Banken: Anleihe-Kauf im Schneeballsystem

KommentarBanken: Anleihe-Kauf im Schneeballsystem

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Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos (links) diskutiert mit Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank

von Frank Doll

Steigende Kurse vernebeln den Blick auf die größte Umverteilungsaktion der Geschichte.

Solange ehemalige oder zukünftige Mitarbeiter von gut vernetzten Großbanken auf wichtigen öffentlichen Positionen schalten und walten, muss die Banken-Bonus-Runde des Vorjahres vielleicht doch noch nicht die letzte gewesen sein. So teilte der ehemalige Goldman-Sachs-Mitarbeiter Mario Draghi, heute Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), den europäischen Banken am 8. Dezember 489 Milliarden Euro für einen Zeitraum von drei Jahren zum Freundschaftszins von 1,0 Prozent zu.

Und was machen die Banken mit dem billigen Geld? Sie opfern sich für Europa, geben dem sanften Druck der Politik nach und kaufen nun doch wieder höher verzinste Anleihen gefährdeter Euro-Staaten. Dabei haben sie ja eigentlich schon genug davon. Gut, vorsorglich nehmen sie nur Papiere mit kurzen Laufzeiten, man kann ja nie wissen.

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Eines weiß man aber ganz gewiss: Den Zinskupon auf diese Anleihen zahlt der redliche europäische Steuerzahler, egal, ob er nun aus Griechenland, Spanien, Italien oder Deutschland stammt. Schließlich wurden sie alle zusammen von den europäischen Regierungen in ein gemeinsames Boot verfrachtet. Dieses darf nun niemand mehr verlassen. Dieser unbedingte Durchhaltewille eint die Kommandobrücke aus Eurokraten und Bankenaristokraten.

Wer aber streicht die Zinsdifferenz als Gewinn ein? Logisch, es sind die Banken. Und weil die EZB mittlerweile Ramsch als Qualität einstuft, können die Banken die Ramsch-Staatsanleihen gleich wieder als Sicherheit einreichen bei der EZB, für noch mehr Kredit. Ein Schneeballsystem funktioniert schließlich nur, wenn es am Laufen gehalten wird. Die nächste Draghi-Operation mit dem Namen Longer Term Refinancing Operation (LTRO) ist schon fest terminiert. Sie findet statt am 29. Februar.

Die Profiteure dieses Systems sind natürlich alle, deren Einkommenshöhe weniger von Arbeit als von steigenden Vermögenspreisen bestimmt wird. Die finden das natürlich großartig und loben das abgezockte Spiel. Zumal Draghi mit LTRO geschickt den plumpen Griff zur Bazooka – so wird die Notenpresse heute genannt – vermied. Der unbegrenzte Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB wäre in Deutschland nicht gut angekommen. Jeder in Europa aber weiß, dass ohne den deutschen Steuerzahler das Euro-Rettungsboot sofort absäuft.

Klar aber ist: Wie jedes Schneeballsystem wird auch dieses früher oder später zusammenbrechen. Als allerletzten Bonus bekommt die Welt der Finanzgeschäftemacher dann vermutlich doch noch eine Ladung aus der richtigen Bazooka.

Leider werden die europäischen Steuerzahler dann merken, dass ihre Sparquote schon bei null angekommen ist und nichts mehr da ist, um es noch in Aktien, Gold oder Immobilien zu stecken. Die zuletzt wieder steigenden Kurse vernebeln nur den Blick auf die konzertierte Umverteilungsaktion, die in der Finanzkrise 2008 startete – eine der größten, die die Menschheit jemals gesehen hat.

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