Besser als der Markt: Die große Zwischenbilanz der Musterdepots

Besser als der Markt: Die große Zwischenbilanz der Musterdepots

, aktualisiert 24. November 2016, 18:35 Uhr
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Seit Auflage liegen die Handelsblatt-Musterdepots deutlich im Plus.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Bilanz der drei Handelsblatt-Musterportfolios fällt knapp drei Jahre nach dem Start überzeugend aus. Uneins sind sich die Betreuer jedoch über die Aussichten von Dax & Co.

FrankfurtAuf die drei Experten der Handelsblatt-Musterportfolios ist Verlass. Während der europäische Aktienindex Stoxx seit dem Start Anfang 2014 auf der Stelle tritt, erzielten die Musterdepots zweistellige Renditen. Doch die Profis suchen nach der richtigen Strategie, nachdem die Kursrally an der Wall Street US-Aktienindizes wie den marktbreiten S&P 500 auf ein neues Allzeithoch getrieben hat. Die Antworten der Betreuer der Portfolios fallen in der derzeitigen Börsenphase höchst unterschiedlich aus.

„Das aktuelle makroökonomische Umfeld ist weiterhin positiv für Dividendenpapiere“, sagt Alexander Kovalenko vom Vermögensverwalter Bayerische Vermögen, der das „Social Trading“-Depot steuert. Die Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken bleibe im Großen und Ganzen expansiv, auch wenn sich die Schere zwischen dem Euro-Raum und den USA allmählich öffne. Das Zinsniveau stelle keine Gefahr für die Aktienmärkte dar. Zudem hätten die europäischen Börsen aus Bewertungssicht nach wie vor erhebliches Potenzial, urteilt der Fachmann. US-Titel seien dagegen im Schnitt zwar nicht besonders günstig, „doch Aktienmarktrallys können deutlich länger dauern, als das unter rationalen Gesichtspunkten denkbar ist“, ergänzt Kovalenko.

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Zumindest verhalten optimistisch beurteilt Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank die Lage, der das „Privatbank“-Depot verantwortet: „Die auseinanderlaufende Geldpolitik zwischen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank werde zu einem noch schwächeren Euro führen, was wie ein Konjunkturprogramm wirkt – vor allem für die exportstarken Dax-Konzerne.“ Dem deutschen Leitindex traut der Profi bis Ende 2017 einen Anstieg bis in den Bereich zwischen 11 300 und 11 500 Zählern zu. Im Jahresverlauf rechnet Niefünd mit hohen Schwankungen, die er nutzen möchte, um strategische Positionen aufzubauen.

Deutlich skeptischer zeigt sich Georgios Kokologiannis, der das Redaktionsdepot des Handelsblatts verantwortet: „Das Portfolio ist auf mittelfristig bestenfalls stagnierende Notierungen bei Dax & Co. eingestellt und erzielt in diesem Szenario rund acht Prozent zusätzliche Rendite bis zum Herbst 2017“, erklärt der Finanzredakteur.

Die drei Musterdepots werden seit Anfang 2014 geführt. Privatanlegern sollen aussichtsreiche Ansätze vorgestellt werden, mit denen sie ihre Renditeziele erreichen können – auch in den heutigen schwierigen Marktphasen. Unter dem Strich treten Aktienkurse in Europa seit über drei Jahren auf der Stelle. Und der Dax notiert rund 14 Prozent unter seinem im April vergangenen Jahres erreichten Allzeithoch bei 12 391 Punkten.

Anleger fragen sich, was zu tun ist. Das Handeln der Experten ist als Hilfe für sie gedacht. Im Vordergrund steht nicht ein Wettbewerb zwischen den Depots, sondern stehen Nachvollziehbarkeit und Transparenz des Anlageverhaltens.


Zweistellige Renditen

Alle drei Depots entwickeln sich seit Auflegung weiterhin wesentlich besser als ihr Vergleichsmaßstab: Während der europäische Aktienindex Stoxx 50 seit Anfang 2014 nicht mehr vom Fleck kommt und zuletzt wieder in den roten Bereich abgerutscht ist, haben die Portfolios im selben Zeitraum zwischen 23 und knapp 29 Prozent an Wert zugelegt. Im laufenden Jahr haben sie auch den Dax deutlich abgehängt, der selbst nach der jüngsten Erholungsrally bei 10 640 Punkten tiefer notiert als noch zum Jahreswechsel.

