Anlegen 2017 – Teil 6 – Aktien Europa: Rendite bei konstanten Kursen

Anlegen 2017 – Teil 6 – Aktien Europa: Rendite bei konstanten Kursen

, aktualisiert 27. Dezember 2016, 13:10 Uhr
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Wie werden sich europäische Aktien im Jahr 2017 entwickeln?

von Georgios KokologiannisQuelle:Handelsblatt Online

Nur wer sein Aktiendepot aktiv verwaltet, wird im kommenden Börsenjahr mit europäischen Dividendenpapieren Geld verdienen. Experten erwarten, dass Dax & Co. unter dem Strich nur noch schwankungsreich stagnieren dürften.

FrankfurtWer an den europäischen Aktienmärkten auch 2017 noch Geld verdienen möchte, benötigt starke Nerven – und wird sein Portfolio aktiv managen müssen. Mit der Strategie „Kaufen und liegen lassen“ dürfte sich dagegen keine nachhaltige Rendite mehr erzielen lassen. Das erwarten die meisten Experten in ihren Prognosen für das neunte Jahr der zweitlängsten Börsenhausse aller Zeiten.

Null Prozent. So groß ist nach Einschätzung von Experten das mittlere Kurspotenzial europäischer Standardaktien auf Sicht von einem Jahr: Laut der jüngsten Befragung des Informationsdienstes Reuters rechnen Analysten im Schnitt damit, dass der Leitindex Euro Stoxx 50 bis Ende Dezember 2017 nur bei 3.255 Punkten notieren wird – das entspricht genau dem inzwischen erreichten Stand.

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Auch der Deutsche Aktienindex hat sein prognostiziertes Renditepotenzial für die kommenden zwölf Monate schon jetzt vollständig ausgeschöpft. Rund eintausend Punkte ist der Leitindex seit Anfang Dezember innerhalb von knapp zwei Handelswochen nach oben getrieben worden.

Selbst die größten Optimisten unter den Analysten der Banken trauen den Aktienmärkten kaum noch Aufwärtspotenzial zu und rechnen mit hohen Kursschwankungen im Jahresverlauf – dazu zählen etwa die Strategen der DZ Bank: Beim Dax prognostizieren die Fachleute einem Anstieg von rund fünf Prozent auf 12.000 Punkte. Den Euro Stoxx 50 sehen sie in ähnlichem Umfang zulegen – auf 3.450 Punkte.

„Die leichte Beschleunigung der Weltkonjunktur wird die Gewinne der stark exportorientierten Dax-Unternehmen ansteigen lassen. Dies sorgt für Kurspotenzial“, sagt Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank. Außerdem gebe es weiterhin kaum attraktive Alternativen zu einer Anlage in Aktien, begründet der Experten seinen vorsichtigen Optimismus.


Rücksetzer im Frühjahr erwartet

„Aufgrund des merklich höheren Bewertungsniveaus US-amerikanischer Aktien im Vergleich zu ihren europäischen Pendants sind wir für letztere auch positiver eingestellt“, urteilen die Experten der DZ-Bank. Demnach sollten die europäischen Märkte auch aufgrund des schwachen Euro-Wechselkurses wieder ein Stück zum US-Aktienmarkt aufschließen können, der sich im auslaufenden Jahr deutlich besser entwickelt hat als die Börsen hierzulande: Magere 0,5 Prozent Plus lautet die bisherige Jahresbilanz des Euro Stoxx 50.

Der US-Bluechip-Index Dow Jones hat dagegen seit Anfang 2016 um 14,5 Prozent zugelegt – vor allem seit der Wahl Donalds Trumps zum nächsten US-Präsidenten kletterten die wichtigsten Börsenindizes in den USA nahezu ununterbrochen auf immer neue Rekordstände.

„Bei aller momentan positiven Stimmung sollte aber nicht vernachlässigt werden, dass die Trump-Euphorie nach Amtsübernahme sicherlich nachlassen wird“, sagt Frank Wohlgemuth, Leiter Anlagestrategie bei der DZ-Bank. Dies werde sich auch an den Aktienmärkten bemerkbar machen. Folglich sollte auch ein spürbarer Rücksetzer im Frühjahr ins Investitionskalkül einbezogen werden.

