Börse Frankfurt: Dax erhält Doping von den Notenbanken

Börse Frankfurt: Dax erhält Doping von den Notenbanken

, aktualisiert 30. November 2011, 18:09 Uhr
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Der Dax notiert wieder im Plus - Trader können sich freuen.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine koordinierte Aktion der Europäischen Zentralbank, Fed und Co. verlieh dem Dax heute Flügel. Die Anleger feierten die Maßnahme der Notenbanken. Doch der Crash ist damit nicht abgewendet, sondern höchstens verschoben.

FrankfurtHeute gab es Doping für den Dax: Die internationalen Notenbanken haben am Mittwoch mit einer abgestimmten Aktion die Muskeln des Dax bis zum Anschlag aufgebläht. Der Leitindex schloss knapp fünf Prozent höher auf 6.089 Punkte. Bereits zur Mittagszeit machte der Dax von seiner schwachen Eröffnung kehrt und schoss gegen 14:00 Uhr kräftig ins Plus. Sein Tageshoch lag bei einem Kurs von 6.131 Punkten. Auch die zweite Reihe glänzte mit hervorragenden Zahlen. Der MDax gewann 4,7 Prozent hinzu auf 9.017 Punkte und der TecDax stieg um 2,9 Prozent auf 705 Zähler.

Grund für das Kursfeuerwerk am Nachmittag: Die EZB, die US-Fed und andere Notenbanken haben ein weiteres Mal die Märkte beeinflusst, um das Finanzsystem zu retten. Die EZB teilte am Mittag mit, dass sie mit anderen Notenbanken koordiniert in den Geldmarkt eingegriffen habe. Es gehe darum, dem weltweiten Finanzsystem mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen und damit Spannungen an den Finanzmärkten abzubauen. In Folge der Ankündigung ging es auch für den Euro nach oben. Für einen Euro bekam man nach Frankfurter Börsenschluss 1,34 Dollar.

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An der Aktion beteiligt sind die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Fed sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz. Die Notenbanken verständigten sich darauf, die Kosten bestehender Dollar-Swaps ab dem 5. Dezember um 50 Basispunkte zu senken. Die EZB und andere Notenbanken wollen den Instituten zudem bis auf weiteres mit Auktionen für drei Monate Geld leihen. Daneben solle es zwischen einzelnen Zentralbanken befristete bilaterale Abkommen zu Zinsgeschäften geben, um im Notfall jederzeit die von den Banken benötigte Währung bereitstellen zu können. „Es zeigt, dass alle Beteiligten den Ernst der Lage erkannt haben“, erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Zusammen mit der Senkung der Mindestreserve-Anforderungen in China ist das sehr hilfreich.“

Aus China kam zur Mittagszeit die Meldung, dass die chinesische Notenbank erstmals seit drei Jahren überraschend die Mindestreserve-Anforderungen der Banken gelockert hat. Mit dieser Maßnahme soll die erlahmende Konjunktur gestützt werden. Die Notenbank will zum 5. Dezember die Mindestreserve-Quote für die größten Institute um 50 Basispunkte auf 20 Prozent senken. Anleger werteten dies als Hoffnungssignal für die globale Konjunktur.

Doch lange werden die Aufputschmittel der Notenbanken wohl nicht wirken können. Schon jetzt warnen einige Händler vor übereilten Freudensprüngen. Mit dem gemeinsamen Vorgehen seien viele Probleme noch nicht gelöst, sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. „Es wird wenigstens sichergestellt, dass die Banken genügend Dollar-Liquidität bekommen - und zwar zu besseren Konditionen als bisher über die Dollar-Tender der EZB. Für Erleichterung sorgt sicher auch, dass die Notenbanken zusammenarbeiten.“ Nach Meinung eines Händlers müssen die Politiker in der Eurozone jetzt allerdings schnellstens die Schuldenkrise eindämmen um für eine langfristige Beruhigung der Märkte zu sorgen. „Das Zeitfenster schließt sich immer schneller. Bislang wurde kaum etwas von dem umgesetzt, was angekündigt worden war.“

Dass der Dax den heutigen Handelstag so stark abschließen würde, war im Vorfeld nicht vorherzusehen. Die Vorzeichen waren nämlich alles andere als gut. Das gestrige Treffen der EU-Finanzminister verlief enttäuschend. Die Hebelung des EFSF-Schirms erreichte nicht die angepeilte Summe von einer Billionen Euro. „Das Meeting der EU-Finanzminister brachte nicht den großen Durchbruch bezüglich des Euro-Rettungsfonds EFSF“, sagte ein Händler. Die Politik hatte sich zwar auf die Grundzüge der Hebelung des EFSF verständigt. Unklar bleibt allerdings, wie stark die Finanzkraft am Ende sein wird.