Mit einer besonders beeindruckenden Performance glänzt das „Social Trading“-Depot, das aktuell rund 29 Prozent im Plus liegt. „Es setzt sich zusammen aus einem Aktienkernportfolio, das derzeit 15 Einzeltitel enthält und einigen ausgewählten Zertifikaten der Social-Trading-Plattform Wikifolio.com“, erklärt Depotmanager Kovalenko. Bei der Handelsblatt-Beteiligung Wikifolio folgen Investoren öffentlichen Anlagekonzepten anderer Teilnehmer. „Das Ziel besteht darin, ein Beispiel eines langfristig orientierten transaktionsarmen Aktiendepots für Privatanleger darzustellen. Dabei setzen wir auf unterbewertete europäische Märkte sowie Einzeltitel“, sagt der Geldprofi. Bis jetzt habe man den Vergleichsindex geschlagen, obwohl der eigene Anlagehorizont deutlich länger sei als die Zeit seit der Auflage des Modelldepots. Dieser Anlagehorizont betrage mindestens vier bis fünf Jahre. „Unsere Expertise bei der Einzeltitelauswahl sowie bei der Ziel-Wikifolio-Selektion hat einen erheblichen Mehrwert gebracht“, meint Kovalenko.

Überzeugen kann auch das Privatbank-Depot, das bisher insgesamt um über 23 Prozent zugelegt hat: „Das Anlageziel besteht darin, nachhaltig zu investieren und dabei einen langfristigen Vermögenszuwachs zu erzielen – dabei verfolgen wir die Umsetzung einer ‚Politik der ruhigen Hand‘“, sagt Investmentprofi Niefünd. Gekauft würden Fonds, ETFs und Einzeltitel, die spezielle Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Für die Auswahl der Einzeltitel maßgeblich sei die Bewertung in vier Bereichen: Wirtschaftlichkeit, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Bestätigt in seinem auf Verlustvermeidung ausgerichteten Anlagekonzept sieht sich der Betreuer des Redaktionsdepots: „Das Portfolio entwickelt sich nach Plan“, sagt Kokologiannis. Sämtliche Einzelpositionen notierten im Plus, und der bisherige Wertzuwachs von insgesamt mehr als 23 Prozent liege exakt im angepeilten Renditekorridor. Zudem hätten selbst die kurzen Kurseinbrüche an den Börsen nach dem Brexit im Sommer und dem Trump-Sieg sich nicht einmal vorübergehend negativ auf das Depot ausgewirkt.

„Das Musterdepot soll aufzeigen, dass eine attraktive Rendite nicht im Widerspruch steht zu einer nervenschonenden Wertentwicklung des Geldvermögens“, sagt der Experte. Ziel sei ein möglichst kontinuierlicher und schwankungsarmer Depotertrag von sechs bis acht Prozent pro Jahr – und zwar unabhängig davon, ob es an den Börsen gerade auf- oder abgehe. Erreicht wird dies durch den Einsatz spezieller Absicherungsinstrumente – und aktives Management. „Direktinvestitionen in ETFs oder einzelne Titel sind für das Musterdepot erst dann wieder vorgesehen, wenn die extremen fundamentalen Bewertungen wieder in Richtung ihrer langjährigen Mittelwerte korrigieren.“ Beim Dax etwa beginne diese Zone nach den Berechnungen Kokologiannis’ unterhalb von rund 8 900 bis 9 200 Punkten. Der US-Leitindex S&P 500 müsse dazu sogar auf mindestens 1 800 Zähler zurückrutschen – in beiden Fällen würde das ein Minus von über 15 Prozent bedeuten.

Hintergrund: Vor allem an der weltweit taktgebenden Wall Street bewegen sich die wichtigsten Bewertungskennziffern nach der „Trump-Rally“ im Bereich historisch hoher Dimensionen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 auf Basis der 2016er-Gewinnschätzungen liegt bei 20,5 – und damit weit über dem mittel- bis langfristigen Durchschnitt von gut 14. „Noch alarmierender ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), das ein besserer Risikoindikator ist“, warnt Kokologiannis. Während die Firmen ihre Ergebnisse durch Sondereffekte und Aktienrückkäufe massiv beeinflussen könnten, sei dies bei den Umsätzen nicht ohne weiteres möglich. Mittlerweile hat das KUV im S&P 500 einen Wert von 1,95 erreicht und liegt auf dem Niveau seines Allzeithochs um die Jahrtausendwende – kurz vor dem Börsensturz nach der Dotcom-Blase.

Quelle:  Handelsblatt Online
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