Gerade im Vergleich zu Zinspapieren dürften sich Aktien im Jahr 2017 aber insgesamt besser entwickeln: „Besonders großes Potenzial sehen wir für europäische Aktien“, sagt Christian Heger, Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management Deutschland: Als Exportregion profitiere die Eurozone von der positiven Situation in den USA, dem stabilen Wachstum in China und der verbesserten Situation der Rohstoffländer. „Das Wirtschaftswachstum ist solide und die Unternehmensgewinne können im zweitstelligen Bereich zulegen“, ergänzt Heger.

Europa habe im Gegensatz zu den USA keinen Gegenwind von der Zinsseite. Zudem betrage die Dividendenrendite ein Vielfaches der Rendite für deutsche Bundesanleihen. Zuletzt hätten politische Unsicherheiten Aktieninvestoren von der Region ferngehalten. „Dadurch haben europäische Aktien deutlichen Aufholbedarf“, sagt der Fachmann. Die Stimmung sei schlechter als die fundamentalen Daten es rechtfertigen, lautet sein Fazit.

Diese grundsätzlich positive Einschätzung teilt Jürgen Michels, Chefvolkswirt und Leiter Research bei der Bayern LB: „Für Aktien erwarten wir 2017 trotz derzeit noch zu optimistischer Gewinnschätzungen und der Fortsetzung des Fed-Zinserhöhungspfads höhere Notierungen“, sagt der Experte. Dank des schwächeren Euro-Außenwerts sollten die europäischen Märkte dabei vor den bereits „sehr ambitioniert bewerteten“ US-Märkten liegen. „Gemessen an den politischen Erdbeben sei das Jahr 2016 an den Finanzmärkten wie auch konjunkturell recht glimpflich verlaufen“, sagt Michels.


Es drohen neue politische Beben

Hintergrund: Ein turbulentes Kapitalmarktjahr neigt sich dem Ende zu. Zum Auftakt verhagelten Sorgen um das China-Wachstum auch an den hiesigen Finanzmärkten die Stimmung . Im Sommer ließ die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU die Börsenkurse abstürzen. Es folgten der Militärputsch in der Türkei, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und das Nein der Italiener zu einer Verfassungsreform verbunden mit dem Rücktritt von Regierungschef Matteo Renzi im Dezember. Alles in allem viel Unsicherheit, Volatilität und zeitweise extreme Verwerfungen. Dennoch war das Kapitalmarktjahr 2016 für viele Börsianer, die investiert geblieben sind, ein renditeträchtiges Jahr.

„Aus unserer Sicht sind die politischen Beben aber noch nicht beendet“, sagt Bayern LB-Mann Michels. Sowohl das Brexit-Votum als auch die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten würden ihre Wirkung erst 2017 richtig entfalten. Letztlich gehe man davon aus, dass die Verwerfungen in Kombination mit neuen politischen Eruptionen die Weltwirtschaft im Jahr 2017 dämpfen und für eine hohe Volatilität an den Märkten sorgen werden.

Zu den größten Gefahren in Europa im kommenden Jahr gehören auch nach Einschätzung der meisten anderen Investmentprofis weiterhin politische Risiken: „Die Europäische Union macht derzeit einen chaotischen Eindruck, sie ist zu heterogen für eine konstruktive Gemeinschaft. Strukturelle Probleme begrenzen das Wachstum“, sagt etwa Christoph Bruns, Fondsmanager und Vorstand beim deutschen Asset Manager Loys. Viele Unternehmen aus Europa seien allerdings international aufgestellt und von der Weltwirtschaft abhängig – und die wachse erheblich stärker als Europa. „Von der Bewertungsseite her sehen europäische Unternehmen günstig aus“, ergänzt Bruns.

Ähnlich urteilt Monica Defend, Chef-Anlagestrategin beim Fondshaus Pioneer Investments: Es sei zwar von steigenden Unternehmensgewinnen auszugehen. Im Euroraum werde dies jedoch weniger ausgeprägt sein als etwa in den USA. „Hier erwarten wir moderates Wachstum, auch wegen hoher politischer Risiken und Ereignisrisiken“, sagt Defend.


