Apple: In Jobs’ Schatten

von Matthias Hohensee

Ein neues Buch untersucht, wie sich Apple nach dem Tod von Steve Jobs verändert hat. Und ob Tim Cook an dessen Erfolge anknüpfen kann.

Über Steve Jobs sind Dutzende Bücher geschrieben worden. Sie handeln davon, wie das unternehmerische Genie Apple gründete, dann gefeuert wurde und bei seiner triumphalen Rückkehr Apple nicht nur vorm Bankrott rettete, sondern zugleich zum wertvollsten Unternehmen des Planeten ausbaute.

Nicht weniger spannend für Apple-Fans, Kunden und Aktionäre ist, wie sich der Konzern nach Jobs’ Tod im Oktober 2011 verändert hat. Wie Jobs’ Nachfolger Tim Cook tickt und welche Schlüsse sich daraus für Apples Zukunft ziehen lassen.

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Yukari Kane „Haunted Empire – Apple after Steve Jobs“ ISBN 978-0-06-212825-6 für 27,99 US-Dollar Quelle: Presse

Yukari Kane „Haunted Empire – Apple after Steve Jobs“ ISBN 978-0-06-212825-6 für 27,99 US-Dollar

Bild: Presse

Ein neues Buch von Yukari Kane, die etliche Jahre für die US-Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ vor Ort in Kalifornien über Apple berichtete, soll das offenlegen. Wenige Tage nach Jobs’ Tod begann Kane ihre Recherchen. Sie reiste mehrfach nach China und Taiwan, interviewte Mitarbeiter von Apples größtem Fertiger Foxconn und befragte Zulieferer über die berühmte, maßgeblich von Cook aufgebaute Lieferkette. Im Geburtsort von Cook, Robertsdale, einem 5000-Seelen-Nest im US-Bundesstaat Alabama, erforschte sie Cooks Kindheit und Jugend. Vor allem aber brachte sie gegenwärtige und ehemalige Apple-Mitarbeiter zum Reden. Apple selbst verwehrte jegliche Kooperation. Derzeit gibt es das Buch nur auf Englisch; der Verlag Carl Hanser arbeitet an einer deutschen Übersetzung.

Das "verhexte Imperium"

Kane schildert in ihrem Buch, wie Cook und dessen Führungsteam versuchen, das Vermächtnis des Apple-Gründers zu bewahren. Dieses Versprechen hatte Jobs seinem Nachfolger noch auf dem Totenbett abgenommen. Bei der Buchlektüre wird schnell klar: Bislang hat Cook sich tatsächlich auf das Bewahren konzentriert. In Zukunft wird er aber stärker eigene Impulse setzen müssen, wenn sich Apples Erfolg fortsetzen soll.

Über zwei Jahre nach Jobs’ Tod ist Apple heute ein „verhextes Imperium“ – so lautet, frei übersetzt, der Buchtitel. Verhext, weil es noch immer von spektakulären Erfolgen wie iPod, iPhone und iPad geprägt ist, die zugleich seine Zukunft überschatten. Ein hochprofitabler Konzern, der sagenhafte 150 Milliarden Dollar auf der hohen Kante liegen hat. Damit könnte er mühelos Unternehmen in anderen Märkten aufkaufen und so das Geschäftsmodell ausweiten, so wie Google oder Facebook das tun. Und er könnte große Abenteuer eingehen, ohne das Haus verwetten zu müssen.

Diesen Weg wählt Apple bislang aber nicht. Große Übernahmen liegen nicht in der Kultur des Unternehmens, das stets auf seine Ideen vertraut hat und damit gut gefahren ist.

Schon lange keine bahnbrechende Innovation mehr

Das Problem ist nur: Cook gilt als der Meister des gepflegten Updates, der behutsamen Modellpflege. Seit vier Jahren hat Apple kein bahnbrechendes Produkt mehr auf den Weg gebracht. Die Verfolger sitzen so dicht im Nacken wie nie zuvor. iPhone und iPad sind in die Jahre gekommen. Der Markt für Smartphones und Tablets ist zwar größer geworden. Apples Anteile daran jedoch viel stärker geschrumpft. Hohe zweistellige Wachstumsraten sind längst Geschichte.

Klar, Apple bleibt hochprofitabel. Hier zahlt es sich aus, dass Cook Jobs’ Vermächtnis treu geblieben ist. So hatte Jobs in den Neunzigerjahren Kritik an kläglichen drei Prozent Marktanteil bei Computern mit Verweis auf den Autohersteller BMW gekontert: Solange man als Premiumanbieter Gewinne erziele, müsse man den Markt nicht beherrschen. Doch es ist unklar, wie lange Apple im harten Wettbewerb um hochwertige Smartphones und Tablets so noch bestehen kann.

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