Anleihen: "Fed muss eventuell Preisabschläge in Kauf nehmen"

InterviewAnleihemärkte: "Die Fed muss eventuell Preisabschläge in Kauf nehmen"

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Das Quartier der U.S. Federal Reserve

von Saskia Littmann

Die Fed schrumpft ihre Bilanz und beginnt mit dem Verkauf von Staatsanleihen. Der leitende Zinsstratege der DZ Bank, Christoph Kutt, erklärt die Risiken und warum nun der richtige Zeitpunkt dafür ist.

WirtschaftsWoche: Herr Kutt, die US-Notenbank wird im Oktober damit beginnen, ihre Bilanz jährlich um 600 Milliarden Dollar zu schrumpfen und fällig werdende Anleihen nicht mehr zu refinanzieren. Sie rechnen trotzdem nicht mit einem Crash an den Anleihemärkten?
Christoph Kutt: Nein. Wenn die Fed ihre Bilanz um 600 Milliarden Dollar reduziert, entspricht das der Wirkung von etwa anderthalb Zinserhöhungen.

Schwierig würde es also erst, wenn zusätzlich mehrere Zinserhöhungen hinzu kämen?
Ja, vermutlich. Allerdings wird der Markt ein Entwöhnungsprogramm durchlaufen müssen. Das könnte bis Anfang 2019 dauern.

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Wo sehen Sie Probleme?
Die Fälligkeiten im Portfolio schwanken stark. Das führt dazu, dass die US-Notenbank in einigen Monaten Anleihen nur reinvestiert, also als Käufer auftritt, in anderen Monaten aber wieder als Verkäufer am Markt auftritt. Das wird für Schwankungen sorgen.

Zur Person

  • Christoph Kutt

    Christoph Kutt ist Leiter Zinsstrategie und Staatsanleihen bei der DZ Bank in Frankfurt.

Eine Sorge ist, die Fed könnte am Markt nicht genug Käufer für ihre Anleihen finden. Teilen Sie die Bedenken?
Grundsätzlich nicht. Aber die Fed muss auch ihre Anleihen mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren loswerden. Der Markt für diese sehr lange laufenden Anleihen ist nicht besonders liquide.

Wer steht als Käufer parat?
Vorrangig legen sich diese Ultralangläufer langfristig orientierte Investoren wie Versicherer und Pensionskassen ins Depot. Am Ende ist das eine Sache des Preises.

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Quelle: REUTERS

Inwiefern?
Die Fed muss da eventuell Abschläge in Kauf nehmen.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit Staatsanleihekäufen die Euro-Staaten gestützt. Würden die Märkte das gleichzeitige Schrumpfen beider Notenbankbilanzen verkraften?
Würden Fed und EZB ihre Bilanzsumme parallel schrumpfen, wäre das riskant. Ich rechne allerdings nicht damit, dass die EZB damit weit vor 2022 beginnen wird. Dann wäre die Fed damit durch.

Warum müssen die Notenbanken überhaupt Anleihen verkaufen? Kritiker behaupten sogar, es könne alles so bleiben.
Nein, die Notenbanken brauchen einen ausreichenden Puffer, um beim nächsten Abschwung wieder angemessen reagieren zu können. Im Moment liefert die konjunkturelle Entwicklung die Möglichkeit, die Bilanz jetzt herunterzufahren.

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