
DüsseldorfLange Zeit sind die Aktienmärkte am Mittwoch in einem schwankungsarmen Handel um ihren Vortagesschluss gependelt. Eine erfreulich verlaufene Auktion italienischer Staatsanleihen stützte den deutschen Leitindex. Als jedoch die US-Börsen entgegen der vorbörslichen Tendenz im Minus eröffneten, war die Enttäuschung groß. Binnen weniger Minuten rutschte der Dax tief ins Minus. Er verlor am Ende zwei Prozent gegenüber dem Vortag und schloss bei 5771 Punkten.
Auffällig waren die niedrigen Umsätze. Gegenüber starken Tagen vor dem Jahreswechsel zu Ende der 90er-Jahre wechselten nur halb so viele Aktien den Besitzer. In Kombination mit den relativ geringen Kursbewegungen in den vergangenen Tagen deutet dies auf eine hohe Ausgewogenheit zwischen Angebot und Nachfrage hin. Anleger fühlen sich offenbar auf diesem Kursniveau wohl: Kaum jemand empfindet seine Aktien als zu teuer, um sie zu verkaufen. Auf der anderen Seite sehen nur wenige Anleger Schnäppchen, um sie zu kaufen.
Beherrschendes Thema war der erfolgreiche Versuch Italiens, neue Schuldscheine am Markt zu platzieren. Wie schon kürzlich Spanien konnte auch Italien zu deutlich geringeren Zinsen als zuletzt frisches Kapital einsammeln. Bei einer Auktion von Anleihen mit sechs Monaten Laufzeit halbierte sich die Rendite von 6,5 Prozent im November auf 3,25 Prozent. Insgesamt sammelte der italienische Staat 10,7 Milliarden Euro ein.
Auch heute wird Italien wieder die Anleger beschäftigen: Der Schuldenstaat will längerlaufende Bonds im Wert von 8,5 Milliarden Euro verkaufen. Das Ergebnis wird mit noch mehr Spannung erwartet, als die gestrige Auktion kurzfristiger Papiere. Die Renditen für zehnjährige Staatspapiere sind kürzlich wieder über die Marke von sieben Prozent gestiegen.
Verlierer des Jahres bleiben Verlierer im Dezember
Zu den Schlusslichtern im Dax gehörten gestern erneut die Bankenwerte. Nachdem die Aktien der Commerzbank bereits tags zuvor schwächster Wert gewesen waren, gaben sie um weitere drei Prozent nach. Ebenso viel büßten die Titel der Deutschen Bank ein.
Ebenfalls schwach notierten die Autowerte Daimler, VW und BMW mit Verlusten von jeweils gut einem Prozent. Die Rabattaktionen der Autohersteller wurden nach Angaben des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen nochmals ausgeweitet.
Die Preisnachlässe dürften nicht der einzige Grund für die Verluste sein. Denn mit Daimler und den Banken verloren jene Aktien, die auch im Gesamtjahr zu den größten Verlierern zählten.
Das Phänomen, wonach die Jahresverlierer auch an den letzten Handelstagen verlieren, erleben Anleger seit Jahrzehnten. Dahinter steckt das Bedürfnis vieler Fonds, sich von den größten Verlierern zu trennen, ehe man seinen Kunden die Schlussabrechnung mit allen Depotwerten präsentiert. Mit Commerzbank-Aktien, die seit Jahresbeginn 70 Prozent einbüßten, mag sich kaum jemand schmücken.
So gering die Umsätze und Kursschwankungen in diesen Tagen aber auch sein mögen, so sehr blicken Anleger und Analysten, die sich an der Charttechnik orientieren, derzeit auf den amerikanischen S&P-500-Index – die Leitbörse für alle anderen Indizes. In den vergangenen Tagen hat der S&P täglich ein paar Punkte hinzugewonnen und ist über die 200-Tage-Linie gesprungen – also über den Handelsdurchschnitt der vergangenen 200 Handelstage.
Hält sich die Leitbörse auch in den letzten Handelstagen über dieser Marke, so interpretieren dies viele Anleger und Analysten als positives Signal für den Handelsauftakt im neuen Jahr. Je mehr Anleger dieser Sichtweise dann folgen, umso eher erfüllt sich solch eine Prognose schließlich von selbst.








