Banken verlieren Vertrauen: Schuldenkrise trocknet den Geldmarkt aus

Banken verlieren Vertrauen: Schuldenkrise trocknet den Geldmarkt aus

, aktualisiert 22. November 2011, 16:58 Uhr
Bild vergrößern

Die Eurokrise trocknet den Geldmarkt aus.

Quelle:Handelsblatt Online

Keine Bank traut mehr einer anderen über den Weg. Die EZB soll in die Bresche springen, doch allen kann sie nicht helfen. Es herrschen Zustände auf dem Geldmarkt wie zum Höhepunkt der Finanzkrise.

MadridDie Schuldenkrise in Europa lässt den Geldmarkt austrocknen: Die Banken leihen sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) so hohe Summen wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor gut zwei Jahren nicht mehr, weil sie sich untereinander misstrauen und gegenseitig weniger Kredite gewähren. Spanien muss trotz des Machtwechsels so hohe Zinsen zahlen wie seit 14 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig strahlt die Krise immer mehr auf Osteuropa ab. Wegen nervöser Märkte blies Lettland am Dienstag die Auktion einer Staatsanleihe ab. Trotz steigender Zinskosten lehnt Bundeskanzlerin Angela Merkel die rasche Ausgabe gemeinsamer Euro-Bonds ab, für die die EU-Kommission am Mittwoch mit konkreten Vorschlägen werben will.

178 Banken aus den Euro-Ländern borgten sich bei der EZB zusammen 247 Milliarden Euro. Eine so hohe Summe haben die Frankfurter Währungshüter seit Mitte 2009 nicht mehr ausgegeben. „Wir brauchen nicht groß zu suchen, um Spannungen am Geldmarkt zu finden“, sagte Analyst Divyang Shah von IFR. Die Banken sind immer weniger bereit, sich untereinander mit Geld auszuhelfen. Sie fürchten, dass andere Kreditinstitute pleitegehen und sie auf ihren Forderungen sitzenbleiben könnten. „Der Geldmarkt funktioniert derzeit überhaupt nicht“, sagte ein anderer Experte. „Es ist im Grunde noch schlimmer als zur Zeit der Lehman-Pleite 2008, weil die Staaten nun ebenfalls handlungsunfähig sind. Das besorgt uns sehr.“

Anzeige

Europas Banken können sich bei ihrer Refinanzierung auch immer weniger auf die US-Geldmarktfonds verlassen. Diese ziehen mehr und mehr Mittel aus den Instituten diesseits des Atlantiks ab, um nicht selbst in den Strudel der Euro-Schuldenkrise zu geraten, wie eine Studie der Ratingagentur Fitch zeigt. Demnach bauten die zehn größten US-Geldmarktfonds ihr Engagement im Oktober zum Vormonat auf Dollar-Basis um weitere neun Prozent ab.

"Die Zinskosten stechen ins Auge"

Um die Spannungen am Geldmarkt zu bekämpfen, vergibt die EZB unbegrenzt Kredite mit einjähriger Laufzeit an Banken. Diese haben sich bislang mehr als 500 Milliarden Euro von der Zentralbank besorgt. Fast zwei Drittel davon haben sie anschließend wieder bei ihr angelegt. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 waren es lediglich ein Drittel gewesen.

Dass die Waffen der EZB nicht immer helfen, zeigt die Versteigerung von Anleihen durch den klammen spanischen Staat. Bei der ersten Auktion seit dem Erdrutschsieg der konservativen Partei PP am Sonntag mussten Anleger mit extrem hohen Zinsen von mehr als fünf Prozent von dem Investment überzeugt werden - so hoch lagen sie seit 14 Jahren nicht mehr. Und das, obwohl die EZB jede Woche Milliarden für den Kauf von Staatsanleihen aus Krisenländern wie Spanien und Italien ausgibt, um so die Zinsen zu drücken. „Die Zinskosten stechen ins Auge“, fasste Analystin Jo Tomkins von 4Cast. Das Interesse der Anleger an den Anleihen mit drei- und sechsmonatiger Laufzeit war allerdings sehr hoch.


Keine Schonfrist für den Neuen

Die Auktion zeigt, dass die neue spanische Regierung unter Mariano Rajoy keine Schonfrist erhält. Die Märkte verlangen schnelle Schritte, um die Schulden abzubauen und die vor einer Rezession stehende Wirtschaft anzukurbeln. Rajoy übernimmt allerdings erst um den 20. Dezember die Amtsgeschäfte des scheidenden Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero.

Die Ratingagentur Fitch fordert von der neuen Regierung bereits zusätzliche Maßnahmen, damit Spanien seine Ziele beim Defizitabbau erfüllen kann. Das starke Mandat für die PP verschaffe „Spielraum“ dafür. Zur Verunsicherung an den Märkten trug auch die Weigerung Rajoys bei, noch vor Amtsantritt Einblick in seine Sparpläne zu geben.

Das habe die Märkte enttäuscht, sagten Händler. Die Zinsen für zehnjährige spanische Staatsanleihen verharrten deshalb nahe der kritischen Marke von sieben Prozent, die als Obergrenze für eine auf Dauer tragfähige Refinanzierung an den Kapitalmärkten gilt.

"Es ist ihr sogar verboten"

Bundesbankpräsident Jens Weidmann machte klar, dass sich Schuldenstaaten wie Spanien aber nicht auf die EZB als Helfer in der Not verlassen dürfen. „Sie hat nicht den Auftrag - und es ihr sogar verboten - Staatshaushalte zu finanzieren“, warnte Weidmann in Berlin. Damit würde sie ihr Mandat überdehnen und ihre Unabhängigkeit infrage stellen, sagte das EZB-Ratsmitglied.

Merkel erteilte einer raschen Ausgabe gemeinsamer Euro-Bonds erneut eine Absage. Solche Instrumente einer gemeinsamen Haftung seien allenfalls am Ende der europäischen Integration vorstellbar. „Wir müssen an der Konstruktion des Euro-Raumes etwas ändern“, sagte sie auf dem Deutschen Arbeitgebertag. Die von der EU-Kommission wiederbelebte Diskussion über Euro-Bonds halte sie zum aktuellen Zeitpunkt der Krise für „nicht sehr passend“. Fragen der Haftungsgemeinschaft gehörten, wenn sie überhaupt eine Rolle spielten sollten, „vielleicht ans Ende“ eines europäischen Integrationsprozesses.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kommen die Turbulenzen an den Finanzmärkten immer stärker in der Wirtschaft an. „Die Unruhe an den Finanzmärkten ist dabei, sich allmählich in die Realwirtschaft umzusetzen“, warnte Schäuble im Bundestag.

Lettland bläst Auktion ab

Die Schuldenkrise ist inzwischen längst nicht mehr nur auf sogenannte Peripherieländer wie Griechenland und Spanien begrenzt, sondern schwappt auch nach Kern- und Osteuropa. Belgiens Zinskosten schossen weiter in die Höhe, nachdem die Bemühungen um eine Regierungsbildung durch den Rücktritt des als Vermittler eingesetzten Sozialisten Elio Di Rupo einen erneuten Rückschlag erlitten hatten.

Lettland sagte die Auktion einer zehnjährigen Staatsanleihe ab. Grund sei die Nervosität der Investoren angesichts der schlechten Stimmung an den europäischen Märkten, begründete das Finanzministerium den Schritt. Die Nervosität sei nach der Schließung der Bank Latvijas Krajbanka noch gestiegen. Die Aufsichtsbehörde hatte die Bank am Montag geschlossen, weil deren Mutter vom benachbarten Litauen des Betrugs bezichtigt wurde.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%