Börse Frankfurt: Dax beendet Börsentag im Minus

Börse Frankfurt: Dax beendet Börsentag im Minus

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 19:36 Uhr
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Börse in Frankfurt.

Quelle:Handelsblatt Online

So schwach wie zuletzt Ende November verabschiedet sich der Dax in den Feierabend. Die Gefühlswelt der Anleger lässt sich am heutigen Börsentag mit drei Adjektiven beschreiben: zögernd, euphorisch, niedergeschlagen.

DüsseldorfBelastet von der steigenden Nervosität vor dem EU-Gipfel und dem jüngsten Banken-Stresstest hat der Deutsche Aktienindex am Donnerstag Verluste verbucht. Der Leitindex Dax schloss mit minus 2,01 Prozent auf 5874,44 Punkten und beendete den Handelstag damit so schwach wie zuletzt Ende November.

Im Tagesverlauf war er zwischenzeitlich noch einmal über die Hürde von 6.000 auf bis zu 6.077 Punkte geklettert. Der MDax fiel um 2,05 Prozent auf 8.668,49 Punkte, der TecDax verlor 1,64 Prozent auf 675,29 Punkte.

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Angesichts des erwarteten EZB-Leitzinsentscheids und des heute Abend beginnenden EU-Gipfels zur Schuldenkrise hielten sich die Investoren angesichts möglicherweise weitreichender Entscheidungen für die Zukunft der Eurozone mit ihren Anlageentscheidungen zurück.

Auch als Notenbank-Chef Mario Draghi am frühen Nachmittag verkündete, den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf ein Prozent zu senken, kam keine große Bewegung auf. An den Märkten war dieser Schritt unisono erwartet worden. „Die Zinssenkung selbst war nicht die größte Sensation am heutigen Tage“, sagte ING-Analyst Carsten Brzeski. „Das war erwartet worden und das absolute Minimum, was die EZB in dieser Situation leisten konnte."

Entsprechend unspektakulär reagierte der Dax. Mit 6.026 Punkten lag er wenige Minuten nach dem Zinsbeschluss 0,5 Prozent über seinem Vortagesschluss und damit fast auf dem gleichen Niveau wie vor der Entscheidung.

Für Bewegung sorgte eine Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung. Zunächst honorierten die Anleger die Ankündigung Draghis, mit weiteren außergewöhnlichen Maßnahmen den Banken helfen zu wollen. So werde die EZB den Geldinstituten dreijährige Kredite anbieten und für die Banken die Anforderungen an die Sicherheiten für Kredite lockern, sagte Draghi. Dem Dax brachte das mit 6.077 Zählern seinen Tageshöchststand.Danach schmierte der Index binnen einer halben Stunde um 90 Punkte auf 5.887 Punkte ab. Ein ähnliches Bild lieferten auch die Nebenwerte: Der MDax verlor über zwei Prozent, der TecDax 1,6 Prozent. Ähnlich wie der Dax tummelten sich beide Indizes bis zum frühen Nachmittag noch in der Gewinnzone.


Draghis Äußerungen sorgen für Enttäuschung

Für Enttäuschung bei den Anlegern sorgten Draghis Äußerungen, dass das Ankaufprogramm von Staatsanleihen nicht unendlich sei und es zudem keine Pläne gebe, die Zinsen weiter zu senken. „Was die Anleger verschnupft, ist, dass die EZB die Hoffnungen auf eine aktivere Rolle bei den Staatsanleihenkäufen gedämpft hat. Da hatten einige offenbar auf stärkere Signale gesetzt“, sagte Rainer Sartoris, Volkswirt bei HSBC Trinkaus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte vor dem mit Spannung erwarteten EU-Gipfel, dass die Schuldenkrise nicht mit einem Paukenschlag beendet werden könne. „Diese Aussage wiegt wohl noch schwerer als die Ausführungen Draghis“, sagte Mario Mattera, Analyst beim Bankhaus Metzler.

Außer dem EZB-Entscheid steht mit dem Euro-Gipfel, der am Abend startet, ein weiteres wichtiges Ereignis an, von dem sich die Anleger wichtige Weichenstellungen für eine Lösung der Schuldenkrise erhoffen.

