Anleihen: Britische Bonds notieren weiter am Rekordtief

Anleihen: Britische Bonds notieren weiter am Rekordtief

, aktualisiert 28. Juni 2016, 14:47 Uhr
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Britische Fünf, Zehn- und 20-Pfundnoten: Die Rendite der britischen Bonds notiert weiterhin im Keller.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Herabstufung der Bonität Großbritanniens hat Anleihe-Anleger kaum beeindruckt. Im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen, weil die Anleger umschichteten.

FrankfurtDie Rendite der zehnjährigen britischen Bonds stieg am Dienstag zwar auf 0,986 Prozent, blieb aber in Reichweite des Rekordtiefs von 0,933 Prozent. Ein Teil dieser Entwicklung sei auf die Rally am Aktienmarkt zurückzuführen, sagten Börsianer.
Investoren schichteten um, weil sie sich dort größere Erträge erwarteten. Daher mussten auch die als sicher geltenden Bundesanleihen Federn lassen. Die Rendite der zehnjährigen Titel stieg auf minus 0,088 von minus 0,106 Prozent. Daneben verhinderten Spekulationen auf Zinssenkungen der Bank von England (BoE) größere Verkäufe bei britischen Anleihen, so Börsianer. Denn in diesem Fall würden neu ausgegebene Bonds niedriger verzinst als die aktuellen.

Joe Rundle, Chef-Händler des Brokerhauses ETX Capital, warnte allerdings davor, auf eine langfristig hohe Nachfrage nach britischen Anleihen zu setzen. Die Herabstufung der Bonität sei nur das erste Zeichen für „erhebliche realwirtschaftliche Auswirkungen“ des Brexit. „Großbritannien hat immer noch ein großes Defizit und steuert auf eine Rezession zu. Eine Rating-Herabstufung, die die staatliche Schuldenaufnahme verteuert, ist das Letzte, was das Land braucht.“

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Die Rating-Agenturen S&P und Fitch haben dem Land nach dem Anti-EU-Votum wegen der Risiken für die Wirtschaft die Bestnote „AAA“ entzogen. Dies treibt üblicherweise die Finanzierungskosten für den Staat und die Unternehmen in die Höhe.

Auftrieb hingegen haben am Dienstag die Kurse der südeuropäischen Anleihen erhalten. Im Gegenzug fielen die Renditen der zehnjährigen Titel aus Italien, Portugal und Griechenland auf 1,368 Prozent, 3,221 Prozent und 8,642 Prozent. Die spanischen Papiere rentierten mit 1,359 Prozent zeitweise so niedrig wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Hintergrund waren Spekulationen auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik.

„Wenn wir davon ausgehen, dass die britische Entscheidung zu geringerem Wachstum und geringerer Inflation in der Euro-Zone führt, ist es logisch, von der EZB weitere Maßnahmen zu erwarten“, sagte Anleihestratege Patrick Jacq von der Bank BNP Paribas. Denkbar seien weitere Zinssenkungen oder eine Ausweitung der Anleihekäufe.

Aktuell kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro monatlich auf, um die heimische Konjunktur anzukurbeln und die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

Als Reaktion auf das Brexit-Referendum vom Donnerstag fiel das für die EZB-Geldpolitik wichtige Inflationsbarometer, der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward, zeitweise auf ein Rekordtief 1,2671 Prozent.
Dies bedeutet, Investoren gehen davon aus, dass - beginnend in fünf Jahren - die Inflation über einen Zeitraum von fünf Jahren bei etwa 1,2671 Prozent und damit unter der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent liegen wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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