Optimisten sehen Überraschungspotenzial

Ziemlich allein mit ihrer extrem positiven Aktienmarktprognose für das Jahr 2017 stehen die Experten von Sentix. Das Analyse- und Investmenthaus, das regelmäßig die Anlegerstimmung untersucht und darauf basierend die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten vorherzusagen versucht, hält etwa einen Dax-Stand von 14.000 Punkten im kommenden Börsenjahr für wahrscheinlich.

Auch beim Euro Stoxx 50 gehen die Fachleute von einer Überraschung aus – und einem Kursplus von rund 25 Prozent. „Die aktuell eher moderate Erwartungshaltung vieler Anleger mit Blick auf die Börsenentwicklung 2017 ist zusätzlicher Treibstoff für die Kurse, wenn die Aktienmärkte erst beginnen Fahrt aufzunehmen. Die derzeit vorherrschende Skepsis gefällt uns als Contrarian natürlich besonders“, sagt Manfred Hübner, Gründer und Chefstratege von Sentix. Die Impulse aus den USA, ausgelöst von Erfolgsmeldungen der Regierung Trump, sollten nach der Erwartung von Sentix zunächst auch den europäischen Aktien Rückenwind verleihen. Hinzu komme Überraschungspotenzial beispielsweise durch die Wahlen in Holland und Frankreich.

Trotz ihres auffällig positiven Ausblicks, warnen auch die Sentix-Experten allerdings vor einem passiven Anlagestrategie: Denn dem Aufbruch zu neuen Höchstkursen dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2017 die Ernüchterung in Form einer merklichen Kurskorrektur folgen. Die Zinssteigerungen am Anleihemarkt und die restriktivere Gangart der großen Notenbanken werden dann die Bewertungsrelationen für Aktien deutlich verschlechtern.

„Auf Basis des aktuellen Stimmungsbildes der Anleger und aufgrund unseres Drehbuchs bezüglich Zinsentwicklung und Dollarstärke gehen wir von im Jahresverlauf deutlich schwankenden Börsen aus, warnt Patrick Hussy, verantwortlicher Geschäftsführer für das Asset Management bei Sentix. Vor allem zwei Dinge seien deshalb für Investoren wichtig: Ein gutes Timing und eine strikte Risikokontrolle.

Wie eine geeignete aktive, timingbasierte Anlagestrategie im Grundsatz aussehen kann, skizziert Ulrich Zorn, Fondsmanager und Partner bei der CSR Beratungsgesellschaft: „Wir legen für ein Jahr Kursbandbreiten fest, innerhalb derer wir regelbasiert und konsequent antizyklisch handeln“, sagt der Investmentprofi. Konkret: Bei fallenden Dax-Ständen beispielsweise werde die Aktienquote erhöht – bei steigenden Notierungen dagegen reduziert, ergänzt Zorn. Sollten die Aktienkurse bis Ende 2017 tatsächlich nur noch unter hohen Schwankungen auf der Stelle treten, können Anleger mit solch einem Ansatz dennoch attraktive Erträge erzielen.


Anlegen 2017 – Alle Teile der Serie

Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie hat 14 Teile und läuft vom 22. Dezember bis 4. Januar 2017. Jeweils im Tagesverlauf geht eine weitere Folge online.

Teil 1 (22.12.): Aktien Deutschland

Teil 2 (23.12.): Wohnimmobilien

Teil 3 (24.12.): Unternehmens- und Staatsanleihen: Industrieländer

Teil 4 (25.12.): Gold

Teil 5 (26.12.): Unternehmens- und Staatsanleihen: Schwellenländer

Teil 6 (27.12.): Aktien Europa

Teil 7 (28.12.): Aktien Schwellenländer

Teil 8 (29.12.): Aktien Nordeuropa

Teil 9 (30.12.): Devisen

Teil 10 (31.12.): Der beste Markt der Welt

Teil 11 (1.1.2016): Aus Fehlern lernen

Teil 12 (2.1.): Aktien USA

Teil 13 (3.1.): Kreditzinsen

Teil 14 (4.1.): Leser-Erwartungen 2017

Quelle:  Handelsblatt Online
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