_

Balda: Sicherer Deal bleibt ein Traum

von Sönke Iwersen Quelle: Handelsblatt Online

Die Aktionäre der Balda AG dachten, sie hätten ein einmaliges Investment gefunden: ein Unternehmen, das an der Börse billiger war als sein innerer Wert. Doch ihre Rechnung ging nie auf. Am Mittwoch kommt es zum Showdown.

Ein Gebäude mit dem Schriftzug der Balda AG. Quelle: dpa
Ein Gebäude mit dem Schriftzug der Balda AG. Quelle: dpa

DüsseldorfMister Lim war nicht da. Wann immer die Führung des Handyzulieferers Balda versuchte, ihren Mann in Malaysia zu erreichen, erhielten die Manager dieselbe Antwort. "Lim und seine Freunde trafen sich morgens im Restaurant", berichtet ein Balda-Manager. "Mittags kamen sie kurz rein, dann gingen sie wieder essen oder ins Kasino." Geschätzte Arbeitszeit: ein bis zwei Stunden pro Tag.

Anzeige

Im Dezember 2010 hatten Vorstand und Aufsichtsrat genug. Der Umsatz in Malaysia betrug 35 Millionen Euro, der Verlust 18 Millionen Euro. Lim musste Balda verlassen. Doch jetzt ist er wieder da - Anfang 2012 wurde er als Chief Operating Officer verpflichtet.

Die Personalie Lim ist eines der großen Rätsel auf der morgigen außerordentlichen Hauptversammlung von Balda. Das Unternehmen aus Ostwestfalen ist für Aktionäre ein Grauen. Drei Vorstandswechsel in zwölf Monaten, gebrochene Versprechen und eine ungewisse Zukunft. Und der Mann, der Balda nun heilen soll, ist derselbe, der 2010 in Schande ging: James Lim.

"Ich habe schon viele seltsame Sachen gesehen, aber so etwas noch nie", sagt Igor Kuzniar, Chef des Finanzinvestors Octavian. Er hält acht Prozent an Balda und hat allen Grund zum Ärger. Kuzniar muss seinen Investoren erklären, warum das Aktienpaket, dass er vor 15 Monaten für rund 30 Millionen Euro kaufte, innerhalb eines Jahres die Hälfte an Wert verlor. Kuzniar, der die heutige außerordentliche Hauptversammlung beantragte, hat eine Erklärung längst gefunden: Der Aufsichtsrat von Balda handelt nicht im Interesse des Unternehmens. Er wird ferngesteuert von Michael Chiang.

Chiang, ein taiwanesischer Geschäftsmann, ist die graue Eminenz von Balda. Nichts scheint ohne seine Zustimmung zu geschehen und gar nichts gegen seinen Willen. Dabei hätte er allen Grund, dankbar zu sein. Erst wenige Jahre ist es her, dass seine Firma TPK durch ein Gemeinschaftsprojekt mit Balda so ausgestattet wurde, dass TPK einen Traumauftrag von Apple ergattern konnte. In der Folge aber schaltete und waltete Chiang nach Belieben und drängte Balda immer mehr zurück. Seit dem Börsengang von TPK ist Chiang Milliardär und Balda für ihn nur noch weit weg.

Die Liste der Finanzinvestoren, die sich an dieser Konstellation die Zähne ausgebissen haben, ist lang. Guy Wyser-Pratte hielt einst ein Paket, gleichfalls Audley Capital und die NordLB. Selbst der US-Milliardär George Soros war kurzzeitig engagiert. Sie alle dachten, sie hätten etwas gefunden, wonach alle Anleger suchen: die Chance, etwas billiger zu kaufen, als es wert war.

