Bizarre Zockeraktie: Gezinkte Börsenrakete Cynk

Bizarre Zockeraktie: Gezinkte Börsenrakete Cynk

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Die von Cynk betriebene Internetseite introbiz.com gibt an, zu Kontakten zu Prominenten wie Johnny Depp oder Nicole Kidman zu verhelfen.

Die US-Börse hat eine neue Kursrakete - und einen neuen Skandal. Das Papier des Social-Media-Anbieters Cynk Tech lag in nur drei Monaten zeitweise um 36.500 Prozent im Plus - dabei gibt es weder Geschäft noch Mitarbeiter.

Facebook und Twitter haben seit ihrem Börsengang ihren Ruf als solide Unternehmen gefestigt - obwohl sie mitunter mehr Geld verbrauchen als sie einnehmen. Doch immerhin haben sie Nutzer. Und zumindest eine vage Idee, wie sich daraus Kapital schlagen lässt. Facebook hat inzwischen bewiesen, dass sich mit sozialen Netzwerken viel Geld verdienen lässt.

Doch nun bekommen die beiden Tech-Schwergewichte an der Börse illustre Gesellschaft - von einem bislang unbekannten Penny-Stock. Denn in den USA ist Cynk derzeit die heißeste Aktie überhaupt. Im Handel am vergangenen Mittwoch regierte unter Anlegern die pure Euphorie: Im Tagesverlauf legte die Cnyk-Aktie um bis zu 49 Prozent auf 21,95 Dollar zu. Damit erreichte Cynk ein Kursplus von mehr als 36.000 Prozent in nur drei Monaten - und eine Börsenbewertung von sechs Milliarden Dollar in der Spitze.

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Für Anleger, die in der langen Dümpelphase bis Mitte April dieses Jahres noch für ein paar Cent Cynk-Aktien erwarben, klingt das nach einem traumhaften Geschäft. Ist Cynk das nächste Facebook oder Twitter? Um es vorwegzunehmen: eher nein.

Denn es gibt ein Problem: Cynk hat weder Nutzer noch Umsatz und auch keine Vermögenswerte - und gerade mal einen Mitarbeiter. Das berichtete zumindest die US-Website businessinsider.com. Das begriffen anscheinend auch etliche Cynk-Aktionäre im späten Handel am Mittwoch. Die Tagesgewinne bröckelten bis Handelsschluss dahin, zum Handelsschluss notierte die Aktien 5,5 Prozent im Minus.

Doch noch ist die Bewertung aberwitzig. Der Schlusskurs von Donnerstag lag bei 13,90 Dollar. Das Zockerpapier liegt damit gegenüber dem Tiefststand vom 15. Mai immer noch mehr als 23.000 Prozent im Plus.

Seit Tagen ist Cynk das Top-Thema auf den Finanz- und Börsenseiten in den USA. Als erste machten die Blogger von Zero Hedge auf die Kursrakete aufmerksam: Vor "purem Wahnsinn" und "lächerlicher Kursbewegung" war die Rede. Was verbirgt sich also hinter dem Unternehmen?

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Cynk betreibt seit 2009 die Internetseite Introbiz.com. Die gibt an, Kontakte zu verschiedenen Personengruppen gegen Bezahlung zu ermöglichen, unter anderem zu Prominenten wie Johnny Depp oder Nicole Kidman. Dazu benötigt der Nutzer eine Registrierung und ein Guthabenkonto mit mindestens 100 Dollar. Für nur 50 Dollar soll es schon E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Prominenten geben.

Nach Informationen von Businessinsider.com ist der einzige Mitarbeiter Vorstandschef, Finanzvorstand, Präsident und Sekretär gleichzeitig. Die angegebene Adresse des Hauptquartiers existiert nicht. Alles riecht einem kompletten Schwindel oder zumindest einem bösen Scherz. Der ehemalige Eigentümer von Cynk sagte gegenüber Buzzfeed, er habe bei der Gründung einen Dienst etablieren wollen, der Prominenten den Kontakt zu ihren Fans erleichtert. Offenbar war das Gründungskapital von knapp 1,6 Millionen Dollar schnell aufgezehrt. Der jüngste Quartalsbericht stammt vom November 2013 - und weißt nur geringe Verkäufe aus - die kurioserweise zu keinerlei Umsätzen geführt haben.

Die dramatischen Kursgewinne bleiben selbst gewieften Börsianern ein Rätsel. Es bleibt die Frage im Raum, wer da den Kurs treibt. Die US-Börsenaufsicht äußert sich zu dem Fall nicht und ist bislang auch nicht eingeschritten. Es gibt lediglich Warnhinweise. Ohnehin werden die Cynk-Aktien im außerbörslichen Handel der Technologiebörse Nasdaq herumgereicht, ohne jede Regulierung.

Weder das Unternehmen noch die Aktie haben also auch nur ansatzweise Substanz. Dafür hat die Geschichte den Unterhaltungswert eine Teenie-Horrorfilms. Für Käufer der Cynk-Aktie der vergangenen Tage wird es wohl schon bald ein Albtraum-Geschäft.

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