Börse Frankfurt: Dax beendet neuntägige Talfahrt

Börse Frankfurt: Dax beendet neuntägige Talfahrt

, aktualisiert 25. November 2011, 18:06 Uhr
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Händler an der Börse Frankfurt: Heute ging es für den Dax endlich mal wieder bergauf. Neun Tage in Folge hatte er im Minus geschlossen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der deutsche Leitindex konnte heute seine Verlustserie brechen und endlich wieder im Plus schließen. Dass der Privatsektor womöglich nicht am ESM beteiligt werden soll, ließ die Kurse kräftig steigen.

Zunächst sah es so aus, als würde der Dax den zehnten Tag in Folge im Minus schließen. Bereits mit neun verlustreichen Tagen hat der Dax seine zweitlängste Verlustserie hingelegt. Allerdings kam am Nachmittag die Meldung, dass der Privatsektor an dem dauerhaften Rettungsschirm ESM womöglich nicht beteiligt werden soll. „Das würde bedeuten, dass die Banken quasi ungeschoren davonkommen“, sagte ein Händler. Das freue den Anleger, aber vermutlich nicht unbedingt den Steuerzahler. Zudem öffnete die Wall Street mit Gewinnen, was auch den Dax stützte.

Der deutsche Leitindex schloss 1,2 Prozent höher bei 5.492 Punkten. Für den Euro-Stoxx 50 ging es 0,9 Prozent nach oben. Im Wochenverlauf hat der Dax aber immer noch rund 5,3 Prozent an Wert verloren.

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Belastend wirkte heute Vormittag noch die Abstufung der portugiesischen Kreditwürdigkeit auf Junk-Niveau, die am Donnerstag die Ratingagentur Fitch bekannt gegeben hatte. Selbiges Schicksal teilt nun auch Ungarn, das seinerseits von der Agenur Moody’s auf Ramschstatus herabgestuft wurde. Investoren flohen heute aus portugisieschen Anleihen. Der Kurs der zehnjährigen Papiere rutschte um 3,58 auf 51,01 Zähler ab. Die Rendite stieg auf 13,278 (spätes Vortagesgeschäft: 12,25) Prozent. Fitch hatte am Donnerstag Portugals Bonität auf BB+ gesenkt.

Ein Händler sagte: „Wir befinden uns weiter in sehr politischen Börsen, und die aktuelle Ruhe dürfte trügerisch sein - der Handel wird nervös bleiben.“ An den Börsen gebe es aber aus technischer Sicht nach der fast ungebrochenen Talfahrt der vergangenen zwei Wochen Erholungsbedarf.

Auf den Euro hatte die positive Entwicklung indes keine Wirkung: Die Gemeinschaftswährung fiel auf ein Sieben-Wochen-Tief bei 1,3210 Dollar. Devisenhändler begründeten die Schwäche mit dem anhaltenden Streit auf politischer Ebene über das richtige Rezept gegen die Schuldenkrise.


Anleger schauen auf Finanzministertreffen

Investoren warten gespannt auf Ergebnisse der kommenden Woche. Die Euro-Finanzminister werden bei ihrem Treffen am Dienstag voraussichtlich die nächste Kredittranche aus dem Rettungspaket für Griechenland freigeben. „Wir entscheiden jetzt zum dritten Mal über die sechste Tranche, vermutlich haben wir dieses Mal Glück“, sagte eine mit der Vorbereitung der Sitzung vertraute Person am Freitag in Brüssel. Die Reform des Euro-Rettungsfonds EFSF werden die Euro-Länder formell auch am Dienstag abschließen. Der Fonds soll Investoren am Finanzmarkt künftig zwei Optionen zur Beteiligung an Finanzhilfen für strauchelnde Euro-Länder anbieten.

Finanzwerte profitierten

Von der Meldung, dass private Gläubiger womöglich nicht am dauerhaften Rettungsschirm beteiligt werden sollen, konnten vor allem Finanzwerte profitieren. Die Aktien der Commerzbank schwankten zwischen großen Gewinnen und Verlusten hin und her. Schließlich schlossen sie 2,9 Prozent höher. Für die Deutsche-Bank-Aktie ging es zwei Prozent nach oben.

Werte, die besonders von der Konjunkturentwicklung abhängig sind, wurden von den Anlegern ebenfalls abgestoßen. Volkswagen-Aktien gehörten zu den wenigen Werten im Dax mit rotem Vorzeichen und verloren 0,9 Prozent.

Anleger setzten auf Pleite von Manroland

Die Erwartungen der Anleger, die mit einer Pleite des Druckmaschinenbauers Manroland rechneten, wurden erfüllt. Der Konkurrent von Heidelberger Druck und König & Bauer stellte am Freitag Insolvenzantrag. Das bestätigte das Amtsgericht Augsburg. Der Antrag werde derzeit geprüft. Das Unternehmen, das mehrheitlich dem Finanzinvestor Allianz Capital Partners gehört, schreibt seit Jahren Verluste.

Die Aktien von HeidelbergerDruck konnten gestern wie heute deutliche Kursgewinne verzeichnen. Heute schlossen sie 11,6 Prozent fester. König & Bauer Papiere gewannen im SDax 11,4 Prozent. Für die Geschäfte von Heidelberger Druck und Koenig & Bauer dürfte ein Ausscheiden von Manroland aus dem Markt von Vorteil sein, da dies den Preisdruck in der Branche lindern dürfte, schrieb Equinet-Analyst Holger Schmidt in einem Kommentar.


