Beunruhigte Anleger: „Die Unsicherheit ist körperlich zu spüren“

Beunruhigte Anleger: „Die Unsicherheit ist körperlich zu spüren“

, aktualisiert 25. November 2011, 10:56 Uhr
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Ein Mann zählt Kleingeld. In Krisenzeiten drehen Anleger jeden Cent zweimal um und wollen lieber Sicherheit anstatt hoher Rendite.

von Anke RezmerQuelle:Handelsblatt Online

Die jüngste Krise schafft völlig neue Verhältnisse für Vermögensverwalter. Statt Rendite wollen Kunden vorrangig Rat und Sicherheit. Eine nervenschonende Anlegestrategie liegt deshalb im Trend.

FrankfurtAm Anfang steht Ehrlichkeit. Ehrliche Aufarbeitung des schwierigen Jahres und ein offenes Ausloten der Möglichkeiten, die sich Anlegern aktuell bieten. Das fordert Vermögensverwalter auf besondere Art, müssen sie sich doch in der Welt neuer Anlagebedingungen ein Bild über sinnvolle Strategien machen.

„Es gilt einerseits eine neue Welt der Geldanlage zu definieren, aber auch offen über die relative Schönheit eines Depots in Krisenzeiten zu reden“, sagt Jörg Ludewig, Generalbevollmächtiger  bei der Hamburger Sparkasse (Haspa), die zu den laut „Elite Report“ besten Vermögensverwaltern zählt. „Über die Wertentwicklung allein wird ein Vermögensverwalter in diesem Jahr seinen Erfolg nicht definieren können“, erläutert er. Es geht seiner Ansicht nach vielmehr darum, dass „in Zeiten eines Paradigmenwechsels der Geldanlage wie diesen keiner ein Patentrezept für richtige Strukturen hat“. Darüber müsse man offen mit den Kunden sprechen – auch darüber, dass die Wertentwicklung nicht so sei, wie sie sich mancher vorstelle.

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Was das konkret bedeutet, zeigen Zahlen von Firstfive. „Die Performance-Ergebnisse des Kalenderjahres 2011 sind im Schnitt durchweg negativ", sagt Jürgen Lampe, Vorstand des Finanzdienstleisters, der reale Depots von 70 Banken und Vermögensverwaltern auswertet. "Das durchschnittliche Ergebnis über sämtliche Risikoklassen lag Ende Oktober bei minus sechs Prozent", berichtet er. Allein in den untersuchten Depots bedeute das einen Wertverlust von rund 200 Millionen Euro.

Auch in einem typischen ausgewogenen Portfolio der Haspa-Vermögensverwaltung aus Aktien und Anleihen lagen Kunden in diesem Jahr im Mittel rund fünf Prozent im Minus, was laut der Analyse des „Elite Report“ dem Durchschnitt von Vermögensverwaltungsdepots entspricht. Viele Kunden seien in Zeiten, in denen man man schon mit festverzinslichen Wertpapieren allein zweistellig ins Minus rutschen konnte, damit aber noch zufrieden, sagt Ludewig. Auch Berenberg-Kunden mit einem ausgewogenen Portfolio verbuchten ein einstelliges Minus, wie Andreas Brodtmann, persönlich haftender Gesellschafter der ebenfalls prämierten Berenberg Bank sagt.

Nur wenige konnten sich offenbar davon abheben. So berichtet Björn Robens, Vorstandssprecher der auch zur Elite der Geldmanager zählenden BHF Bank, den „Wert ausgewogener Kundenportfolios im Durchschnitt stabil gehalten zu haben“. Sehr früh hätten er und sein Team sich mit der neuen Normalität hoher Volatilität an den Kapitalmärkten beschäftigt, globale Megatrends identifiziert und konsequent dort hinein investiert, sagt Robens. „Wir setzen seit einiger Zeit voll auf globale Trends.“ In fallenden Märkten gebe es in diesen Zeiten keine guten Aktien mehr, beschreibt er den Paradigmenwechsel. „Das muss man intensiv mit Kunden besprechen, damit sie vor dieser neuen Dimension keine Angst haben“, sagt Robens.

Kunden wollen beruhigt und beraten werden

Die Kunden müssten in ihrer Sorge abgeholt werden, sagt auch Brodtmann von Berenberg. „Es zehrt an ihren Nerven, dass sie kein Polster mehr durch Zinseinnahmen haben zum Ausgleich schwankender Aktienkurse“, sagt er. Strategisch wollten Kunden sich nach den jüngsten Erfahrungen nicht ausschließlich auf liquide Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Geldmarktpapiere ausrichten. Beratungsbedarf erkennt Brodtmann zum Beispiel an Themen wie Immobilien, Edelmetallen oder Kunstobjekten.

Haspa-Experte Ludewig erkennt als eine der Herausforderungen, den Kunden eine tiefe Verunsicherung darüber zu nehmen, welche Anlageformen überhaupt noch Sinn machen und wie ein Depot am sinnvollsten zu strukturieren ist. „Es geht im Kern darum, wie viele der berühmten Eier in den nicht minder berühmten Depot-Korb gehören“, konstatiert er. „Sicherheit ist dabei der größte Antrieb für Kunden“, sagt er. „Bei manchen Kunden ist dieser Tage die Unsicherheit körperlich zu spüren.“

Zu den Kriterien guter Beratung zählt Elite-Report-Herausgeber Hans-Kaspar von Schönfels Sorgfalt, Respekt und systematische Analyse und Beratung. Stimmen müsse zudem die Qualität der Verträge und der Preis, ergänzt er. Bei den Gebühren würden Vermögende gerade in Zeiten schwacher Erträge immer weniger Pardon kennen. Seiner Beobachtung nach sinken die laufenden Gebühren für die Vermögensverwaltung im Mittel um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte auf knapp ein Prozent des Depotwertes pro Jahr.

Die drei Top-Häuser Berenberg Bank, BHF Bank und Haspa erfüllen diese Anforderungen nach seinen Recherchen zur Zufriedenheit der Kunden. Demnach setzt die Berenberg Bank seit Jahren ihren Anspruch um, als zuverlässige, dezente, aber auch transparente Privatbank. Die BHF Bank überzeugt mit Präzision, Stabilität und Dienstleistungstiefe und gilt laut von Schönfels als die Bank für den mittelständischen Unternehmer. Die Haspa erarbeitet laut EIite Report mit den vielfach sorgengeschüttelten Kunden maßgeschneiderte, ehrliche Lösungen.

Vorrangig kleinere Geldhäuser schaffen es nach Ansicht von Schönfels, sich ernsthaft um durch die Krise bis ins Mark verunsicherte Kunden zu bemühen. Das spiegelt auch das Ergebnis des „Elite Report 2012“ wider.

Quelle:  Handelsblatt Online
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