Bert Flossbach: "Die Börsensteuer ist blanker Zynismus"

InterviewBert Flossbach: "Die Börsensteuer ist blanker Zynismus"

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von Heike Schwerdtfeger

Bert Flossbach hält die Finanztransaktionssteuer für nutzlos - und warnt vor dem Einfluss superschneller Handelscomputer. Seinen Börsenhandel hat der renommierte Vermögensverwalter zum Schutz umgestellt.

Herr Flossbach, Sie sagen, dass der superschnelle Hochfrequenzhandel und Geschäfte an unregulierten Handelsplätzen das Vertrauen der Anleger in die Aktie weiter gefährdeten. In einem Brief an Wertpapierhändler und Banken fordern Sie, dass diese durchschaubarer werden, bestimmte Ordertypen nicht mehr zulassen und Handelsplätze meiden sollen. Was ist passiert?

Als ich jüngst das Buch „Flash Boys“ von US-Autor Michael Lewis las, war es, als sei ich Teil dieser Story. Hochfrequenzhandel ist kein neues Phänomen. Aber je aufmerksamer man die Kursbewegungen während des laufenden Börsenhandels verfolgt, umso mehr spürt man, dass es manchmal nicht mit rechten Dingen zugeht.

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Und dafür machen Sie die Flash Boys verantwortlich, Hochfrequenzhändler, die Orders in Millisekunden an die Börse jagen, Kursunterschiede zwischen Börsen nutzen und mit riesigen Orders an winzigen Preisunterschieden verdienen?

Ihr Einfluss hat enorm zugenommen. Das Phänomen gibt es nicht nur in den USA. Egal, wo ich eine Order platziere, computergetriebene Händler sind mit im System und können meine Order ausspähen, wenn ich mich nicht davor schütze. Wer morgens seine Order bei der Bank platziert und abends die Ausführung überfliegt, wird dies kaum merken. Verwerflich am Hochfrequenzhandel ist der Missbrauch durch künstlich geschaffene Volatilität und unredliche Orderinstruktionen, die nur dazu dienen, den Markt auszuspionieren.

Wodurch wurde der Computerhandel im Markt so groß?

Die zersplitterte Börsenlandschaft mit 13 US-Börsen und über 40 Dark-Pools beschert ihnen mehr Möglichkeiten Arbitrage zu betreiben. Auch die Gesetzgebung in den USA bietet ihnen ein Einfallstor, weil jede Order zu den national besten Konditionen an die Börse gehen muss. Dieser „beste“ Preis ist für die Hochfrequenzhändler oft nur ein Lockvogelangebot, mit dem sie ausspähen, ob nicht noch mehr Volumen hinter einer Order steht. Der technische und finanzielle Aufwand den sie treiben, ist gigantisch. Ihre Gewinne sind es auch – jedenfalls in Phasen stark schwankender Kurse.

Das Auf und Ab der Kurse, das Privatanleger abschreckt, ist bei Computerhändlern beliebt?

Ja, starke Kursunterschiede zwischen den Börsen und DarkPools machen die Arbitrage lukrativ. Das kann zu extremen Marktbewegungen führen, so genannten Flash Crashs, die nicht immer so glimpflich ausgehen müssen, wie in den letzten Jahren.

Was haben Sie an Dark Pools auszusetzen, an denen vor allem größere Aktienpakete kursschonend umgesetzt werden sollen? Jede größere Investmentbank hat heute eine solche Handelsplattform.

Man kann sie nicht verteufeln, manchmal bieten sie bessere Kurse und mehr Volumen als die klassischen Börsenplätze, weil sie denen Volumen entziehen. Aber oft fehlt es an Transparenz. Da die Handelsplätze um Marktanteile kämpfen, versuchen sie so viele Orders wie möglich an sich zu ziehen und bieten den Banken dafür mitunter sogar Rückvergütungen, so genannte Kickbacks.

Welchen Ausweg gibt es?

Weniger Handelsplätze, mehr Transparenz und ein Verbot von Orderzusätzen, die nur dazu da sind, andere Anleger zu übervorteilen. Einige Broker denken darüber nach, weil sie die Gefahr erkennen, bei einem Crash am Pranger zu stehen.

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