Anlagestrategie: Unternehmensanleihen verdrängen Staatsbonds

Anlagestrategie: Unternehmensanleihen verdrängen Staatsbonds

, aktualisiert 19. Dezember 2011, 14:56 Uhr
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Anleihen des Linde-Konzerns waren kräftig überzeichnet.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Der Prestigeverlust der Staatsanleihe weckt das Interesse der Investoren an Firmenbonds. Zinspapiere solider Unternehmen mit langer Laufzeit bieten zwar keine hohen Renditen, werfen aber mehr ab als Bundesanleihen.

FrankfurtEs gibt Nachrichten, die sind auf den ersten Blick gut, zeigen aber, wie groß die Probleme tatsächlich sind: Spanien begab vergangene Woche Staatspapiere über sechs Milliarden Euro und nahm damit fast doppelt so viel Geld ein, wie geplant. Was vor einem Jahr allenfalls eine Randnotiz wert gewesen wäre, sorgte am Donnerstag selbst an den Aktienmärkten für zeitweisen Auftrieb. Denn jeder Versuch der Euro-Krisenländer, sich Geld an den Märkten zu besorgen, wird von den Investoren mit Argusaugen beobachtet. Zu groß ist die Angst, dass nach Griechenland, Irland und Portugal weitere Länder vor den Märkten kapitulieren und auf staatliche Hilfskredite zurückgreifen müssen.

Ganz anders ist es bei den großen Unternehmen aus der Industrie. Sie haben keine Probleme, sich Geld an den Märkten zu besorgen. In den vergangenen beiden Wochen wagten sich inmitten des Hin und Her um den jüngsten Euro-Krisengipfel Unternehmen wie Linde, Imperial Tobacco oder Akzo Nobel mit neuen Bonds an den Markt, die allesamt kräftig überzeichnet waren.

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Ein Wunder ist das nicht, denn für viele Experten sind Unternehmensanleihen die ideale Alternative, um ihr Geld vergleichsweise sicher anzulegen. "Unternehmensanleihen haben den Vorteil, dass die finanzielle Lage der Schuldner häufig wesentlich transparenter ist als dies bei Staaten und Banken der Fall ist", meint Vermögensverwalter Johannes Führ. Für Andrew Wells von der Fondsgesellschaft Fidelity haben "Unternehmensanleihen mit höchster Bonität zahlreiche Merkmale, die Anleger früher Staatsanleihen zugeschrieben haben." So seien die Bilanzen vieler Firmen in besserer Verfassung als die Haushalte ihrer Heimatstaaten.

Sicherheit hat ihren Preis

Und genau deshalb sind die Anleihen von guten Unternehmen gefragt. Denn viele Anleihekäufer wollen vor allem eines: Sicherheit. Die verbinden sie mit Anleihen auch wegen ihrer Berechenbarkeit. Wer eine Anleihe kauft und bis zur Fälligkeit hält, sichert sich eine feste Rendite, wenn der Schuldner solvent bleibt. Allerdings schwanken die Kurse der Anleihen während der Laufzeit. Bei steigenden Kursen fallen die Renditen für Neueinsteiger und umgekehrt. Das liegt daran, dass sich der feste Anleihenzinsschein auf den Rückzahlungswert von 100 Prozent bezieht.

Ein Haken: Wegen der großen Nachfrage gibt es für Anleihen von Unternehmen aus den solideren Euro-Ländern im Schnitt nur drei Prozent Rendite und damit noch etwas weniger als am Jahresanfang. Für Anleihen von beliebten und soliden Konzernen wie Microsoft, Siemens oder BMW gibt es noch weniger. Und bei kurzen Laufzeiten, bei denen die Risiken noch überschaubarer sind, müssen sich Investoren oft mit Renditen von weniger als einem Prozent begnügen.


Auch Firmen mit Ausfallrisiken

Trotzdem raten viele Experten den Anlegern dazu, Unternehmensanleihen zu kaufen. Ein Grund: Immerhin gibt es für die Firmenpapiere mehr Rendite als für deutsche Bundesanleihen. Die gelten trotz aller Unsicherheit um die Belastungen für Deutschland aus der Euro-Krise nach wie vor als sichere Anlage und sind extrem gefragt. Die Folge: Für zweijährige Bundesanleihen gibt es nur noch ein viertel Prozent, für zehnjährige Bundesanleihen nur knapp zwei Prozent Rendite. Relativ gesehen werfen die Firmenbonds deutlich mehr Rendite ab als die Bundesanleihen.

Die Kombination aus der relativen Sicherheit und dem gestiegenen Risikoaufschlag ist es, die Experten für die Unternehmensbonds so schwärmen lässt. Dass es für zehnjährige Anleihen aus den großen Euro-Ländern Italien und Spanien 6,5 und 5,4 Prozent Rendite gibt, zählt für die risikoscheuen Investoren dabei nicht. "Viele Staatsanleihen werden nicht mehr als risikolos wahrgenommen", sagt Detlev Kleis von der Fondsgesellschaft UBS Asset Management. Eines ist klar: Risikolose Investments gibt es nicht - auch nicht bei Unternehmen. Wie schnell Investoren auch bei großen Konzernen ihr Geld verlieren können, haben Pleiten wie die von General Motors und Enron schmerzlich gezeigt.

Die risikofreudigeren Investoren finden oft die Anleihen von Unternehmen mit höheren Schulden oder von großen Konzernen, die ihren Sitz in den Euro-Krisenländern haben, interessanter als Staatsanleihen. So bieten die Anleihen von Konzernen aus Spanien, Italien und Portugal nach Berechnungen der Bank of America-Merrill Lynch im Schnitt Renditen von über fünf Prozent. Und Anleihen von höher verschuldeten Unternehmen, die bei einer Rezession zu Wackelkandidaten würden, werfen über elf Prozent Rendite ab. Dazu sehen sich Investoren verstärkt nach Anleihen aus Schwellenländern um. Die rentieren oft zwar niedriger als italienische oder spanische Anleihen, aber höher als Bundesanleihen. "Nicht wenige Schwellenländer sind in Sachen Schuldenstand und Haushalt vielen Industrieländern weit überlegen und bieten Chancen", meint Wells vom Fondshaus Fidelity.

Konservative Investoren mischen aber dennoch ihren Portfolios nur einen kleinen Teil Schwellenländer-Anleihen bei. Schließlich gab es in der jüngeren Geschichte mit Mexiko, Argentinien und Russland große Staatspleiten von Schwellenländern. Mark Burgess vom Fondshaus Threadneedle folgert deshalb: "Es gibt keinen sicheren Anlagehafen." Dennoch müssten Investoren wegen der niedrigen Renditen mit Anleihen aus den Industrienationen nach Alternativen suchen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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