Apple-Kurssturz: Lassen Investoren die Apple-Aktie fallen?

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Apple-Kurssturz: Lassen Investoren die Apple-Aktie fallen?

von Stefan Hajek und Andreas Toller

Das teuerste Unternehmen der Welt hat an der Börse deutlich Federn gelassen. Ist das Minus von 13 Prozent nur eine Börsenlaune, oder haben Investoren handfeste Gründe, die Apple-Aktie zu verkaufen?

Was ist nur mit der Apple-Aktie los? Schon seit zehn Tagen fällt der Kurs, liegt nun schon 13 Prozent unter dem zwischenzeitlichen Hoch bei 120 Euro von Mitte Juli.

Die Apple-Aktie hat erstmals seit 1997 an zehn von elf Börsentagen Rückschläge hinnehmen müssen. Zudem unterschritt der Aktienkurs erstmals seit 2013 seinen 200-Tage-Durchschnitt – ein vielbeachteter Gradmesser für den Kurstrend. Damit schickten Anleger auch aus charttechnischen Gründen die Aktie auf Talfahrt.

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Auch wenn die Analyse des Kursverlaufs mit Hilfe der Charttechnik vielen als Kaffeesatzleserei gilt, orientieren sich viele Anleger und automatisierte Handelsprogramme daran. So gilt ein Unterschreiten der 200-Tage-Linie – also des Durchschnitts der Aktienkurse der vergangenen 200 Tage – als eindeutiges Verkaufssignal. Charttechnisch droht damit ein Abbruch des seit 2013 bestehenden Aufwärtstrends. Charttechniker gehen davon aus, dass dann in der Folge mit weiteren Kursverlusten gerechnet werden muss, bis der Kursverlauf einen Boden erreicht. Ein eisernes Gesetz ist das jedoch nicht.

Auf der anderen Seite stehen die Argumente der Analysten. Die zeigten sich enttäuscht von den Verkaufszahlen des neuen Apple-Flaggschiffs. Mit dem iPhone allein macht Apple mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes und zwei Drittel des Konzerngewinns.

Überzogene Analystenerwartungen

Dabei verkaufte sich das neue iPhone 6 mit rund 75 Millionen Stück seit der Markteinführung im Herbst 2014 sogar ziemlich gut. Das Problem: Angeheizt vom Erfolg des Smartphones waren die Erwartungen der Anleger zuvor in den Himmel gewachsen; Analysten kamen gar nicht schnell genug hinterher mit ihren Hochstufungen und dem Prognose-Anheben.
Es ist das alte Spiel von Wachstum und Wachstumserwartungen, das der Apple-Aktie nun wieder zu schaffen macht: Hat ein Konzern Erfolg, - zumal einer, auf den sowieso alle Welt schaut - dann wachsen die Erwartungen der Börse an noch größere Erfolge in der Zukunft.

Die Enttäuschung in Form von Kursverlusten folgt auf dem Fuß. Es ist nur eine Frage der Zeit, die Gründe werden dann nachgeschoben. Sie sind nicht falsch, nur: Sie nutzen niemandem, weil sie prozyklisch und ex-post sind.

Es gibt aber auch handfeste, nüchterne Gründe, die bei Apple Anlass zur Besorgnis geben, nur sind sie wenig überraschend. So fürchten Analysten und Anleger sich vor einer schwächeren Nachfrage in China. Zurecht, weil dort die Wirtschaft lahmt. China ist zum wichtigsten Wachstumsmarkt für das iPhone geworden und nach den USA zum zweitgrößten Ländermarkt.

Ist die Apple-Story also schon vorbei ? Der Versuch einer nüchternen Bestandsaufnahme:

  1. Wie stark schwächt sich das Wachstum ab?
    Auch das neue iPhone 6S, das Apple in wenigen Wochen vorstellen wird, dürfte sich gut verkaufen. Es wird zwar als Zwischenmodell (in der Autobranche würde man sagen: Facelift) kaum bahnbrechende neue Funktionen haben. Aber es gibt noch genügend Apple-Kunden in der Welt, die ein älteres Modell als das iPhone 6 besitzen, und die auf den Release gewartet haben, um auf das dann schon wieder leicht veraltete iPhone 6 upzugraden.
    Die Apple Watch-Verkäufe liegen im Rahmen der Erwartungen in Cupertino, nur nicht im  Rahmen der hochfliegenden Erwartungen mancher Analysten und Anleger. Abgesänge auf die Uhr sind verfrüht. Sie ist ohnehin nicht als maßgeblicher Umsatzknüller geplant, sondern soll Apples Strategie abrunden, mit seinen Geräten möglichst viel und möglichst oft im Alltag der Kunden präsent zu sein.
    Auch bei Apple Music gibt es Kritik. Aber wer das zähe Musikgeschäft kennt, für den sind elf Millionen zahlende Kunden im ersten Monat ein Riesenerfolg. Auch für Apple Music gilt, wie für die Uhr, dass sie Apples Ökosystem abrunden soll. Natürlich soll damit irgendwann Geld verdient werden, aber Apples Wohl und Wehe hängt weder von der Uhr, noch von dem Musikdienst ab. Der Apple-Gewinn hängt an den Verkaufszahlen des iPhone, und die sind in Ordnung.

  2. Ist die Aktie zu teuer?
    Kurze Antwort: nein! Verglichen mit anderen Hightech-Unternehmen und erst recht mit Aktien aus weniger wachstumsreichen Branchen wie Nahrungsmittel oder Konsum ist Apple eine überaus solide bewertete Aktie mit exzellenter Bilanz und guten Kennzahlen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2015 geschätzten Gewinne liegt nur bei 12,4. BASF kommt auf 14,8, Beiersdorf auf 26,9.
    Hinzu kommen Apples rund 200 Milliarden Dollar an Barmitteln. Die lassen alle Möglichkeiten offen für höhere Dividenden und Aktienrückkäufe, die den Kurs weiter treiben dürften.

  3. Hat Apple noch Potenzial?
    Kurzfristig ist es begrenzt, langfristig ja. Spannend wird mal die neue Version des Apple TV im September und dann vielleicht sogar ein eigenes TV-Entertainment-System in 2016. Weiter weg bieten die Themen vernetztes Auto und Apple Pay erhebliches Umsatzpotenzial.

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Diese Argumente dürften auch die Schweizer Nationalbank (SNB) überzeugt haben. Als Notenbank ist die SNB die Hüterin des Schweizer Franken – und glaubt offenbar an Apples Zukunft: Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Zentralbank im ersten Halbjahr ihren Bestand an Apple-Aktien von 8,9 auf 9,2 Millionen Stück aufgestockt hat.

Die Notenbanker kaufen mit Schweizer Franken seit Monaten massiv ausländische Wertpapiere, um Franken in den Markt zu drücken, damit der Außenwert der Schweizer Währung nicht weiter steigt und so die Schweizer Exporte belastet. Die Apple-Papiere würde die SNB nicht kaufen, wenn sie große Kursverluste erwarten würde.

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