Anleger in Not: Schiffsfonds verlieren Millionen

Anleger in Not: Schiffsfonds verlieren Millionen

, aktualisiert 17. November 2011, 15:14 Uhr
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Frachter bei Nacht: Durch Dumpingmieten spielen die Ozeanriesen ihre Kosten oft nicht ein.

Quelle:Handelsblatt Online

Investoren in der Schiffsfracht-Branche brauchen derzeit starke Nerven: Weil die Schiffe oft nicht mal ihre Betriebskosten decken konnten, fuhren viele Fonds in die Pleite. Die Anleger stehen vor Millionenverlusten.

HamburgDie Probleme notleidender Schiffsbeteiligungen spitzen sich zu. Hunderte Fondsgesellschaften sind überschuldet. Erneute Einbrüche der Schiffsmieten (Charterraten) lassen viele Sanierungskonzepte platzen. Banken versuchen sich von notleidenden Schiffskrediten zu befreien. Fast 40 Schiffsgesellschaften mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro fuhren bereits in die Pleite. Sie hatten Anlegergeld in Höhe von knapp 200 Millionen Euro an Bord. Längst sind die Fondshäuser nicht mehr allein Herr der Lage: „Wir sind alle Getriebene“, stellt Torsten Teichert, Chef des Anbieters Lloyd Fonds fest.

Durch Notverkäufe und den Wertverfall der Schiffe laufen weitere hohe Verluste auf. Jüngstes Pleite-Beispiel ist der fast 114 Millionen Euro schwere DS-Rendite-Fonds Nr. 111 vom Anbieter Dr. Peters aus Dortmund. Privatanleger hatten ihm Einlagen in Höhe von rund 45 Millionen Euro anvertraut. Fünf Jahre lang verdienten die beiden Rohöltanker DS Performer und DS Power mit 110 000 Tonnen Kapazität ihr Geld. Doch in der Krise erwiesen sich die im Prospekt vorgerechneten Tagesmieten von 24 000 Dollar pro Schiff als Mondpreise.

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Mitte 2010 ließen sich die Tanker nur noch zu etwa einem Fünftel davon verchartern. Das reichte nicht einmal für die Betriebskosten und somit erst recht nicht für die Bedienung der Schulden. Nach gescheiterten Sanierungsversuchen stellten die Commerzbank und Nordea Bank schließlich die Kredite fällig. Bei der anstehenden Zwangsverwertung droht den Anlegern nun der Totalverlust. Die beiden Tanker, die 2005 für über 121 Millionen Dollar erworben wurden, haben derzeit nur noch einen geschätzten Marktwert von circa 32 Millionen Dollar. Allein die Bankschulden sind fast doppelt so hoch.

Kein Einzelfall, sagt Dr.Peters-Chef Jürgen Salamon: „Nach Branchenschätzungen sind etwa 150 Schiffe in einer vergleichbaren Situation.“ Der dramatische Preisverfall macht auch vor Container- und Massengutschiffen nicht halt (siehe Grafik). Auch für diese beiden Segmente gilt: Häufig decken die Mieteinnahmen nicht einmal die Betriebskosten.

Die Ursache sind hohe Überkapazitäten an Schiffstonnage, die trotz boomenden Seehandels Charterraten und Schiffswerte in den Keller rauschen ließen. „Der Verdrängungswettbewerb unter den Reedern führt zu ruinösen Charterraten“, beobachtet Michael Rathmann, der seit vielen Jahren Schiffsfonds vertriebt und in Anlegerbeiräten mehrerer Fonds sitzt.

Schiffsfonds in Schieflage

Fondshäuser, Reeder und Banken hatten aus Gewinnstreben zu viele Schiffe in den Markt gedrückt und eine gewaltige Blase erzeugt. Den Schaden haben nun die Anleger, deren Geld in etwa 2500 deutschen Handelsschiffen steckt. Viele ihrer Fonds sitzen auf dem Trockenen, können seit rund zwei Jahren weder Bankschulden bedienen noch das Anlegerkapital prospektgemäß zurückführen. Noch vor einem Jahr lobten Emissionshäuser und Reeder auf dem Schiffsfinanziererkongress „Hansa-Forum“ das partnerschaftliche Verhalten der Banken in der Krise. Doch die fahren inzwischen einen härteren Kurs. „Die Banken fordern nachhaltiger Sanierungsbeiträge der Anleger“, berichtet Rathmann. Bei manchen Fonds geschehe dies schon zum zweiten Mal, ergänzt er.


Nur Kapitalspritzen und Tilgungsstundungen verhinderten den Untergang

Viel Geschäft, viele Probleme – so etwa bei HCI Capital, einem der führenden Anbieter. Seit 2009 sanierten die Hamburger mehr als 100 der insgesamt rund 330 Schiffsgesellschaften. Nur Kapitalspritzen der Anleger in Höhe von mehr als 65 Millionen Euro und Tilgungsstundungen der Banken bewahrten sie vor dem Untergang. Ein Sprecher des Fondshauses stellt die Managementleistung dahinter heraus, gesteht aber, dass nicht sicher ist, ob alle Fonds über dem Berg sind: „Wir können nicht ausschließen, dass überarbeitete Finanzierungskonzepte benötigt werden.“

Auch Fondsanbieter MPC Capital steht vor einem Schiffsfonds-Desaster: Hier gerieten 22 von 78 Fonds in Not. Das Unternehmen musste frisches Anleger-Kapital in Höhe von insgesamt 78,5 Millionen Euro einsammeln. Beim ebenfalls börsennotierten Finanzdienstleister Lloyd Fonds waren mehr als 38 Millionen zur Stützung gefährdeter Schiffsgesellschaften nötig.

Von den über 60 Fondsschiffen der GHF trieb in den vergangenen Jahren sogar jedes zweite an den Rand der Insolvenz. Auf Druck der Bremer Landesbank verkauft das Emissionshaus aus Leer nun an die 15 Schiffe.

Bei vielen anderen Anbietern sieht es nicht besser aus. Conti Corona, die ihre Schiffe nach eigenen Aussagen bisher ohne Kapitalnachschüsse der Anleger durch die Krise manövrierte, ist die Ausnahme. Doch auch die Münchener haben kürzlich die beiden Containerschiffe Conti Sharja und Conti Singa für ein halbes Jahr stillgelegt, weil die Mieten die Kosten nicht gedeckt hätten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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