Anleihen der Golfstaaten: Der Nächste, bitte!

Anleihen der Golfstaaten: Der Nächste, bitte!

, aktualisiert 17. Januar 2017, 18:30 Uhr
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Kuwaits Emir Scheich Sabah al-Ahmad al-Jaber al-Sabah (rechts) und Saudi-Arabiens König Salman: Nach Saudi Arabien plant auch Kuwait Anleihen.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Kuwait will sich bei internationalen Investoren erstmals Geld über eine große Dollar-Anleihe besorgen. Damit öffnet sich der letzte der sechs Golfstaaten für den Kapitalmarkt. Das Interesse daran dürfte groß sein.

FrankfurtSaudi-Arabien hat es gemacht, Katar hat es gemacht, Abu Dhabi, der Oman und Bahrain ebenso: Die Golfstaaten entdecken verstärkt den globalen Anleihemarkt. Im vergangenen Jahr haben sich die Staaten zusammen 36,5 Milliarden Dollar bei internationalen Investoren geliehen und damit so viel wie noch nie.

In den beiden Vorjahren hatte es fast gar keine Bond-Platzierungen der Länder gegeben. Dabei kommt die Öffnung der arabischen Länder hin zum Kapitalmarkt nicht von ungefähr: Der seit 2014 massiv gefallene Ölpreis zwingt sie dazu, sich nach anderen Geldquellen umzusehen.

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Dabei wagt jetzt auch Kuwait einen Vorstoß. Das Emirat, das an den Irak, Saudi-Arabien und den Persischen Golf grenzt, führt erste Gespräche mit Banken über eine Bondplatzierung. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg geht es um mehrere Milliarden Dollar. Die britische Zeitung „Financial Times“ berichtet, dass Vertreter von zwei Investmentbanken Anfang des Monats nach Kuwait Stadt geflogen sind, um Anleihepläne mit Vertretern der Regierung zu besprechen.

Wann genau es die erste kuwaitische Dollar-Anleihe geben wird, steht noch nicht fest. Viel hängt laut Bankern davon ab, wie sich die Märkte in den ersten Wochen unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump entwickeln. Von daher könnte die Anleihe auch erst im April oder Mai platziert werden. Offizielle Konsortialbanken hat Kuwait noch nicht bestimmt.

Im vergangenen Jahr hatte das von Scheich Sabah al-Ahmad al-Dschabir as-Sabah geführte Kuwait erstmals ein Haushaltsdefizit eingefahren. Dieses Schicksal teilt es mit vielen Golfstaaten, die unter dem gefallenen Ölpreis leiden. Seit seinem Zwölfjahrestief von gut 35 Dollar ist der Ölpreis für ein Barrell (159 Liter) der Marke Brent zwar wieder auf 56,60 Dollar gestiegen. Damit kostet er aber dennoch nur noch fast halb so viel wie noch im Juni 2014.

Für den jüngsten Anstieg des Ölpreises hat auch die Organisation Öl exportierender Länder (Opec) gesorgt, die in diesem Jahr nach langem hin- und her die Fördermengen gekürzt hat. Kuwait senkte dabei die Fördermenge zuletzt noch deutlicher als geplant. Ölminister Essam Al-Marzouk erklärte, dass sein Land ein Ölpreis zwischen 55 und 60 Dollar anstrebe.


Golfstaaten klotzen mit Bonds

Die spektakulärste Anleiheplatzierung eines Golfstaates kam im vergangenen Oktober aus Saudi-Arabien, das sich erstmals an den Bondmarkt wagte. Das Königreich platzierte dabei eine Anleihe mit verschiedenen Laufzeiten über insgesamt 17,5 Milliarden Dollar. Mehr Geld auf einen Schlag hat sich noch nie ein Land abseits der Industrienationen am Anleihemarkt besorgt. Die Investoren rissen sich förmlich um die Zinspapiere und gaben Kaufaufträge im Umfang von 67 Milliarden Dollar ab.

Dabei profitierte Saudi-Arabien wie auch die anderen Golfstaaten vom Hunger der Investoren nach Rendite im Niedrigzinsumfeld. Immerhin bot Saudi-Arabien den Investoren im Oktober für zum Beispiel die Anleihetranche mit Laufzeit von zehn Jahren eine Rendite von 3,5 Prozent und damit 2,1 Prozentpunkte mehr als die vergleichbare zehnjährige US-Staatsanleihe. Seit der Platzierung ist die Rendite leicht auf 3,7 Prozent gestiegen. Die Renditen der US-Staatsanleihen stiegen indes noch sehr viel deutlicher, so dass der Risikoaufschlag auf 1,3 Prozentpunkte gesunken ist.

Ähnlich war es bei den anderen neuen Anleihen der Golfstaaten. Auch sie begaben große Bonds frei nach dem Motto „Nicht kleckern, sondern klotzen“. Dabei platzierte Abu Dhabi schon im April Bonds über fünf Milliarden Dollar, Katar sammelte im Mai neun Milliarden Dollar ein. Der Oman begab im Juni eine Anleihe über 2,5 Milliarden Dollar und stockte diese im September um weitere 1,5 Milliarden Dollar auf. Lediglich Bahrain zeigte sich mit einer Bondplatzierung über eine Milliarde Dollar recht bescheiden, hat dafür in der Vergangenheit schon öfter Dollar-Zinspapiere ausgegeben.

Gestillt ist der Kapitalhunger der Staaten aber noch lange nicht. Neben Kuwait hat Saudi-Arabiens Wirtschaftsminister Mohammed Tuwaijri im Dezember für dieses Jahr weitere Dollar-Bonds im Umfang von zehn Milliarden bis 15 Milliarden Dollar angekündigt.

Nach Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg plant auch das Sultanat Oman weitere Dollar-Anleihen und hat dazu bereits Banken zu Gesprächen in die Hauptstadt Maskat eingeladen. Von Anleihen der Golfstaaten werden Investoren damit auch in diesem Jahr noch viel hören.

Quelle:  Handelsblatt Online
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