EZB erwägt Zinssenkung

Die Europäische Zentralbank (EZB) gab bekannt, dass bei einer weiteren Verschlechterung der konjunkturellen Perspektiven sie ihren Leitzins im Dezember abermals senken könnte. „Wenn der aktuelle Trend anhält, dann wird wahrscheinlich eine weitere Zinssenkung folgen“, zitierte die belgische Zeitung „De Tijd“ EZB-Ratsmigtlied Luc Coene am Freitag.

Der Bundestag verabschiedet heute seinen Haushalt und um 8.45 Uhr steht das Verbrauchervertrauen in Paris auf der Agenda. KWS Saat präsentiert Zahlen fürs erste Quartal.

Italienische Anleihen auf Rekordniveau

Auch nach dem Regierungswechsel muss Italien für neues Geld rekordhohe Zinsen zahlen. Der hoch verschuldete Staat konnte sich am Freitag zwar am Kapitalmarkt wie geplant zehn Milliarden Euro leihen. Für Papiere mit sechsmonatiger Laufzeit muss er dafür aber einen durchschnittlichen Zins von 6,5 Prozent zahlen, für eine zweijährige Anleihe sogar einen Zins von 7,8 Prozent. Höhere Zinssätze wurden seit Einführung des Euro noch nie von Italien gezahlt. Im Oktober lagen sie mit 3,5 und 4,6 Prozent noch deutlich tiefer.

Wichtig für den mittel- bis langfristige Trend am Markt bleibt die Konjunktur. Gestern wurde der Ifo-Geschäftsklimaindex positiv aufgenommen. „Der leichte Anstieg war eine große Überraschung, denn es war ein starker Rückgang erwartet worden“, urteilten die Experten der Société Générale.

Eine Trendwende ist davon jedoch kaum zu erwarten. „Die positiven Werte können nicht davon ablenken, dass Deutschland zunehmend in das Fahrwasser der europäischen Peripherie gerät“, analysierte Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank Gruppe. Im Zuge der Schuldenkrise kann er sich auch für Deutschland negative Quartals-Wachstumsraten zum Jahreswechsel vorstellen.

Das ist ein schlechtes Szenario für viele Beobachter: Stark nachlassende Konjunkturen in Verbindung mit einer weiteren Zuspitzung der Schuldenkrise im Euro-Raum. Eine Rezession erwartet Asoka Wöhrmann, Chefstratege der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS, jedoch nicht.


Jahresendrally beginnt

DWS-Aktienfondsmanager Tim Albrecht glaubt an starke Aktienkurs-Schwankungen in den kommenden Wochen. Bei einem glaubwürdigen Lösungskonzept für die Euro-Schuldenkrise kann er sich eine Jahresendrally vorstellen. „Ein Dax von 6 300 bis 6 500 Punkten ist dann möglich“, sagte er. Die Unternehmensbewertungen sind seiner Beobachtung nach günstig: „Ich finde sogar Firmen, deren Liquidität höher ist als ihr Börsenwert.“

Die DWS-Strategen sind nicht die einzigen, die eine Marktwende zum Besseren von einem glaubwürdigen Konzept zur Lösung der Schuldenkrise abhängig machen. Nach Ansicht der Analysten von ING Investment Management deuten die schwachen Wachstumszahlen der Euro-Zone für das dritte Quartal darauf hin, „dass sich die Negativspirale aus Schuldenproblemen, getrübter Stimmung, verschärfter Kreditvergabe, öffentlichem Sparkurs, rückläufigem Wachstum und weiterem Schuldenstress immer schneller dreht.“

Das deutliche Plus beim Umsatz lockte Anleger in die Aktien von KWS Saat. Die Aktien des Saatgutherstellers schlossen im SDax 3,1 Prozent höher. Das Unternehmen habe einen guten Start in das Geschäftsjahr 2011/2012 hingelegt, schrieb DZ-Bank-Analyst Heinz Müller in einem Kommentar. Der Gruppenumsatz legte im ersten Quartal um gut 30 Prozent auf 93,1 Millionen Euro zu.

Für die Werte von Praktiker sieht es zurzeit gar nicht gut aus. Im SDax brachen die Papiere von Praktiker um bis zu 27 Prozent auf ein Rekordtief von 1,96 Euro ein. Es war der größte Tagesverlust der Aktie seit dem Börsengang 2005. Die Aktie schloss schließlich 22,6 Prozent schwächer. Der Baumarktkonzern hatte am Donnerstag ein Restrukturierungsprogramm angekündigt und rechnet 2012 mit stagnierenden Umsätzen.

Das Unternehmen will diejenigen Märkte schließen, die ohne Aussicht auf Besserung Verluste erwirtschaften. Insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren mehr als 300 Millionen Euro für Standorte und Sortimente sowie den Firmenauftritt ausgegeben werden. „Es ist zwar noch nicht klar, wo das Geld herkommen soll, aber alles in allem, ist das ein vielversprechendes Maßnahmenpaket, um Praktiker wieder auf die Erfolgsspur zu bringen,“ sagte ein Händler. Die Aktien haben seit Jahresanfang gut 66 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Nach einem Zeitungsbericht über Gespräche von Air Berlin mit Investoren legten die Aktien des Unternehmens eine Achterbahnfahrt hin. Letzendlich beendeten sie den Handel mit einem Minus von 6,4 Prozent. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, die Fluggesellschaft spreche mögliche Investoren an und es hätten bereits Gespräche mit mehreren möglichen Interessenten stattgefunden.

Der Verkauf eines substanziellen Aktienpakets sei nicht ausgeschlossen, berichtete die Zeitung ohne Angabe einer Quelle. Eine Sprecherin von Air Berlin wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. „Wenn sie einen Investor finden würden, wäre das natürlich gut“, sagte ein Händler.

Quelle:  Handelsblatt Online
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