Auffällige Börsenbewegungen: Fed-Informationen zu früh durchgesickert?

Auffällige Börsenbewegungen: Fed-Informationen zu früh durchgesickert?

, aktualisiert 25. September 2013, 12:34 Uhr

Laut einem US-Medienbericht setzten am vorigen Mittwoch kurz vor Ablauf der Sperrfrist der Fed-Entscheidung ungewöhnliche Handelsaktivitäten ein. Die US-Notenbank untersucht die Vorfälle.

Auffällige Kursbewegungen rund um die an den Börsen gefeierte US-Zinsentscheidung ruft die Notenbank Fed auf den Plan. Die Zentralbank untersucht einem Bericht des Fernsehsenders CNBC zufolge, ob am vorigen Mittwoch Millisekunden vor Bekanntgabe des Beschlusses bereits Informationen in die Handelsräume gelangt sind.

Die Fed hatte überraschend entschieden, den Ankauf von Staatsanleihen im Umfang von monatlich 85 Milliarden Dollar unverändert beizubehalten. CNBC berichtete, einige Händler an der Chicagoer Börse hätten vor Ende der Sperrfrist womöglich über Informationen verfügt. Insbesondere bei Terminkontrakten im Goldhandel sei es zu ungewöhnlichen Handelsbewegungen gekommen.

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Aufgespürt hat dies das New Yorker Unternehmen Nanex, das Daten über Abschlüsse und Angebote an US-Börsen auswertet. Laut Nanex-Chef Eric Hunsader wurden in Chicago bereits in den ersten sieben Millisekunden nach Bekanntgabe des Entscheids Termingeschäfte im Wert von rund 800 Millionen Dollar getätigt. Da die Übertragungszeit für die Daten des Fed-Entscheids wegen der Entfernung zwischen Washington und Chicago üblicherweise sieben Millisekunden beträgt, folgert Hunsader: "Das bedeutet, dass die Nachricht in Chicago bereits vorgelegen haben muss." Auch die Aufsicht für den Handel mit Rohstoff-Termingeschäften (CFTC) will der Sache auf den Grund gehen.

Ein Fed-Sprecher verwies darauf, dass Nachrichtenagenturen wie Reuters, Bloomberg oder Dow Jones vorab über die Entscheidungen informiert würden und schriftlich die Einhaltung einer Sperrfrist zusagen müssten. Über dieses Verfahren werde noch einmal mit den Agenturen gesprochen. Die Kommunikationschefin von Reuters, Barb Burg, bestätigte, dass die Agentur von der Fed kontaktiert worden sei. "Wir sind überzeugt davon, dass wir uns in vollem Umfang an die Sperrfrist-Auflagen gehalten haben." Der Konkurrent Bloomberg lehnte einen Kommentar ab. Eine Sprecherin von Dow Jones erklärte, die Agentur werde mit der Fed zusammenarbeiten. Die Deutsche-Börse -Tochter MNI war zunächst nicht erreichbar.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits vor Monaten ein Drosseln der Käufe in Aussicht gestellt, falls es zu einer durchgreifenden Wirtschaftserholung kommen sollte. Die Märkte hatten sich danach für September auf ein Zurückfahren der Hilfen eingestellt, wurden aber vom Fed-Chef eines Besseren belehrt. Die Fed, die Vollbeschäftigung fördern soll, hält das Niveau der Arbeitslosigkeit für weiterhin viel zu hoch und betrachtet auch die hohe Verschuldung der USA als Risiko für die Konjunkturentwicklung. Den USA droht nach Einschätzung der Haushaltsbehörde des Kongresses zwischen Ende Oktober und Mitte November die Zahlungsunfähigkeit, sollte das Parlament keiner Erhöhung der Schuldenobergrenze zustimmen.

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Mit ihren Geldspritzen hat die Notenbank in den vergangenen Jahren ihre Bilanz massiv aufgebläht - auf zuletzt 3,6 Billionen Dollar. Kritiker werfen der Fed vor, eine neue Preisblase etwa am Immobilienmarkt zu riskieren und der Inflation Vorschub zu leisten. Bernanke ist noch bis Anfang 2014 im Amt. Als aussichtsreiche Nachfolgerin wird die Fed-Vizepräsidentin Janet Yellen gehandelt, die als Verfechterin einer laxen Politik gilt. Anleger erwarten, dass die Fed mit Yellen an der Spitze langsamer aus ihrem milliardenschweren Anleihenkaufprogramm aussteigen könnte. Die 67 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin gilt zudem als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und wäre die erste Frau an der Spitze der Fed. Präsident Barack Obama will die Personalie im nahenden Herbst entscheiden.

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