
Mister Higgs, Uran ist der wichtigste Brennstoff für Atomkraftwerke. Atomenergie wird seit der Katastrophe von Fukushima verteufelt. Deutschland will komplett aussteigen. Selbst in der Atomstrom-Nation Frankreich zeichnet sich ein Umdenken ab. Wird der Rohstoff Uran auf lange Sicht überflüssig?
Higgs: Absolut nicht. Auf Deutschland entfallen ja nur fünf Prozent der globalen Urannachfrage. Weltweit sind 435 Atomkraftwerke am Netz, davon 104 in den USA. Die werden nicht einfach abgeschaltet. Die USA sind der weltgrößte Markt für Uran. Diesen Markt werden wir beliefern, wenn unsere erste Mine in Wyoming in Produktion geht. Der jährliche Uranbedarf der USA liegt derzeit bei rund 50 Millionen Pound Uranoxid U3O8. Im Land selbst werden aber nur fünf Millionen Pound gefördert.
US-Präsident Barack Obama hat Garantien für den Ausbau der Atomenergie zugesagt. Kann sich die Industrie darauf verlassen?
Davon gehe ich aus. Der Präsident hat sich ziemlich eindeutig für den Ausbau der Kernenergie als saubere Energieform ausgesprochen.
Wird das ein Republikaner im Weißen Haus auch machen?
Bei Republikanern ist die Zustimmung zur Atomenergie noch größer als bei den Demokraten.
Bild: dpaFinger weg von Kraftwerksstilllegungen!
Die Warnung der Bundesnetzagentur ist eindeutig: „Stilllegungen weiterer konventioneller Kraftwerke ist derzeit in Deutschland nicht vertretbar.“ Bundestag und Bundesregierung müssten entsprechende Vorschriften verabschieden, um Kraftwerksstilllegungen im Bereich der konventionellen Erzeugung zu unterbinden.
Bild: dpaVorsicht vor zu viel Windstrom!
Um das Übertragungsnetz vor Überlastungen zu schützen, müssen die Netzbetreiber klarer als bisher Strom von Windkraftanlagen ablehnen und diese vom Netz nehmen dürfen.
Bild: dpaOhne Österreich geht nichts
Im vergangenen Winter mussten mehrfach österreichische Kraftwerke gezielt einspringen, um Lücken bei der Versorgung mit Strom zu sorgen, der für die Regelung im Netz benötigt wird. Diese Rerservekraftwerke, so die Bundesnetzagentur, „werden in etwa gleicher Größenordnung auch im folgenden Winter benötigt“.
Bild: APRiesenstress im Netz
Die Einspeisung und der Transport von immer mehr Windstrom von Nord- nach Süddeutschland zwang die Netzbetreiber zu gigantisch mehr Stromzuführungen und Abschaltungen als im Vorjahr. Im Netz im bayrischen Kriegenbrunn musste der Netzbetreiber Tennet mit 300-mal so viel Strom wie im Vorjahr gegensteuern, an der polnischen Grenze bei Vierraden musste der Netzbetreiber 50 Hertz mit fast 180-mal und im niedersächsischen Conneforde Tennet mit fast 100-mal so viel Strom eingreifen. Mussten die Netzbetreiber im Winter 2010/11 nur 39-mal die Einspeisung von Strom drosseln, war dies jetzt in 197 Fällen notwendig.
Bild: dpaUnkontrollierter Ausbau der Windkraft
Die Gründe für den Dauerstress im vergangenen Winter, so die Bundesnetzagentur, liegen „im unverminderten Zubau von Windleistung“. Vor allem in Norddeutschland.
Bild: dpaPer saldo bleibt Deutschland Stromexporteur
Trotz der Abschaltung von acht AKW exportierte Deutschland auch diesen Winter mehr Strom als importiert wurde. Der Überschuss der Exporte veränderte sich „nur marginal“, errechnete die Bundesnetzagentur. Ursache dafür war die Inbetriebnahme von Solaranlagen mit einer Leistung von 7.500 Megawatt, fast so viel wie sieben mittelgroße Atomreaktoren, sowie von Windanlagen mit 1.800 Megawatt.
