Bargeld: Nur Bares ist Wahres

Bargeld: Nur Bares ist Wahres

, aktualisiert 03. Mai 2017, 16:23 Uhr
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Gestapelte Münzen auf Geldscheinen: Die Deutschen lieben Bargeld.

von Sarah DollQuelle:Handelsblatt Online

Weniger Scheine und Münzen, dafür mehr elektronische Zahlungsmittel. So steht es um die Zahlungsmoral in Deutschland. Doch kaum jemand kann sich ein Leben ohne Bargeld vorstellen. Das hat nur fast immer nur einen Grund.

FrankfurtDie Deutschen lieben Bargeld. Während Verbraucher in anderen europäischen Ländern auf den Beschluss der Abschaffung des 500-Euro-Scheins im Mai 2016 nur mit Schulterzucken geantwortet haben, reagierten die Deutschen emotional. Auch jetzt können sich rund 84 Prozent der Deutschen nicht vorstellen, jemals vollständig ohne Bargeld zu leben, heißt es in einer aktuellen Studie der Direktbank ING-DiBa.

Nur die Italiener hängen mit 85 Prozent noch mehr am Bargeld als die Deutschen. Doch die Bargeldnutzung sinkt: Etwa ein Drittel aller Deutschen griff innerhalb des letzten Jahres weniger zu Scheinen und Münzen als zuvor.

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Zugleich steigt die Verwendung von elektronischen Zahlungsmitteln. Rund 45 Prozent der Zahlungen wurden 2016 im deutschen Einzelhandel per Kartenzahlung abgewickelt, fand das Forschungsinstitut EHI heraus. Doch bei vielen Deutschen überwiegt die Skepsis vor dem elektronischen Bezahlen. Nur die Hälfte der Deutschen empfindet das bargeldlose Bezahlen als sicher, wogegen fast 80 Prozent Bargeld als sicher bewerten.

„Der Sicherheitsaspekt lässt die Deutschen im Vergleich zum Rest Europas bevorzugt zum Bargeld greifen“, erklärt Chefökonom der ING-DiBa Carsten Brzeski. Im europäischen Vergleich pochen die Deutschen sehr auf die Sicherheit ihrer Daten. Das anonyme Bezahlen ohne Datenaustausch und ohne Nachverfolgung gefällt den Nutzern in Deutschland am Bargeld besonders. Im europäischen Durchschnitt unterscheidet sich die Sicherheitswahrnehmung von Bargeld kaum von bargeldloser Bezahlung.


Einzelhändler mögen keine Münzen.

Einzelhändlern sind vor allem die vielen Münzen ein Dorn im Auge: Gerade bei Ein-Cent- und Zwei-Cent-Stücken ist das Handling für den Handel umständlich und teuer. Die Deutschen lieben dennoch ihr Bargeld. Selbst das ständige Laufen zum Geldautomat macht ihnen nichts aus. 90 Prozent der Deutschen tragen „fast immer“ oder „häufig“ Bargeld bei sich, sagt die Studie der ING-DiBa.

In ganz Europa verlassen 79 Prozent der Menschen nie das Haus ohne Bargeld in der Tasche. Etwa 63 Euro tragen die Deutschen im Durchschnitt in ihren Geldbeuteln spazieren, europaweit sind es nur 52 Euro. Doch in ganz Europa wird weiterhin gerne mit Bargeld bezahlt: Besonders kleine Beträge begleichen die Verbraucher hauptsächlich in bar. Wer Münzen und Scheine nutzt, bezahlt im Durchschnitt 14,21 Euro. Bei Beträgen zwischen 40 und 50 Euro zücken viele Kunden die EC-Karte, und erst ab 60 Euro kommt in der Regel die Kreditkarte ins Spiel, fand das EHI Retail Institute heraus.

Deutsche Konsumenten sind sich nicht ganz einig, wie in Zukunft an der Kasse bezahlt werden soll. So sagen zwar 84 Prozent, dass für sie ein Leben ohne Bargeld nicht in Frage kommt. Doch 30 Prozent der Deutschen würden sich bei Wahlmöglichkeit nur für das bargeldlose Bezahlen entscheiden. Dennoch steigt die bargeldlose Nutzung und Branchenexperten schätzen, dass 2018 die EC-Karte das Bargeld als beliebtestes Zahlungsmittel ablösen wird.

Doch die Deutschen sind veränderungsscheu und sehen sich in Themen wie Datenschutz und Sicherheit vom bargeldlosen Bezahlen noch nicht überzeugt. „Es fehlen schlagkräftige Alternativen für Kunden, die noch dazu flächendeckend im Einzelhandel eingesetzt werden können“, sagen die Experten des EHI. Die Sicherheitswahrnehmung des bargeldlosen Bezahlens muss sich ändern: Solange bleiben die Deutschen beim Bargeld und fühlen sich wohler mit Scheinen und Münzen im Portemonnaie.

Quelle:  Handelsblatt Online
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