Börse: Erster Warnschuss für die Haussiers

Börse: Erster Warnschuss für die Haussiers

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Tokio verbucht den schärfsten Kurseinbruch seit Fukushima.

von Christof Schürmann

Tokio verbucht den schärfsten Kurseinbruch seit Fukushima. Aus den heiß gelaufenen Aktienmärkten entweicht nun die erste Luft.

Tokio am Ende minus 7,3 Prozent, Frankfurt am Morgen minus 2,7 Prozent, die Wall Street am Vorabend schon mit leichten Abschlägen - die Aktienmärkte zeigen sich am Donnerstag nach ihrer Rekordjagd in schwacher Verfassung. Die Gründe sind schnell herbeigezaubert, aber wenig überraschend: Chinas Wirtschaft kommt weiterhin nicht richtig in Fahrt, in den USA gibt es erste leise Andeutungen, die Druckerpresse der Notenbank etwas langsamer rotieren zu lassen. Das verschreckt die Spekulanten, die bisher unverdrossen auf die Droge Billig-Geld setzen.

Wer nicht wild rumspekuliert, sondern ein strategisch orientierter Anleger ist, der sollte sich einfach die Fundamentaldaten  orientieren. Der Nikkei 225 kostet die 27-fachen laufenden und gut 20-fachen geschätzten Gewinne bei einer Dividendenrendite von 1,4 Prozent - das ist je nach Lesart 30 bis 50 Prozent teurer als zu Tiefpunkten in Tokio. Der S&P 500 kostet den 16-fachen Jahresertrag 2013, falls denn die Schätzungen nicht zu optimistisch sein sollten, was aber die Regel ist; die Dividendenrendite liegt bei nur noch zwei Prozent. Auch in den USA wären Rückschläge im zweistelligen Prozentbereich deshalb keine Überraschung. Der Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis um zwölf bei Dividenden, die gut drei Prozent Rendite versprechen, ist da noch relativ günstig. Allerdings sind die Zugpferde wie Bayer, Adidas oder Fresenius völlig überhitzt und die dividendenstarken Papiere wie Deutsche Telekom oder E.On Kursrohrkrepierer.

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Trotz der massiven Verluste hat aber etwa der Nikkei den Mai über noch zugelegt. Damit verbucht Japans Leitindex bisher den zehnten Monat in Folge mit Zuwächsen. Das ist die längste Gewinnstrecke seit 1972. Die Daten aus China verstärkten aber die Sorgen, dass der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zunehmend die Puste ausgeht. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC für die chinesische Industrie fiel auf 49,6 Punkte und damit unter die Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. China ist für Japan einer der wichtigsten Exportmärkte.

Deshalb verloren vor allem Exportwerte, die in den vergangenen Wochen besonders von der Yen-Schwäche profitiert hatten. So gaben die Papiere des Elektronikriesen Sony 5,7 Prozent nach. Die Titel des Rivalen Panasonic verloren 6,8 Prozent. Der Autobauer Suzuki büßte 8,7 Prozent ein. Und Anteilseigner der  Großbank Mitsubishi UFJ rutschen um 9,3 Prozent ab.

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In Frankfurt verloren ThyssenKrupp, Daimler, Deutsche Bank und Commerzbank jeweils um 3,5 Prozent und zählten damit zu den schwächsten Werten. Nachdem es nun wochenlang bergauf ging, ist eine Korrektur aber keine große Überraschung. Und für aktive Verkäufe ist es noch zu früh. Die Märkte insgesamt dürften nach einer zwischenzeitlichen Schwäche noch einmal Anlauf auf neue Höchstmarken nehmen. Engagierte Anleger legen zur Sicherheit Stoppkurse bei 7600 Dax-Punkten. Absicherungsstrategien über Verkaufsoptionen etwa bieten sich dann an, sollte der Dax  mehr als 9.000 Zähler erreichen.

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