Anleihetipp: Katjes: Süß ins Ausland

Anleihetipp: Katjes: Süß ins Ausland

Für Expansionspläne sammelt der Süßwarenhersteller Katjes Geld über eine Anleihe ein. Das könnte für Anleger interessant sein.

1910 brachte Vorfahr Xaver Fassin von einer Sizilienreise ein Lakritzrezept ins heimatliche Emmerich. Dort residiert die Familie noch heute und entwickelte das Niederrheinstädtchen inzwischen zu einer kleinen Welthauptstadt der Süßwarenmarken. Den Lakritzen (in Form von Kätzchen, niederländisch Katjes) folgten 1971 Fruchtgummis mit Joghurt. Ab 1995 ging es mit dem Eintritt von Tobias Bachmüller, inzwischen geschäftsführender Gesellschafter, erst richtig los: Die Lakritzkocher übernahmen Marken von Rang und Namen: Dr. Hillers Pfefferminz, Villosa (mit Hustelinchen), Frigeo Ahoj Brause, Gletscher Eis (Eisbonbons) oder Granini Fruchtbonbons.

Jetzt ist die auf das Auslandsgeschäft der Katjes-Gruppe ausgerichtete Holding Katjes International GmbH & Co. KG dabei, den über Töchter gehaltenen franzö-sisch-belgischen Süßwarenhersteller Lamy Lutti zu übernehmen. Die -Gelder sammelt Emmerich über eine Anleihe (30 Millionen Euro) ein. Die Beteiligung an der holländischen Festivaldi (Lakritz) könnte aufgestockt werden. Kaufkandidaten – samt Marken – passen: In Frankreich kam Lamy Lutti (LL) bei Zuckerwaren (Lakritz, Weingummi) auf 14,1 Prozent Marktanteil. In Belgien ist LL mit 26,3 Prozent Marktanteil vertreten. Katjes International bezieht als Holding lediglich Dividenden und sonstige Zahlungen der Auslandstöchter. Bedienung und Rückzahlung der Anleihe hängen also von der Entwicklung der Beteiligungen ab. Ausschüttungen sind für die nächsten Jahre nicht geplant – finanzielle Stärkung, Schuldenabbau und damit Bedienung der Anleihe haben Vorrang. Katjes International plus LL -erzielten 2010 einen Umsatz von 109 Millionen (nach 103 Millionen Euro), unter dem Strich ergab sich ein Verlust von rund 100 000 Euro (nach 3,3 Millionen Euro Verlust). Das deutet auf Besserung. Die Eigenkapitalquote fiel von 37,1 auf 32,5 Prozent. Die Schulden erreichten 2010 brutto rund 76 Millionen Euro, aktuell betragen die Nettofinanzschulden 21 Millionen (ohne Factoring).

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Creditreform vergab zur Emission ein Rating von BB+, (Ramschbereich). Die Einstufung, so Creditreform, zeigt die „befriedigende Bonität, die im Vergleich zur Gesamtwirtschaft einer überdurchschnittlichen Beurteilung entspricht“. Nach den Kriterien der angelsächsischen Konkurrenz für BB+ ist die Anleihe ebenfalls spekulativ, die Deckung für Zins- und Tilgungsleistung jedoch „nur sehr mäßig“. Anleihekäufer setzen darauf, dass Katjes auch bei den Auslandstöchtern sein gutes Händchen beweist.

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