Aramco plant Börsengang: Saudi-Arabien zieht im Ölkampf alle Register

Aramco plant Börsengang: Saudi-Arabien zieht im Ölkampf alle Register

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Auf Öl gebaut: Das Stadtzentrum in Riad, Saudi Arabien

von Sebastian Kirsch

Mit Saudi Aramco könnte 2016 der wertvollste Konzern der Welt an die Börse kommen. Dass die Saudis ihren Billionen Dollar schweren Schatz heben wollen, könnte ein Zeichen dafür sein, dass sie sich im weltweiten Ölpreis-Kampf verzockt haben.

Größere Neuigkeiten kann es für Anleger gar nicht geben: Mit Saudi Aramco könnte in diesem Jahr der wertvollste Konzern der Welt an die Börse gehen. In einem Interview mit dem "Economist" erklärte der saudische Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman am Donnerstag, man prüfe eine Privatisierung des staatlichen Ölkonzerns. Mittlerweile bestätigte das Unternehmen diesen Plan: Es würden Optionen für eine Notierung an den Kapitalmärkten geprüft, teilte Aramco am Freitag mit.

Dazu gehöre die Platzierung eines angemessenen Aktienanteils. Auch sei als Alternative - oder zusätzlich - der Börsengang von Sparten im Raffinerie- und Vertriebsgeschäft möglich, die dann gebündelt würden.

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Mit einem Schlag könnte Aramco die größten Konzerne der Welt nach Marktkapitalisierung in den Schatten stellen. Die Top 3 der Welt - Apple, Alphabet und Microsoft - hatten zum Jahresende 2015 gemeinsam einen Börsenwert von gut 1,4 Billionen Dollar. Der Wert Aramcos wird auf über zwei Billionen Dollar geschätzt. Es wäre der erste Börsengang weltweit, bei dem ein Konzern mit über einer Billion Dollar bewertet würde.

Auch unter den börsennotierten Ölkonzernen dürfte Aramco für mächtig Wirbel sorgen. Zum Vergleich: Exxon Mobil wurde Ende 2015 mit rund 300 Milliarden Dollar an der Börse bewertet. Aramco hat weltweit Tausende Joint Ventures geschlossen, unter anderem mit dem französischen Ölkonzern Total oder auch der deutschen Lanxess. Die Öl-Reserven Aramcos sind der größte Schatz des Konzerns und sollen gut das zehnfache der Reserven Exxon Mobils betragen. Laut Aramcos Unternehmensbericht stammte 2014 jedes achte Ölfass der Welt aus den Vorräten der Saudis.

Doch die Daten über die Ölreserven, die Saudi Aramco in seinem Unternehmensbericht veröffentlicht, gelten bei Investoren als unzuverlässig. Die Zahlen seien nicht international geprüft und akzeptiert. Zwar decken sich die Reserveangaben von 260 Milliarden Barrel mit den Schätzungen einer BP-Studie, die bei Analysten als Referenzwert gilt.

Ob zu den derzeitigen Preisen von 35 Dollar für ein Fass der Sorte Brent diese Menge aber gefördert werden könnte, gilt als unwahrscheinlich. Eine verlässliche Konzern-Bewertung für den Börsengang ließe sich so nur schwer abgeben.

Doch abgesehen von den pompösen Bewertungen: Der Schritt dürfte für die Saudis eher ein Notfallplan sein, denn bislang ist kein signifikanter Anstieg des Ölpreises absehbar. Sie könnten versuchen, Teile ihres Tafelsilbers zu verscherbeln, um ihre Staatsfinanzen zu sanieren. Sie könnten sich verpokert und zu viel Öl in den Markt gepumpt haben.

Öl-Fördermenge der Opec-Mitglieder

Zwar liegen die Devisenreserven mit rund 640 Milliarden Dollar in Saudi-Arabien noch immer auf einem komfortablen Niveau. Laut Schätzungen des Internationalen Währungsfonds könnten diese Reserven aber schon in weniger als fünf Jahren aufgebraucht sein.

Lutz Röhmeyer, der bei LBB-Invest als Fondsmanger weltweit in Schwellenländern und Frontier Markets investiert, ist verunsichert ob der Pläne, den wertvollsten Staatskonzern zu verkaufen. „Wir müssen uns wirklich fragen, warum sie das Lebenselixier des Landes an die Börse bringen wollen“, sagt Röhmeyer.

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