Aurelius: Wie der Finanzinvestor mit seinen Beteiligungen umspringt

Aurelius: Wie der Finanzinvestor mit seinen Beteiligungen umspringt

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Dirk Markus, Chef des Beteiligungsunternehmen Aurelius

von Henryk Hielscher

Die Attacke eines Hedgefonds schürt Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Aurelius. Wird die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft ihrem eigenen Anspruch gerecht, ein „Good Home“ für Unternehmen zu sein?

Die Pförtnerloge an der Einfahrt zum Werksgelände ist unbesetzt. Die Fabrik in Viersen nahe der niederländischen Grenze, in der mehr als 100 Jahre Papier und Karton produziert wurde, wirkt verlassen. Nur aus der ersten Etage des roten Klinkerbaus dringen Stimmen. Eine Handvoll Mitarbeiter hat sich dort zusammengesetzt, um über die Lage bei Paperboard zu sprechen – und über den Finanzinvestor, der das Unternehmen aus ihrer Sicht auf dem Gewissen hat: Aurelius.

PremiumAurelius-Chef Dirk Markus im Visier Deutschlands härtester Sanierer wird selbst hart angegangen

Ein amerikanischer Investor geht gegen die Beteiligungsgesellschaft Aurelius vor. Deren Chef, Dirk Markus, gilt als höchst umstritten – auch weil kaum ein deutscher Manager so viel verdient.

Dirk-Markus Quelle: LAIF

Der Name ist ein Begriff in der deutschen Finanzszene - spätestens seit den Tumulten in den vergangenen Tagen, als die börsennotierte Münchner Beteiligungsgesellschaft den größten Kurssturz ihrer Geschichte erlebte. Zuvor hatte US-Investor Gotham City zwei Analysen veröffentlicht, und darin behauptet, dass Aurelius auf zweifelhaftem Fundament aufgebaut ist. Die Bilanzierung werfe Fragen auf, die Beteiligungen des Finanzinvestors, der überwiegend aus Sanierungsfällen ein Portfolio mit fast drei Milliarden Euro Umsatz aufgebaut hat, seien zu hoch bewertet. Aurelius wies die Vorwürfe prompt als unbegründet und verzerrt dargestellt zurück. 

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Schwerer tut sich Aurelius damit, einen Kritikpunkt zu entkräften, der am Image der Münchner kratzt: Aurelius sei weit davon entfernt das „gute Zuhause für Unternehmen“ zu sein, als das sich das Unternehmen selbst gern darstellt, heißt es in den Gotham-Analysen.

Die Mitarbeiter im Viersener Papierwerk Paperboard dürften dem wohl zustimmen. In einer kleinen Kaffeeküche mit Blumentapete und Mikrowelle schilderten sie der WirtschaftsWoche in der vergangenen Woche, wie sie das Wirken von Aurelius wahrgenommen haben. Kurz zuvor hatte ihnen der Insolvenzverwalter mitgeteilt, dass das Unternehmen abgewickelt wird. Alle 75 Beschäftigten verlieren ihren Job. "Das war ein abgekartetes Spiel", sagt ein Mann, der hier seit mehr als 20 Jahre in der Produktion arbeitet. "Aurelius hat uns den Todesstoß versetzt", glaubt sein Kollege.

Aurelius Aurelius-Chef Dirk Markus wohl Deutschlands Topverdiener

Dirk Markus, Chef der derzeit wegen Negativ-Reports eines Finanzinvestors unter Druck stehenden Beteiligungsholding Aurelius, dürfte 2016 weitaus mehr verdient haben als ein durchschnittlicher Chef eines Dax-Konzerns.

Aurelius-Chef Dirk Markus dürfte 2016 weitaus mehr verdient haben als ein durchschnittlicher Chef eines Dax-Konzerns. Quelle: dpa

Tatsächlich hatte Aurelius vor knapp einem Jahr eine Unternehmensgruppe aus der Papierindustrie erworben, zu der auch das Werk in Viersen gehörte. Die Mitarbeiter vor Ort wunderten sich zwar über den Deal, machten sich damals aber noch keine allzu großen Sorgen, schließlich waren die Auftragsbücher gut gefüllt, das Unternehmen schrieb schwarze Zahlen und ihr wichtigster Kunde gehörte ebenfalls zum Aurelius-Reich. Erst als das Werk im Oktober 2016 mehrheitlich an die Holding eines Kölner Geschäftsmanns weitergereicht wurde, stieg die Nervosität in Viersen.

Aurelius-Beteiligung kündigt Aurelius-Beteiligung

Wohl zu Recht: Denn kaum waren die Geschäftsanteile mehrheitlich übertragen, kündigte Aurelius-Beteiligungspartner Magnus Zuther am 21. Oktober per Mail an, „den regulären Bezug der von Ihnen angebotenen Produkte einzustellen“. Im Klartext: Der wichtigste Kunde in Viersen, der für 60 Prozent der Umsätze stand, war abgesprungen. Eine Aurelius-Beteiligung hatte einer früheren Aurelius-Beteiligung die Verträge gekündigt.

Drei Tage später meldete Paperboard Insolvenz an. Schickte die Aurelius-Truppe um Vorstandschef Dirk Markus das Werk gezielt in die Pleite, wie die Mitarbeiter vermuten? Sollten so Kosten für Abfindungen und Sozialpläne vermieden werden, die bei einer regulären Schließung angefallen wären? „Nein“, lautet die Antwort aus dem Umfeld von Aurelius, das Werk sei nicht wettbewerbsfähig gewesen.

Dem widersprechen die Mitarbeiter und weisen auf den ungewöhnlichen Verkauf ihres Unternehmens kurz vor der Insolvenz hin. „Nach Einschätzung des Geschäftsführers hatte Aurelius von Anfang an zumindest kein starkes Interesse an dem Produktionsstandort in Viersen-Süchteln“, heißt es denn auch in einem Gutachten des Insolvenzverwalters für das zuständige Amtsgericht Mönchengladbach, das der WirtschaftsWoche vorliegt.

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