Bild: dpaNiedrigerer Preis am Strommarkt
Der Preis am Spotmarkt, bei dem sich Kunden kurzfristig mit Strom eindecken, lag im vergangen Winter um etwa acht Prozent niedriger als vor einem Jahr. „Mögliche Gründe“, so die Bundesnetzagentur, „könnten in der gestiegenen Einspeisung aus Photovoltaik-Anlagen sowie Windkraftwerken liegen, die sich dämpfend im Preis niederschlägt.“ Immerhin hätten diese Anlagen im vergangenen Winter 38 Prozent mehr Strom eingespeist als vor einem Jahr. Hinzukäme der vergleichsweise milde Winter und ein entsprechend niedrigere Stromnachfrage.
Bild: dapdTraditioneller Kraftwerkspark schrumpft zu schnell
Die neuesten Planungen der Kraftwerksbetreiber laufen darauf hinaus, dass im Laufe des Jahres so viel Anlagen den Betrieb einstellen, dass im kommenden Winter in Deutschland 1000 Megawatt Leistung weniger als noch vor kurzem prognostiziert zur Verfügung stehen, fast so viel wie ein mittleres Kernkraftwerk. Der Abbau konventioneller Kraftwerke insbesondere in Süddeutschland, warnt die Bundesnetzagentur, wirke sich deshalb „negativ auf die Versorgungssicherheit“ aus.
Bild: dpa30 Prozent Reserve, aber zu wenig Steuerungsmasse
Sieht man von Stromimporten und -exporten ab, reichten rund 70 Prozent des herkömmlichen Kraftwerkparks aus, um den Höchstverbrauch in Deutschland, am 16. November 2011 um 17.45 Uhr, zu decken. Hauptproblem war jedoch der Mangel an Strom am 13. Februar, um den Ausgleich im Netz zu gewährleisten. Diese Lücke konnten die Netzbetreiber nur mit Mühe durch Importe im letzten Augenblick schließen.
Bild: dapdBlackout-Gefahr durch Gasmangel
Der durch Lieferprobleme des russischen Gazprom-Konzerns verursachte Gasmangel bei Kraftwerken in Süddeutschland beschwor im Februar eine brenzlige Situation herauf. Laut Netzbetreibern war es nicht möglich, Reserven zu mobilisieren. „Wäre es in dieser Situation zum Ausfall eines größeren Kraftwerks gekommen, hätte kaum noch Handlungsspielraum bestanden“, resümiert die Bundesnetzagentur. Auch aus diesem Grund gebe es einen „dringenden Zubaubedarf“ bei traditionellen Kraftwerken.
Finger weg von Kraftwerksstilllegungen!
Die Warnung der Bundesnetzagentur ist eindeutig: „Stilllegungen weiterer konventioneller Kraftwerke ist derzeit in Deutschland nicht vertretbar.“ Bundestag und Bundesregierung müssten entsprechende Vorschriften verabschieden, um Kraftwerksstilllegungen im Bereich der konventionellen Erzeugung zu unterbinden.
In Japan ist derzeit kein AKW am Netz. Die Lichter dort gehen trotzdem nicht aus. Vielleicht lässt sich Atomenergie ja doch schneller ersetzen als gedacht?
Die japanischen Reaktoren werden gerade einem Stresstest unterzogen. Im Sommer, wenn der Stromverbrauch steigt, etwa durch die Klimaanlagen, wird sich zeigen, wie Japan ohne Nuklearenergie klar kommt. Ich rechne mit Problemen. Es kostet Japan 100 Millionen Dollar pro Tag, den Ausfall über zusätzliche Energieimporte zu kompensieren. Ökonomen habe berechnet, dass die japanische Wirtschaft ohne Atomenergie 2012 nur um ein Prozent wachsen wird. Mit Atomenergie wären fast zwei Prozent Wachstum machbar.
Was zählt das mit Blick auf die menschliche Tragödie?
Das sind leider die Fakten. Anders herum: Was bringt es, in Deutschland Meiler vom Netz zu nehmen, dann aber aus dem Ausland wieder Atomstrom einzukaufen, um drohende Versorgungslücken zu schließen? In Deutschland mögen auf lange Sicht alle 17 Reaktoren vom Netz genommen werden, aber allein in China werden gerade 26 neue gebaut. Weltweit sind derzeit 60 neue Reaktoren in der Bauphase, weitere 163 stecken in der Planungsphase. Der wichtigste Treiber für den globalen Uranmarkt sind die großen Schwellenländer wie China, Indien und Russland.
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