Asiens Börsen: Kraftakt im Riesenreich wird belohnt

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Asiens Börsen: Kraftakt im Riesenreich wird belohnt

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Sanjiv Duggal, Asien-Aktienchef bei HSBC Global Asset Management

von Heike Schwerdtfeger

Indiens Börsenboom läuft und erfasst ganz Asien. In vielen Ländern haben nun reformfreudige Politiker die Macht. Das werde sich auszahlen, meint Sanjiv Duggal, Asien-Aktienchef bei HSBC Global Asset Management.

Der indische Aktienmarkt war im vergangenen Jahr mit einem Plus von rund 50 Prozent einer der besten. In diesem Jahr läuft er mit 26 Prozent Plus ebenfalls ordentlich. Was versprechen Sie sich noch von Indien und Asien?

Sanjiv Duggal: Es gibt Nachholbedarf. Der asiatische Aktienmarkt hat sich von dem Kollaps im Zuge der Finanzkrise 2007 und 2008 noch nicht wieder erholt. Die Kurse haben ihre Höchststände nicht erreicht – anders als vielfach in Europa oder den USA. Die Eigenkapitalrenditen der Unternehmen sind niedrig, es gab immer wieder Gewinnenttäuschungen, die zu Kursverlusten geführt haben. Aber es gibt jetzt hoffnungsvolle Signale, dass die Unternehmen eine höhere Bewertung verdient haben. Die Gewinne pro Aktie der Unternehmen aus dem Aktienindex MSCI Asien ohne Japan werden 2015 nach aktuellen Schätzungen um elf Prozent steigen, nachdem sie 2014 nur um 7,1 gestiegen sind. Länder wie Indien, Indonesien, Philippinen, China und Thailand sind auf längere Sicht Investments wert.

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Zur Person

  • Sanjiv Duggal

    Sanjiv Duggal, 58, hat in Indien Kultstatus. Seit 1996 managt er den Aktienfonds HSBC GIF Indian Equity, der mit 2,3 Milliarden Euro Volumen einer der größten für indische Aktien ist. Mit einem Plus von elf Prozent pro Jahr in den vergangenen zehn Jahren ist er erfolgreich, die Finanzkrise und der Schwellenländer-Crash im Jahr 2013 haben ihm allerdings zugesetzt. Duggal gilt als ehrliche Haut, weil er Anleger etwa Ende 2007 vor Kursstürzen warnte und einen Verkauf des Fonds empfohlen hat. Und tatsächlich stürzte 2008 der indische Markt ab. Seinen Höchstkurs von Ende 2007 hat der Indienfonds längst noch nicht wieder erreicht – trotz einem Plus von 48 Prozent in 2014.

Die Politik gilt als ein Kurstreiber in Asien. Was sind die wichtigsten Reformen?

China will seine Wirtschaft auf ein nachhaltigeres Wachstum ausrichten, es internationalisiert die Kapitalmärkte, etwa durch Zulassungen für den Renminbi-Handel im Ausland, die Börsen Shanghai und Hongkong wachsen zusammen. Es gibt Anti-Korruptions-Kampagnen, Überkapazitäten werden abgebaut und die Wohnsitzkontrolle der Bürger namens Hukou, die Wanderarbeiter vor große Probleme stellt, wird reformiert. Die neue Regierung in Indonesien reduziert beim niedrigen Ölpreis Subventionen, Ausgaben für Gesundheit und Erziehung werden erhöht, Korruption soll bekämpft werden. Insgesamt beurteile ich die Politik als wirtschaftsfreundlich.

Indien in Zahlen

  • Bruttoinlandsprodukt

    Indien gehört mit einem BIP von 1,877 Milliarden US-Dollar neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

  • Wirtschaftswachstum

    Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. 2014 waren es 6,8 Prozent. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

  • Handelsvolumen mit Deutschland

    Die Bundesrepublik ist mit einem Volumen von 16,1 Milliarden Euro der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

  • Kredite

    Eine Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

  • Migration

    Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

  • Einwohner

    1,2 Milliarden Menschen leben in Indien. Die Gesellschaft ist dabei höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

  • Armut

    820 Millionen Inder leben in Armut. Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

  • Landesfläche

    Mit 3.287.000 Quadratkilometern ist Indien flächenmäßig rund neunmal so groß wie Deutschland.

In Korea hat der Finanzminister Choi Kyung-hwan mit Ankündigungen, er wolle die von Konzernen dominierte Wirtschaftsstruktur entflechten viel Applaus bekommen. Das fördert kleinere und mittelgroße Unternehmen. Durch Steuersenkungen sollen einbehaltene Gewinne künftig stärker besteuert werden als Dividendenausschüttungen. Das macht koreanische Unternehmen bei vielen Auslandsinvestoren wieder beliebt. Sie sind auch nicht teuer.

Und Ihr Geburtsland Indien: kann dort der 2014 gewählte Premierminister Narendra Modi die hohen Erwartungen erfüllen?

Nach meiner Ansicht schon. Er gilt als ein Kontrollfreak und viele Projekte etwa um eine effizientere Verwaltung will er selbst in seinem Ministerium überwachen. So gibt es etwa jetzt alle Unterlagen zu öffentlichen Projekten transparent im Internet, das soll Korruption und Schlendrian in der Verwaltung verhindern. Es ist die stärkste Regierung seit 30 Jahren in Indien, die mit Steuerreformen, Änderungen am Arbeitsmarkt und Privatisierungen einiges vorantreibt. Der weltgrößte Kohleförderer Coal India ist jetzt zu 20 Prozent in privater Hand und wird wohl weiter privatisiert werden. Schon mehr als 700 Millionen der insgesamt 1,25 Milliarden Inder sind jetzt offiziell mittels eines Augen-Scans erfasst und haben einen Ausweis, der ihnen Zugang zu staatlichen Unterstützungsleistungen bietet. Das sind wichtige Schritte bei der weiteren Entwicklung in dem riesigen Land.

Wo liegen die Vorteile für die Unternehmen?

Etwa im Finanzbereich wird es einfacher mit dem Ausweis ein Konto zu bekommen. Seit August sind mehr als 100 Millionen neuer Konten bei Banken mit dem Ausweis eröffnet worden. Das ist sensationell. Bald soll jeder Haushalt ein Konto haben. Bislang war die Verwaltung von staatlichen Zuschüssen sehr ineffizient, all das verbessert dieser Ausweis. Die Steuerverwaltung wird profitieren, noch ist etwa 50 Prozent des indischen Sozialprodukts in der Schattenwirtschaft, weil es gar keine Erfassungsmöglichkeiten gab, das verändern Ausweise.

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