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Börse Frankfurt: Dax im Zeichen von Konjunktur und Bilanzen

Quelle: Handelsblatt Online

Nach den Gewinnmitnahmen vom Mittwoch schauen die Anleger nun auf einige Bilanzen. Telekom, Commerzbank und Allianz berichten schon vor Börsenbeginn, wie das vierte Quartal und das Gesamtjahr gelaufen ist.

Börse Frankfurt am Abend
Börse Frankfurt am Abend

Verbessert sich das Ifo-Geschäftsklima weiter? Das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung gibt heute den Geschäftsklimaindex für Februar bekannt. Mit Spannung wird erwartet, ob sich die befragten Unternehmer erneut wenig beeindruckt von Euro-Schuldenkrise und schwächelnder Konjunktur in zahlreichen Exportländern zeigen. Analysten gehen davon aus, dass das wichtige Konjunkturbarometer nach drei Anstiegen in Folge ein
weiteres Mal zulegen kann. Auch die Beurteilung der Lage sowie die Erwartungen dürften sich leicht verbessert haben.

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Auch einige Bilanzen stehen heute im Blickpunkt der Anleger. Griechenland setzt der Commerzbank zu. Die Griechenland-Krise hat der Commerzbank im vergangenen Jahr das Geschäft verhagelt. Allein im vierten Quartal dürften Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen das Ergebnis mit rund 800 Millionen Euro belastet haben. Heute legt Deutschlands zweitgrößte Bank die Bilanz für 2011 vor. Analysten rechnen mit einem herben Gewinneinbruch. Die 1,6 Milliarden Euro Überschuss, die die Commerzbank anhand vorläufiger Zahlen gemeldet hatte, dürften kaum zu schaffen sein. Stattdessen werden nur knapp 500 Millionen Euro Gewinn erwartet.

Was sagt Obermann zur US-Strategie? Telekom-Chef René Obermann legt heute die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Analysten rechnen angesichts des harten Wettbewerbs für 2011 mit Rückgängen. Beim Umsatz erwarten Branchenbeobachter knapp 60 Milliarden Euro und damit fast fünf Prozent weniger als 2010. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) dürfte laut Schätzungen um gut vier Prozent auf 18,7 Milliarden Euro gesunken sein. Die Jahreszahlen werden aber weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen als der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Besonders im Fokus dürfte das weitere Vorgehen in den USA stehen, nachdem der milliardenschwere Verkauf des US-Mobilfunkgeschäftes an den Konkurrenten AT&T kurz vor Weihnachten am Widerstand der Kartellbehörde gescheitert war.

Allianz wird nach Gewinnrückgang wohl Dividende kürzen. Die Allianz hat nach Analysteneinschätzung auch mit einem ordentlichen vierten Quartal das Jahr 2011 nicht mehr retten können. Am Ende dürfte Europas größter Versicherer im Gesamtjahr netto gut drei Milliarden Euro verdient haben - ein Minus von 40 Prozent. Es droht eine Kürzung der Dividende.

Erste Indikationen für den Dax gehen von kaum veränderten Kursen gegenüber dem Vortag aus. Am Mittwoch hatte der Dax bis Handelsschluss 0,9 Prozent auf 6843 Punkte verloren, nachdem er bereits am Vortag 0,6 Prozent abgegeben hatte.


Der Handel orientierte sich dabei an der Börsenweisheit „Sell the rumor, buy the fact“, also „Kaufe das Gerücht, verkaufe die Fakten“. Am Freitag und Montag hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) noch insgesamt knapp drei Prozent zugelegt, weil sich abzeichnete, dass das neue Paket zur Griechenland-Rettung geschnürt wird. Damit hatte der Dax seit Anfang Januar unter dem Strich fast 18 Prozent und damit so viel wie nie zu einem Jahresstart gewonnen. Als das Hilfspaket jedoch in der Nacht zum Dienstag beschlossen wurde, war es an den Börsen zunächst vorbei mit der Euphorie.

„Mit der Hype um neue Hilfsgelder für Griechenland war der Dax arg nach oben hinausgeschossen, das wird jetzt korrigiert“, sagte ein Aktienhändler der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu kommt die Unsicherheit, ob Griechenland trotz aller Hilfen seine Staatsverschuldung nachhaltig senken kann. Zweifel daran hat selbst die Troika – also die Vertreter von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank (EZB).

Dämpfend auf die Stimmung der Investoren wirkten zudem die gestern veröffentlichten Konjunkturdaten, nachdem die Wirtschaftsindikatoren in diesem Jahr meist positiv überrascht und den Aufschwung an den Börsen zusätzlich beflügelt haben. Im Februar aber fielen Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone schwächer aus als erwartet. „Die Stimmungseintrübungen sind überraschend und sprechen dafür, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex wohl kein positives Überraschungspotenzial besitzt“, meinte dazu Ulrich Wortberg, Analyst bei der Helaba.

Für Verunsicherung sorgte darüber hinaus der steigende Ölpreis. Die gescheiterten Gespräche der Internationalen Atomenergiebehörde mit dem Öl–Lieferland Iran sorgten dafür, dass der Preis für europäisches Brentöl zur Lieferung im April auf bis zu 122,80 Dollar je Fass (159 Liter) kletterte. So teuer war Öl zuletzt vor neun Monaten.

Unter dem anziehenden Ölpreis litten besonders die Aktien von Luftfahrtkonzernen. Im Dax war die Lufthansa-Aktie mit einem Abschlag von bis zu 3,8 Prozent lange Zeit der größte Verlierer. Als bekannt wurde, dass der Streik am Frankfurter Flughafen beendet ist, verringerte sich das Minus allerdings etwas.

Zu den auffälligen Verlierern gehörte auch die Aktie von Tui. Sie brach im MDax der mittelgroßen Werte um bis zu 7,9 Prozent ein, nachdem eine spanische Sparkasse wie erwartet ihren 5,1-prozentigen Anteil und damit rund 13 Millionen Tui-Aktien verkaufte.

Trotz der eingetrübten Grundstimmung gab es aber nicht nur Verlierer. Im Gegenteil: Die angekündigte Kooperation des französischen Autokonzerns Peugeot mit dem US-Konzern General Motors half der Peugeot-Aktie zweistellig ins Plus.

Am Anleihemarkt hat sich gestern Deutschland bei der ersten Auktion nach dem Griechenland-Rettungspaket 4,28 Milliarden Euro von Anlegern geholt. Allerdings traf Deutschland mit seinen als praktisch ausfallsicher geltenden Papieren auf weniger Nachfrage als zuletzt, teilte die Finanzagentur mit.

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