Betrüger ziehen die Kurse hoch: Die Aktien-Mafia kassiert Anleger ab

Betrüger ziehen die Kurse hoch: Die Aktien-Mafia kassiert Anleger ab

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Vollbeschäftigter Ermittler. Oberstaatsanwalt Philipp Zmyj-Köbel leitete bislang die Abteilung für Kapitalmarktstrafsachen in Frankfurt. Die hat noch viel vor sich. Am Main sind über 100 Verfahren offen, in denen es um Aktien geht, deren Kurse Betrüger manipuliert haben sollen.

von Annina Reimann und Melanie Bergermann

Schmierige Tippgeber ziehen die Kurse Hunderter Aktien nach oben und kassieren Anleger ab. Wer sind diese Leute, wer sind ihre Hintermänner, wie arbeiten und woran verdienen sie – und warum sind sie den Ermittlern immer einen Schritt voraus?

Akten, Akten – Stapel auf dem Sideboard, Ordner auf dem Schreibtisch, Papierberge am Beistelltisch. Sein Büro: groß wie ein Tanzsaal. Die „sehr großen Zimmer“ bräuchten die Frankfurter Fahnder, meint Oberstaatsanwalt Philipp Zmyj-Köbel, „weil man sonst wegen der Aktenberge nicht mehr reinkäme“.

Die Stapel in der Abteilung für Kapitalmarktstrafsachen dürften kaum kleiner werden. Am Main sind noch über 100 Verfahren offen, in denen es um Aktien geht, deren Kurse Betrüger manipuliert haben: Obskure Rohstoffunternehmen, Energieaktien oder Internet-Werte, deren Kurse stiegen, nachdem sie in Börsenbriefen oder im Internet empfohlen wurden. Werden Anleger angelockt, laden die Täter oder ihre Hintermänner eigene Papiere bei ihnen ab.

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Zmyj-Köbel hebt die Tasse mit den chinesischen Motiven, nimmt einen Schluck Chai-Biotee, atmet ruhig durch – und scheint doch innerlich zu kochen. Die Akten stapeln sich auch, weil Leute fehlen, die sich in Wirtschaftssachen auskennen, sagt der 50-Jährige. „Wir haben zu wenig Personal bei der Polizei“, so der Oberstaatsanwalt, „mitunter werten meine Staatsanwälte selbst Konten aus, um Geschädigte zu ermitteln und sie anzuschreiben – eine Aufgabe, die eigentlich die Polizei übernehmen müsste.“

Anleger ausgenommen

Und doch ist Zmyj-Köbel mit seiner Abteilung zuletzt ein bemerkenswerter Schlag gegen eine vermeintliche Bande von Kursmanipulateuren gelungen. Sein Staatsanwalt Torsten Krach hat monatelang ermittelt, Telefone abhören lassen, Täter hinter Decknamen gefunden und mindestens vier Haftbefehle erwirkt. An die 50 Ordner füllen die Akten des Verfahrens.

Der daraufhin eröffnete Prozess vor dem Landgericht Frankfurt und Recherchen der WirtschaftsWoche zeigen erstmalig im Detail, wie das Netzwerk der Kurspusher funktioniert – vom Hintermann über den Vermittler bis hin zu Aktienhändlern, Bankern und Werbern.

Die Täter manipulieren Kurse und ziehen Tausende Anleger über den Tisch – mit zum Teil sehr plumpen Mitteln. Aktuell wirbt ein Anbieter im Newsletter mit „1000 Prozent Gewinn“. Wer das Kleingedruckte liest, merkt, dass den wohl andere einstreichen werden: Eigentümer und Mitarbeiter des Verlags dürfen die beschriebenen Papiere halten: „Wir möchten (...) davon profitieren, wenn die Aktien der von uns dargestellten Unternehmen an Wert gewinnen.“

Marktmanipulation Markus-Frick-Show vor Gericht

Im Strafprozess gegen den ehemaligen N24-Moderator Markus Frick hat die Verteidigung ihr Plädoyer gehalten. Doch für Frick könnte das aktuelle Strafverfahren nicht das letzte sein.

Markus Frick (r) Quelle: dpa

Zum Prozessauftakt des Frankfurter Verfahrens finden sich im Saal I drei Herren ein. Die Staatsanwaltschaft hat sie wegen des Verdachts auf bandenmäßigen Betrug und Marktmanipulation angeklagt. Der prominenteste ist Ex-TV-Moderator Markus Frick, 41, Anfang 2013 festgenommen, 2011 vom Landgericht Berlin wegen Marktmanipulation in 36 Fällen zu 21 Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hat Aktien empfohlen, die er über verschlungene Kanäle besessen und verkauft hat, als Anleger angebissen haben.

In Frankfurt wird Frick in Handschellen vorgeführt. Blasses Gesicht, die Hände übereinandergelegt, der Rücken krumm. Die Anklage: Frick und Komplizen sollen über die Börsenbriefe „Deutscher Aktiendienst“ und „Kursraketen24“ die Kurse des Shoppingportals LetsBuyIt, der heute insolventen Technologiefirma Autev und der auf Online-Spiele spezialisierten Venatus getrieben haben. Hintermänner hätten die Nachfrage der Leser genutzt, um Papiere loszuschlagen. Frick wurde durch seine TV-Show „Make Money“ auf N24 bekannt. Fans verschlangen sein Buch „Ich mache Sie reich“, abonnierten seine E-Mail-Hotline – und kauften, was er empfahl.

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8 Kommentare zu Betrüger ziehen die Kurse hoch: Die Aktien-Mafia kassiert Anleger ab

  • stümmt, hat Ron Sommer(in israel geboren) damals mit der telekomaktie vorgemacht.
    Anschliessend, nachdem die aktien unten war und telekomimmos kaputt, wurde Aron schwer bestraft. 1. bekam eine mio abfindung, dann kam er in die münchener rück, anschliesend - was ja für solche leute normal ist - ist er u.a. regierungsberater geworden.

    Also alles ganz ganz schrecklich für ihn :-))

  • Als ich die Ueberschrift gelesen habe, dachte uich erst na endlich sind die Banken auch mal dran, die Deutsche Bank zum Beispiel. War wohl wieder nichts, ist nur ein kleiner Fisch der nicht systemrelevant ist. Wenn die Banken endlich dran sind braucht WIWO die Ueberschrift nicht zu aendern, Aktienmafia passt perfekt auch auf unsere ach so serioesen Banken.

  • Akienmafia, Betrüger ziehen die Kurse hoch!

    Wo man hinschaut, überall nur noch Lüge und Betrug. Ja, wir sind wirklich eine ehrenwerte Gesellschaft geworden.
    Die Menschen sind wohl alle von einer kollektiven Gier erfasst worden.
    Unsere Politik macht das möglich, sie hat sie alle gewähren lassen.
    Sie werden an ihrer Gier zugrunde gehen. Diese Machenschaften fordern früher oder später ihre Opfer, ihren Tribut fordern.
    Das verstehen wir also heute unter grenzenloser FREIHEIT. Jeder zieht jeden über den Tisch.
    Wir haben ein "UNWESEN " geschaffen, das keiner mehr unter Kontrolle bekommt.
    Das sind die Werte, die wir der ganzen Welt anpreisen, die wir verkünden , wie das Evangelium, damit alle daran teilhaben können.
    Was für ein armseliger Zustand. Wir erdreisten uns sogar, das mit raffinierter Gewalt überall zu verbreiten.

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