Balda-Aktionäre: Vorsätzliches Vermeiden guter Geschäfte

Balda-Aktionäre: Vorsätzliches Vermeiden guter Geschäfte

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Baldas Beteiligung am Apple-Zulieferer TPK war für den Bielefelder Kunststoffteile-Produzenten eine Goldgrube. Verkauft wurden die Anteile aber viel zu spät, weil der Aufsichtsrat blockierte.

von Melanie Bergermann und Hauke Reimer

Warum Kunststoffbauer Balda seine Anteile am Apple-Zulieferer TPK viel zu spät verkaufte – zum Schaden der eigenen Aktionäre. Anleger fühlen sich verraten, interne Dokumente stützen die Vorwürfe.

Balda-Aktionäre sind Kummer gewohnt. Die Aktie, von der Nord/LB zu 24 Euro an den Neuen Markt gebracht und an brave ostwestfälische Sparkassen-Kunden verkauft, fiel zeitweise auf 21 Cent. Fünf Mal binnen zwei Jahren wurden Aktionäre zur Hauptversammlung (HV) gebeten. Es gab das volle Programm: Rücktrittsforderungen, Beschuldigungen, Geschrei – und einen Aktionär, der sich von Bodyguards beschützen ließ. Beim letzten Treffen im Bielefelder Ringlokschuppen hing an der Garderobe ein Hinweis, dass dort Ohrenstöpsel zu beziehen seien. Der Service könnte auch bei der Hauptversammlung an diesem Dienstag nachgefragt werden.

Dass Baldas einstiges Kerngeschäft – Plastikgehäuse für Handys von Nokia & Co. – mausetot ist; dass Balda, die zu Glanzzeiten 400 Millionen umsetzten, zuletzt nur noch 60 Millionen einnahmen, wirft keinen Aktionär mehr um. Balda verkauft heute Tablettenspender, Pipetten und Inhalatoren: wenig aufregend, nicht der Rede wert. Trotzdem aber kostet Balda an der Börse stolze 318 Millionen Euro; und trotzdem könnten Ohrenstöpsel auf der HV gut ankommen.

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Aufsichtsrat kostete Millionen

Etwa dann, wenn ein spektakulärer Coup zur Sprache kommt, der Balda 480 Millionen Euro in die Kassen spülte. Im Februar 2012 hatte Balda begonnen, seinen 16-Prozent-Anteil am taiwanesischen Apple-Zulieferer TPK zu verkaufen. Die TPK-Aktie notierte damals um 486 Taiwan-Dollar (TWD), rund 11,80 Euro. Doch Balda hätte sehr viel mehr erlösen können, wenn das Unternehmen – wie ursprünglich geplant – bereits 2011 zu Spitzenkursen von bis zu 876 TWD verkauft hätte.

Der von TPK nahe stehenden Vertretern durchsetzte Balda-Aufsichtsrat aber hatte einen Verkauf des TPK-Pakets 2011 mehrfach blockiert (siehe Grafik). Balda-Aktionär Octavian witterte daraufhin Verrat. „Dieser Aufsichtsrat hat die Aktionäre 350 Millionen Euro gekostet“, sagte Octavian-Chef Richard Hurowitz. Die Mitglieder des Aufsichtsrats wiesen die Vorwürfe zurück.

Durch den verspäteten Verkauf der TPK-Aktien gingen Balda hohe Verkaufserlöse verloren. (Für eine vollständige Ansicht bitte anklicken)

Durch den verspäteten Verkauf der TPK-Aktien gingen Balda hohe Verkaufserlöse verloren. (Für eine vollständige Ansicht bitte anklicken)

Unterlagen, die der WirtschaftsWoche jetzt vorliegen, legen aber nahe, dass der Octavian-Chef recht haben könnte. Sie zeigen, dass TPK-Chef Michael Chiang und sein Finanzvorstand Freddie Liu Druck auf Vorstand und Aufsichtsrat von Balda ausübten, um einen schnellen Verkauf zum damals hohen TPK-Kurs zu verhindern. Sie zeigen auch, dass der Aufsichtsrat ein Angebot ablehnte, das Balda die Möglichkeit bot, TPK-Aktien noch im Frühherbst 2011 zu einem guten Preis zu verkaufen. Balda-Vorstand Oliver Oechsle, seit Oktober im Amt, will den Vorgang nun prüfen.

Es war unklar, wer wem etwas zu sagen hat

Rückblick: Im Sommer 2006 war Balda in Not. In der Handybranche tobte ein Preiskampf, Balda schrieb rote Zahlen. Mit Michael Chiang aber hatten die Deutschen einen brillanten Asienchef. Der hatte – seltsam genug, dass ihm sein Job bei Balda die Zeit dafür ließ – quasi nebenbei das familieneigene Unternehmen TPK hochgezogen, das berührungsempfindliche Bildschirme (Touch-Screens) entwickelte. Mit seinem ersten Touch-Screen-iPhone rollte Apple wenig später den Handymarkt auf.

Balda beteiligte sich mit 50 Prozent an Chiangs TPK. Chiangs Familie erhielt im Rahmen weiterer Geschäfte rund um TPK 15 Prozent an Balda, stockte später auf und hielt zuletzt rund 27 Prozent.

Kontrolliert wurden die Balda-Aktien von einer Gesellschaft, die laut Balda Chiangs Gattin gehörte. Wer hier wem etwas zu sagen hatte, blieb unklar. Michael Naschke, Ex-Aufsichtsratschef von Balda, verneinte vor einigen Monaten einen möglicherweise hohen Einfluss von Chiang auf Balda und wies darauf hin: Nach taiwanesischem Eherecht könne Chiang seiner Gattin keine Weisungen erteilen.

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