleite stand. Die Klage ist keine Kleinigkeit, aber für den AIG-Investor ist sie keine Gefahr.

AIG galt als gefährlichstes Unternehmen der Welt und zählt bis heute zu den systemrelevanten Unternehmen, so wie die US-Großbanken. Ist das gut oder schlecht für die Bewertung?

Wenn ein Unternehmen eine bestimmte Größe erreicht, stuft das Finanzministerium es als systemrelevant ein. Das ist weder gut noch schlecht, und schon gar nicht schockierend. AIG muss, wie die großen Banken, für den Fall der Fälle genügend Eigenkapital vorhalten sowie ausreichende liquide Mittel vorweisen. Das ist kein Grund, die Aktie nicht zu halten. Größe hat auch Vorteile, viele Kosten verteilen sich auf mehr Einheiten.

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