Apple: Was Anleger aus dem Apple-Desaster lernen

KommentarApple: Was Anleger aus dem Apple-Desaster lernen

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Apple-Store in Hangzhou, China, nach Verkaufsstart des iPhoneSE

von Stefan Hajek

Apple meldet erstmals seit Erfindung des iPhone ein Minus bei Gewinn und Umsatz. Was Anleger daraus lernen. Und warum die Aktie trotz immens günstiger Bewertung vorerst kein Kauf ist.

Untypisch waren die jüngsten Apple-Nachrichten von Mittwoch Nacht gleich in mehrfacher Hinsicht. Sonst ist die Firmenzentrale in Cupertino eine uneinnehmbare Festung, was das Durchsickern von Infos betrifft. Und der Konzern versteht es, wie wenige andere, die Anleger vorzubereiten auf neue Zahlen – Erwartungsmanagement nennt man das.

Diesmal aber pfiffen die Spatzen schon früh von den Dächern: Die neuesten Quartalszahlen werden kein Grund zum Jubeln sein. Die Aktie hatte bereits ab Montag den Rückwärtsgang eingelegt. Vorbereitet war an der Börse trotzdem keiner; denn es kam noch viel schlimmer als befürchtet: Apple meldete für die ersten drei Monate 2016 gleich 13 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr und nur 1,90 Dollar Gewinn je Aktie statt wie von Analysten erwartet 2,00 Dollar. Im gleichen Zeitraum des vorigen Geschäftsjahres waren es noch 2,30 Dollar gewesen.

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Das saß: 45 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich über Nacht in Luft auf. Das Kernprodukt iPhone, das 65 Prozent des Umsatzes liefert, verkauft sich plötzlich nicht mehr wie geschnitten Brot. Vor allem in China macht die asiatische Billigkonkurrenz Apple immer mehr zu schaffen.

  • Erste schmerzliche Erkenntnis: Die Zielgruppe für ein 1000-Euro-Smartphone ist eben doch überschaubar. Aber auch Konkurrent Samsung, der ähnlich teure Modelle wie Apple anbietet, konnte am gestrigen Mittwoch hervorragende Zahlen vermelden. Es ist also nicht nur Marktsättigung, auch Apples Marktanteil bei Smartphones sank in den ersten drei Monaten des Jahres drastisch. 

  • Die China-Schwäche mag temporär sein, hartnäckiger ist Apples Imageproblem. Denn zweitens wurde Apple Opfer des eigenen Erfolgs. Der Konzern machte im berichteten Quartal 50 Milliarden Dollar Umsatz und aus jedem Umsatz-Dollar im Schnitt 39 Cent Gewinn. Andere Konzernchefs werden da grün vor Neid. Doch es hilft nichts: Wer zuvor 13 Jahre in Folge Umsatz und Gewinn steigert, darf sich nicht wundern, wenn die Erwartungen ins Kraut schießen.

Apple-Zahlen Tim Cook redet Klartext

Wie der Apple-Chef sich äußern würde, wenn er die enttäuschenden Quartalszahlen nicht beschönigen müsste – eine analysierende Glosse.

Apple-Chef Tim Cook. Quelle: AP
  • Drittens: Eine günstige Bewertung begrenzt den Abverkauf nicht so bald. Wer sich das Image des großen Innovators zulegt, muss mehr liefern als hohe Profitabilität, gute Produkte und billige Aktie. Ständig müssen Innovationen her, mit Kassenschlagerpotenzial. Das Apple-Auto könnte eine sein; aber vor 2020 wird es damit nichts. Das iPhone 7 wird auch keine, bestenfalls das ­iPhone 8 mit OLED-Display und neuer Softwareplattform Ende 2018.

  • Viertens: Verliebt euch nie in eine Aktie! Das IT-Business ist schnell, die Produktzyklen sind immer kürzer. Apple war elf Jahre lang ein Börsenstar. Google (Alphabet) könnte das nächste Opfer sein, hat aber einen Fehler schon mal vermieden: den Versuch, den erfolgreichen Status quo immer weiter zu verlängern. Auf dem Höhepunkt des Erfolges haben die Google-Gründer stattdessen einen Schnitt gemacht und den Konzern aufgespalten. Sie wissen, dass sie sich auf der aktuellen Cashcow, den Werbeeinnahmen aus der Websuche, nicht ausruhen dürfen. Apples Versuch, ein und dasselbe Produkt ständig zu verbessern, ist gestern Nacht gescheitert. Kein künftiges besseres, flacheres, schöneres, goldeneres iPhone wird die Aktie auf alte Hochs zurückhieven können.

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