Das schwache Ergebnis dieses Treffens wird wohl ein Anlass für das verstärkte Engagement der Notenbanken auf den Finanzmärkten gewesen sein. Schon im Vorfeld hieß es, dass die EU-Staaten auf Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) gesetzt haben.


Finanztitel profitieren von Notenbankaktion

Die US-Börsen präsentierten sich vor dem Hintergrund der Notenbankaktion in glänzender Verfassung. Nach Frankfurter Börsenschluss lag Der Dow Jones 3,6 Prozent im Plus auf 11.969 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 3,4 Prozent auf 1.236 Zähler und der Nasdaq-100 lag 3,3 Prozent höher auf 2.268 Punkte. Zuvor war man von einer schwachen Eröffnung ausgegangen, da am Tag zuvor zahlreiche US-Banken durch die Ratingagentur S&P abgestuft wurden.

Bei den deutschen Finanzwerten wurden heute ebenfalls Kursverluste erwartet. Doch die Nachricht von der Abstufung amerikanischer Finanzinstitute verlor an Relevanz, nachdem die Notenbanken ihre gemeinsame Aktion angekündigt hatten. Papiere der Deutschen Bank verteuerten sich heute um 6,2 Prozent auf 28,62 Euro und Aktien der Commerzbank stiegen um 4,1 Prozent auf 1,39 Euro. Anteilsscheine der Allianz gewannen 5,6 Prozent hinzu und die im MDax notierte Aareal Bank lag sogar 10,1 Prozent im Plus.

Auch die übrigen Dax-Werte zogen mächtig an. Die Papiere von Volkswagen gingen mit einem Plus 6,5 Prozent aus dem Handel. Auch ThyssenKrupp zeigte sich in Topform. Dank florierender Inlandsnachfrage konnte der Stahlkonzern seine Auftrageingänge steigern. Die anziehende Marktdynamik am Nachmittag bescherte dem Traditionskonzern am Ende ein Plus von 7,5 Prozent auf 19,12 Euro.

Schlechte Nachrichten gab es heute hingegen für die Aktionäre der Deutschen Telekom: Die Einwände der US-Regulierer gegen einen Verkauf der Telekom-Tochter T-Mobile USA an AT&T gehen noch viel weiter als bisher bekannt. Ein Bericht der Telekommunikations-Behörde FCC kam zu dem Schluss, das der Milliarden-Deal den Wettbewerb verringern würde und damit höhere Preise einhergehen würden. Außerdem fand die Behörde keine Belege dafür, dass mit der T-Mobile-Übernahme neue Jobs entstehen würden. Die T-Aktie notierte zunächst schwach, am Nachmittag gehörte sie dann auch zu den Gewinnern. Jedoch legte sie in einem starken Marktumfeld mit plus vier Prozent vergleichsweise schwach zu.

Die im SDax notierte IVG Immobilien musste heute starke Kursverluste hinnehmen. Die Ankündigung einer Kapitalerhöhung hat für fluchartige Verkäufe der Anleger der IVG gesorgt. Die Aktien der Immobilienfirma fielen über 11 Prozent auf 2,67 Euro. Für den Equinet-Analysten Jochen Rothenbacher war dieser Schritt überraschend. Angesichts des niedrigen Aktienkurses komme er auch zur falschen Zeit. „Offenbar ist IVG in einer derart schwierigen Lage, dass sie dringend frisches Geld benötigen.“

Einziger nennenswerte Verlierer unter den großen Indizes war heute die Q-Cells-Aktie. Spekulationen über mögliche Subventionskürzungen für die Solarbranche sorgte bei den Anlegern für Unmut. Q-Cells verlor am Mittwoch 7,8 Prozent auf 0,66 Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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