Börse Frankfurt: Dax beendet Hexensabbat im Minus

Börse Frankfurt: Dax beendet Hexensabbat im Minus

, aktualisiert 16. Dezember 2011, 20:54 Uhr
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Dax-Tafel in Frankfurt: Für den Dax ging es kurz vor Handelsschluss Richtung Süden.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Dax kam heute nicht in die Gänge und schaukelte zwischen Minus und Plus. Die Kursturbulenzen blieben trotz Hexensabbat aus. Die Schuldenkrise verhindert bisher eine mögliche Jahresschlussrally.

DüsseldorfZum letzten Mal in diesem Jahr hieß es an der Börse Hexensabbat. Größere Ausschläge blieben jedoch am großen Verfallstag aus. Viele Investoren hätten dieses Kursniveau erwartet, sagte Aktienstratege Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. Damit entfällt für diese Gruppe die Notwendigkeit, die Kurse mit größeren Käufen oder Verkäufen zum Verfall in eine günstige Richtung zu bewegen. Am Mittag liefen Futures und Optionen auf Indizes aus. Zum Xetra-Schluss waren Optionen auf einzelne Aktien an der Reihe.

„Die Anleger sind einfach nur froh, dass das Jahr vorbei ist und haben gleichzeitig Angst davor, was noch kommt“, sagte ein Händler. Auch nach Einschätzung des Aktienmarkt-Experten David Thebault von Global Equities verhindert die Schuldenkrise mit allen ihren Folgen eine Jahresendrally. „Über der Euro-Zone schwebt das Damoklesschwert einer Herabstufung durch die Ratingagenturen. Das macht es schwer, Vertrauen in die Märkte zu fassen“, betonte er.

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Die positive Eröffnung hatte auf den Dax keinerlei Wirkung. Er beendete einem impulslosen Zickzack-Handel mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 5.706 Punkten. Auf Wochensicht hat der Dax damit fünf Prozent eingebüßt. Erst kurz vor Handelsschluss ging es für den Dax abwärts, den Tag über war er nahezu unverändert. Die Dax-Kurve ist zwar ziemlich gezackt, allerdings stellt man sich nach den Kursschwankungen der letzten Monate unter "Turbulenz" etwas anderes vor.

Der Settlement-Kurs für Dax -Optionen ist am Freitag mit 5727,94 Punkten festgesetzt worden (13:00 Uhr), nach 5844,30 Zählern im Vormonat. Für MDax und TecDax lagen die Settlements am sogenannten Hexensabbat bei 8543,21 (November: 8652,63) beziehungsweise 664,45 (674,69) Stellen.

Dass der Dax nicht zu großen Kursgewinnen ansetzte, war laut Börsianern aber auch der anhaltenden Furcht vor einer Eskalation der Schuldenkrise geschuldet. „Über der Euro-Zone schwebt das Damoklesschwert einer Herabstufung durch die Ratingagenturen. Das macht es schwer, Vertrauen in die Märkte zu fassen“, sagte David Thebault von Global Equities.

Ratingagenturen haben ihr Pulver verschossen

Die ständigen Meldungen von Herabstufungen zeigen bei Anlegern immer weniger Wirkung. Bei Androhungen bleiben viele mittlerweile kalt. Die Ratingagentur S&P hatte in der vergangenen Woche praktisch allen Ländern in der Euro-Zone und damit auch Deutschland mit einer Herabstufung gedroht. Am Dienstag wiederholte die Ratingagentur ihre Warnung: Auf der Liste für ein potenzielles Downgrade stünden inzwischen 25 staatliche Schuldner und 42 Banken aus Europa. „Inzwischen stellt sich allerdings ernsthaft die Frage, ob eine Herunterstufung überhaupt noch Auswirkungen auf die Kurse hätte - bei den Bankwerten ist diese ja sehr begrenzt“, sagte ein Händler.

Gute Vorgaben aus Übersee

Unerwartet positive Konjunkturdaten und überraschend starke Quartalszahlen des Logistikkonzerns FedEx hatten den US-Aktienmärkten am Donnerstag Gewinne beschert. Die Wall Street beendete damit eine dreitägige Verlustserie, die vor allem von Sorgen über die Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise auf die Weltwirtschaft geprägt waren. Zur positiven Stimmung trugen Arbeitsmarkt- und Industriedaten bei.

