KommentarBörse: Dax, komm raus!

von Hauke Reimer

Der Deutsche Aktienindex sollte endlich die Zitterpartie um die 10.000er-Marke beenden. Gründe für einen solchen Anstieg gibt es genug. Zum Crash kann es trotzdem kommen.

Und ewig grüßt das Murmeltier. Wieder nähern wir uns einer magischen Kursmarke, erneut fühlt sich der gequälte Kolumnist verpflichtet, ein Ereignis zu würdigen, das bis Redaktionsschluss noch gar nicht eingetreten ist. „Runde Marken im Dax haben praktisch keine Bedeutung. Eine Anlageentscheidung darauf aufzubauen grenzt an Aberglauben“, war zu Jahresbeginn an dieser Stelle zu lesen, mit dem nicht besonders gewagten Hinweis, dass der Dax die 10.000 in 2014 nehmen werde. Irgendwie scheinen die runden Marken aber doch wichtig für alle, die keine Aktien haben. Sie könnten durch Live-Schalten in der „Tagesschau“ oder eine brüllende „Bild“-Schlagzeile womöglich doch ein Stück näher an die Börse geführt werden. 60 Prozent der Dax-Aktien liegen bei Institutionen im Ausland, nähren britische Lehrer und kalifornische Pensionäre – mehr Deutsche aus dem Nullzins zu locken wäre verdienstvoll.

Der "Ur-Dax" ist nur wenig gestiegen

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Unser Chefstatistiker sagt, die Wahrscheinlichkeit, dass der Dax die 10.000 Punkte in den nächsten Tagen überwinde, sei deutlich größer als die, dass er wieder abpralle. Also sei’s drum: Der Dax wird die 10.000 schaffen. So stark ist er aber nun auch wieder nicht gestiegen. Der „Ur-Dax“ der 30 Gründungsmitglieder, mit Werten wie Mannesmann, Schering, Hoechst und Degussa, notierte heute bei 17.536 Punkten, so unser Statistiker. Und zieht man die ausgeschütteten Dividenden ab, stünde der Dax bei 5090 Punkten – weit unter dem Rekord bei 6300 im Jahr 2000.

  • Alles halb so wild also. Zumal die von uns allen schon im Schlaf heruntergebeteten Argumente für Aktien weiter gelten: Zinspapiere bringen zu wenig;
  • Die US-Notenbank fährt ihre Anleihekäufe, die die Märkte mit Geld fluten, nur sanft zurück, und die EZB fängt erst richtig an, Geld zu pumpen;
  • Gewinne, Aufträge, Finanzen der Konzerne sind komfortabel;
  • von allgemeiner Euphorie (viele Börsengänge, „Jetzt Dax kaufen“-Titelzeilen, massive Zuflüsse in Fonds) ist nichts zu sehen;
  • die Ukraine scheint einen annehmbaren Präsidenten gefunden zu haben.

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Börse wäre nicht Börse, wenn es nicht Gegenargumente gäbe. Zuvorderst: Die Erwartungen an die EZB sind gigantisch. Feuert Mario Draghi nicht gleich mit großem Geschütz, senkt er etwa nur den Leitzins, geht der Dax in die Knie. Und: Aktien sind teuer. Das von US-Ökonom Robert Shiller berechnet Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), in das Gewinne aus zehn Jahren einfließen, liegt für den S&P 500 bei 25, rund 50 Prozent über dem Durchschnitt seit 1881. Okay, das ist ein US-Index. Als der aber Mittwoch schwach eröffnete, verkroch sich der Dax ganz flott in sein 9900er-Loch.

Das Shiller-KGV liegt jetzt auf dem Niveau vom November 2007, als der Dax sich kurz vor dem Finanzkrisen-Brass letztmals auf 8000 Punkte schwang. Vorausschauende Börsianer hatten im Sommer 2007 mit Wetten auf den Crash richtig Geld verloren. So wird es auch diesmal laufen: Der Crash kommt, aber später.

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