Ende 2010, als Octavian bei Balda einstieg, war die Firma an der Börse rund 350 Millionen Euro wert. Der Wert der TPK-Aktien, die Balda hielt, war aber weit höher. Am 27. Mai 2011 versprach Balda-Vorstandschef Rainer Mohr, er werde die TPK-Aktien kurzfristig verkaufen. Der Verkaufserlös hätte zwischen 700 und 850 Millionen Euro gelegen.


Vorwürfe werden bestritten

Doch aus dem Verkauf - und aus einer entsprechenden Sonderdividende für die Aktionäre - wurde nichts. Mohr schlug dem Aufsichtsrat mehrfach eine Veräußerung vor, der lehnte mehrfach ab. Aufsichtsratschef Michael Naschke, ein 36-jähriger Anwalt aus Berlin, führt verfahrenstechnische Gründe und Fehler von Mohr an, doch der weist diese scharf zurück.

Balda-Aktionäre vermuten nun: Der Aufsichtsrat wollte Chiang einen Gefallen tun. Selbst Naschke gibt zu, dass TPK seine Kapitalerhöhung im April leichter durchführen konnte, weil Balda die TPK-Aktien hielt. Das Problem: die TPK-Aktien sind heute viel weniger wert als zu dem Zeitpunkt, an dem der Balda-Aufsichtsrat den Verkauf ablehnte. Genau gesagt: 350 Millionen Euro weniger. Einzelne Aktionäre sprechen bereits von Schadensersatzforderungen gegen den Aufsichtsrat. Ihr Verdacht: Das Kontrollgremium stellt die Interessen von Chiang über die Interessen von Balda.

Naschke bestritt diese Vorwürfe in den vergangenen Wochen und verneinte zunächst auch jegliche Beziehung zwischen dem dreiköpfigen Aufsichtsrat und Chiang. Erst auf gezieltes Nachfragen der Aktionäre erklärte Balda: Aufsichtsrat Chun Chen-Chen ist Geschäftsführer einer Gesellschaft, die zu 100 Prozent Michael Chiang gehört. Aufsichtsrat Yu-Sheng Kai wickelte früher als Investment-Banker Geschäfte mit Chiang ab und ist heute Direktor einer Firma, die einen Beratervertrag mit TPK hat. Augenzeugen in China berichten: Alle drei, Chiang, Chen-Chen, und Kai, arbeiten im selben Gebäude.

Wie dieser Aufsichtsrat die Interessen aller Aktionäre vertreten soll, scheint genauso unklar wie der Grund, warum zum Jahresende plötzlich Vorstandschef Mohr abtrat. Aufsichtsratschef Naschke vermeldete, Mohr habe keine Strategie für Balda vorgelegt. Doch Mohr sagt: "Ich habe meine Strategie den Aktionären im Mai 2011 vorgestellt. Der Aufsichtsrat hat zugestimmt. Ich habe sie nicht geändert."

Die Aussagen von Mohr und Naschke sind unvereinbar, und das macht die Lage kompliziert. Der Unternehmenssprecher von Balda jedenfalls hat zum Thema Hauptversammlung Redeverbot erhalten - an seiner Stelle agiert nun ein kurzfristig engagierter PR-Mann.

Auf der Hauptversammlung am Mittwoch allerdings muss Naschke selbst sprechen. Vielleicht erklärt er dann, warum der Aufsichtsrat in Malaysia den Manager James Lim erst mit einer stattlichen Abfindung in die Wüste schickte und ihn jetzt wieder einstellte. Auf Anfrage des Handelsblatts wollte sich Naschke zu der mangelnden Arbeitseinstellung von Lim nicht äußern. Herr Lim habe den Auftrag erhalten, Balda Malaysia profitabel zu machen, sagte Naschke. "Daran werden wir ihn messen."

Die Aktionäre hoffen, dass es dann nicht zu spät sein wird.

Blogs

Kurze Erholung läuft
Kurze Erholung läuft

Bei 6200 gelingt dem Dax eine Stabilisierung. Sie kann die Notierungen bis in den Juni hinein steigen lassen. ...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.