Deutschland und Frankreich wollen eine begrenzte Änderung des EU-Vertrages durchsetzen. Börsianer hoffen darauf, dass auf dem EU-Gipfel, der auch am Freitag noch andauert, durchschlagende Maßnahmen beschlossen werden, um der Schuldenkrise Herr zu werden. Das wäre nach Einschätzung von Analysten dringend nötig, um das Vertrauen der Anleger in die Eurozone wieder zu stärken und dem Aktienmarkt auf die Beine zu helfen.

„Die Portfolien der Anleger sind extrem defensiv ausgerichtet, die Cash-Positionen waren noch nie so hoch“, sagte Philippe Ithurbide, Chef der Analyse und Strategie bei Amundi. „Das ist natürlich gut, denn es bedeutet, dass es eine schöne Erholung geben könnte.“

Neben EU-Gipfel und EZB-Zinsentscheid stand mit der Bekanntgabe der Stresstestergebnisse für Europas Banken ein weiterer sehr wichtiger Termin auf dem Programm. Die European Banking Association (EBA) teilte am Abend mit, dass sechs der 13 größten deutschen Banken Kapitalverstärkungen von zusammen 13,1 Milliarden Euro benötigen. Spekulationen über den Kapitalbedarf hatten bereits im Vorfeld für deutliche Ausschläge bei Bankaktien gesorgt.

Zu den größten Verlierer am heutigen Börsentag gehörten die Aktien der Deutschen Bank. Sie verloren 4,3 Prozent und notierten nach Börsenschluss bei 28,25 Euro, nachdem sie bis zum frühen Nachmittag mit einer Wertsteigerung von zwei Prozent noch zu den Gewinnern im Dax zählten.


Commerzbank rutscht ab

Noch härter traf es die Commerzbank. Die Titel des Geldhauses haben am Donnerstag ihre Talfahrt beschleunigt. Sie gaben um 9,5 Prozent auf 1,3 Euro nach und sind damit mit Abstand größter Verlierer im Dax. Auch europaweit hielten die Papiere die rote Laterne unter den Bankwerten. Händler hatten zunächst keine Erklärung für den Kursrutsch. „Die Commerzbank-Aktie ist derzeit eben immer der Hund, der geprügelt wird“, sagte einer von ihnen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte angekündigt, die Bonitätsnoten von Deutscher Bank, Commerzbank und zahlreichen weiteren Geldhäusern aus Europa unter die Lupe zu nehmen. Nach Berechnungen der EU-Bankenaufsicht EBA haben die deutschen Institute Finanzkreisen zufolge einen Kapitalbedarf von 13,1 Milliarden Euro.

Abseits des Bankensektors sieht es allerdings nicht besser aus. K+S (- 5 Prozent), Thyssen Krupp (- 4,3) und MAN (- 4) verzeichneten die größten Verluste neben den Bankenwerten. Lediglich Fresenius (+ 1,02) und Merck (+ 0,51) konnten den Börsentag im Plus beenden.

Während die deutschen Blue Chips schwächelten, katapultierte eine Kaufempfehlung der Citigroup den Solarkonzern Centrotherm an die TecDax-Spitze. Die Aktien des Anlagebauers legten um bis zu 11,6 Prozent auf 10,38 Euro zu und notierte bei Börsenschluss bei 9,65 Euro (+ 3,77 Prozent).

Die Analysten der Citigroup hatten die Papiere mit „Buy“ aufgenommen. Im Solarsektor gebe es einige derzeit unterbewertete Unternehmen, in die es sich zu investieren lohne, hieß es in einem Kommentar. Solarworld und SMA Solar bewerteten die Experten mit „Neutral“. Solarworld notiert nach Handelsschluss 0,15 Prozent schlechter, SMA-Papiere gaben um 1,04 Prozent nach.

Bei Carl Zeiss Meditec haben die Anleger am Donnerstag einen Gewinnanstieg mit Aktienkäufen honoriert. Die Papiere des Medizintechnikspezialisten legten im Tecdax um 0,22 Prozent auf 14,02 Euro zu. Im Geschäftsjahr 2010/11 hatte das Unternehmen bei Umsatz und Gewinn deutlich zugelegt. „Carl Zeiss bleibt weiter auf dem Wachstumspfad“, kommentierte DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger. Die Zahlen seien solide und hätten leicht über den Erwartungen gelegen.

Nach Unternehmensangaben ließen vor allem zweistellige Wachstumsraten in Asien den Umsatz um rund 12 Prozent auf 758,8 Millionen Euro steigen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich um fast 20 Prozent auf 103,6 Millionen Euro. Zum Nettogewinn wurden keine Angaben gemacht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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