Der japanische Nikkei-Index hat am Freitag leichte Gewinne verzeichnet. Das Börsenbarometer legte zum Ende des Vormittagshandels 0,3 Prozent auf 8401 Punkte zu. Der breiter gefasste Topix-Index notierte kaum verändert bei 724 Punkten. Händlern zufolge verdrängten neue Zeichen der Stärke in der US-Wirtschaft etwas die Sorgen über die Euro-Schuldenkrise.

Kommt die Bankenkrise?

EZB-Ratsmitglied Yves Mersch warnte vor den Folgen einer neuen Bankenkrise und Kreditklemme in Europa. "Wir haben Angst vor einer Kreditklemme, die unsere Volkswirtschaften - inklusive der besten - wieder in eine Rezession stürzen könnte. Das werden wir nicht zulassen", sagte der luxemburgische Notenbankchef am Donnerstagabend im ZDF. Die Banken seien derzeit mit der "doppelten Last von Rekapitalisierung und Regulierung" konfrontiert. Hinzu komme die Finanztransaktionssteuer. Alle diese Belastungen könnten sich negativ auf die Kreditvergabe der Finanzinstitute auswirken.


Bankenherabstufung ließ Anleger kalt

S&P hatte am Donnerstagabend die Kreditwürdigkeit von zehn spanischen Banken herabgestuft, darunter die Bankinter, Caixabank und die Banco Popular. Die Papiere lagen zwischen 1,7 und 0,3 Prozent im Plus. Auch die Deutsche Bank zeigte sich von der Herabstufung der langfristigen Kreditwürdigkeit durch Fitch weitgehend unberührt. Die Aktie notierte überwiegen im Plus und schloss im einem schwachen Gesamtmarkt ein Prozent niedriger. Die Ratingagentur verschlechterte ihre Bewertung für die Deutsche Bank auf die Note „A+“ (zuvor „AA-“).

Angesichts der sich verschärfenden Euro-Krise seit Juli sei das keine Überraschung mehr gewesen, schrieb Michael Rohr, Analyst bei Silvia Quandt Research. Der europäische Bankenindex notierte 0,4 Prozent schwächer.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählte Lufthansa, deren Papiere 1,8 Prozent höher schlossen. Händler verwiesen einerseits auf ein Interview von Lufthansa-Cargo-Finanzvorstand Peter Gerber, der für 2011 mit dem zweitbesten Ergebnis in der Geschichte der Frachttochter rechnet. Zudem stützten die sinkenden Ölpreise den Luftfahrtsektor, hieß es.

Aktien der Premium-Autohersteller Daimler und BMW reagierten auf einen negativen Bericht zum chinesischen Absatzmarkt und sanken um ein bzw. 1,5 Prozent.

Der verhaltene Ausblick der IT-Beratungsfirma Accenture hat SAP am Freitag belastet. Die Aktien des Software-Konzerns schlossen als größter Dax-Verlierer 2,6 Prozent teifer. „Accenture reiht sich nahtlos in die mittlerweile beachtliche Kette an verhaltenen beziehungsweise negativen Kommentaren aus der IT-Branche für die kommenden Monate ein“, schrieb Mirko Maier, Investmentanalyst der LBBW, in einem Kommentar. Dank der starken Produktpipeline sei die Dynamik in Walldorf im Moment zwar hoch, doch den konjunkturellen Rahmenbedingungen könne sich auch SAP nicht entziehen. Für Unmut sorgte laut Händlern zudem eine Herunterstufung der BofA/Merrill Lynch: Die Analysten setzten die SAP-Aktien auf „Neutral“.

Verbraucherpreise in den USA

Bei der Inflation in den USA gab es im November keine Bewegung. Die Verbraucherpreise seien im November unverändert geblieben, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Experten hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet, nachdem das Preisniveau im Oktober um 0,1 Prozent gefallen war. In den Monaten davor hatte es noch jeweils zwischen 0,3 und 0,5 Prozent zugelegt. Im Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise allgemein um 3,4 Prozent zu. Ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise kletterte der Index im November allerdings um 0,2 Prozent und auf Jahressicht um 2,2 Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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