Börse Frankfurt: Dax kommt mit blauem Auge davon

Börse Frankfurt: Dax kommt mit blauem Auge davon

, aktualisiert 16. November 2011, 17:59 Uhr
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Die letzten Handelstage verlaufen für viele Händler frustrierend.

Quelle:Handelsblatt Online

Europas Börsen fehlt weiterhin die Stabilität. Der Dax hatte mit großen Verlusten zu kämpfen. Kurz vor Handelsschluss brachten sich die Anleger aber für den nächsten Handelstag in Position und schoben den Dax an.

DüsseldorfNach einem wechselhaften Start mit Kursgewinnen bis zu 1,6 Prozent, drehte der Dax am Mittag kräftig ins Minus. Lange kroch der Leitindex im Minusbereich vor sich hin und markierte sein Tagestieg bei 5.852 Punkten. Die Anleger warteten auf neue Impulse, die jedoch blieben weites gehend aus. Vor Handelsschluss richteten die Anleger dann ihre Depots auf den morgigen Handelstag aus und kauften wieder Aktien ein. Am Ende kam der Dax mit einem Minus von 0,3 Prozent auf 5.913 Punkte mit einem blauen Auge davon. In der zweiten Reihe hielt der MDax mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 8.861 Punkte seine Verluste auch relativ klein und der TecDax schaffte mit 0,4 Prozent auf 688 Zähler sogar den Sprung ins Plus.

Die US-Börsen starteten schwach, reduzierten aber im fortlaufenden Handelsverlauf ihre Verluste. Nach Frankfurter Börsenschluss lag der Dow Jones Index der Standardwerte 0,5 Prozent auf 12.031 Punkte im Minus, der breiter gefasste S&P-500 sank ebenfalls 0,5 Prozent auf 1.251 Zähler und der Nasdaq-100 notierte 0,6 Prozent schwächer auf 2.354 Punkte.

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Grund für den volatilen Handel heute und in den letzten Tagen sind weit verbreitete Unsicherheiten an den Märkten in Bezug auf Italien und Griechenland. Solange in den südeuropäischen Staaten keine halbwegs stabile politische sowie finanzielle Lage zustande kommt, wird es für die Anleger schwer bleiben das Marktgeschehen einzustufen. Folglich geht mit jeder neuen Meldung aus den Krisenstaaten ein volatiler Handel an den Börsen Europas einher. Zuerst kaufen die Anleger nach guten Meldungen kräftig ein, kurze Zeit später nehmen sie ihre Gewinne mit, weil entweder keine oder schlechte Nachrichten folgen. "Wir brauchen glaubwürdige politische und wirtschaftliche Lösungen, bevor die Börsen wieder wirklich steigen können," erwähnte ein Händler treffend.

Dämpfend für die Stimmung an den Märkten wirkte sich am Mittwoch auch eine Äußerung von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso aus. Er sieht die EU mit einer „wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“.

Von Seiten der Krisenländer kamen heute die ersten Meldungen aus Italien. Dort wurde am frühen Nachmittag die neue Regierung ernannt. Das Besondere an ihr: Es fehlen wirkliche Politiker. Mario Monti, der neben dem Amt der Ministerpräsidenten auch den Vorsitz der Wirtschaftsministeriums übernehmen wird, hat eine Gremium von Technokraten um sich gebildet, die den angeschlagenen Staat wieder auf Vordermann bringen soll. Am frühen Abend wurde die Regierung vereidigt.

Am Abend steht dann wieder Griechenland im Fokus. Dort wird sich die neue Regierung um Ministerpräsident Lucas Papademos erstmals einer Vertrauensabstimmung stellen. Das Ergebnis dieser Abstimmung könnte kursbewegend für den morgigen Handelstag werden.

Für die Anleger standen heute vor allem die europäischen Staatsanleihen, insbesondere die von Italien im Fokus. Zwar sanken die Renditen der Italienanleihen seit dem Rücktritt Berlusconis von 7,5 auf 7,14 Prozent, doch sie bewegen sich damit immer noch auf einem beängstigend hohem Niveau. Außerdem wurde bekannt, dass die Zinsausschüttung auf italienische Staatsbonds infolge eines Anleiheaufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank gesunken seien. Wohl auch deswegen konnten die Börsianer der neuen Regierung Italiens noch kaum etwas positives abgewinnen. Ob das Technokratengremium die Lage Italiens verbessern kann, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Bis dahin bleiben viele Anleger skeptisch.

Dass das Misstrauen der Anleger weiter hoch ist, zeigte sich besonders an den Bondmärkten in Finnland, Niederlande und Österreich. Dort divergieren die Renditen für Staatsanleihen im Vergleich zu den Bundesanleihen immer stärker. „Die Spreadausweitungen, die inzwischen auch die solidesten EWU-Mitgliedsstaaten - Niederlande, Finnland, Österreich - gegenüber Bundesanleihen zur Kenntnis nehmen müssen, sind insgesamt als Misstrauensvotum gegenüber der Währungsunion zu werten“, schrieb Helaba-Analyst Ralf Umlauf in einem Kommentar. Französische Staatspapiere liefen ebenfalls schlecht. Mit einer Zinsausschüttung von 3,86 Prozent lag die Rendite höher, als nach der vermutlichen Falschmeldung einer Abstufung Frankreichs durch die Ratingagentur Standard&Poor's.


Q-Cells-Aktien spielen heute wieder verrückt

Die Schwäche der europäischen Staatsanleihen verhalf am Mittwoch den US-Anleihen zur neuer Stärke. Die Nachfrage nach zehnjährigen Treasuries steigt beständig und rentierten mit 2,03 Prozent zwei Basispunkte niedriger. Neben den US-Anleihen konnte heute auch der US-Dollar glänzen. Die amerikanische Währung konnte vorerst seine Abwertung stoppen und drückte damit den Goldpreis. "Der steigende Dollar setzt dem Goldpreis zu," sagte ein Experte. Nach Frankfurter Börsenschluss kostete eine Feinunze Gold 1.773 US-Dollar oder 1.313 Euro.

Auf dem deutschen Aktienmarkt standen heute angesichts der Entwicklung an den Bondmärkten wieder die Finanzwerte im Fokus. Während die Aktien der Commerzbank mit einem Minus 0,8 Prozent auf 1,53 Euro aus dem Handel ging, konnte die Deutsche Bank, die in den letzten Tagen mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht hat, 1,4 Prozent auf 28,35 Euro fester schließen.

Bayer konnte heute mit Expansionsplänen die Stimmung der Anleger etwas aufhellen. Der Xarelto-Hersteller verkündete sein Ziel bis 2015 den Umsatz in Asien um mehr als 60 Prozent zu steigern. Die Aktie stieg deutlich und konnte in einem allgemein negativ gestimmten Markt 0,3 Prozent auf 47,38 Euro zulegen.

Besonders negativ fielen am Mittwoch die Aktien von Infineon auf, die drei Prozent nachgaben, und damit mit großem Abstand größte Verlierer im Dax waren. Deutschlands größter Chiphersteller hat heute als letzter Dax-Konzern seine Quartalszahlen vorlegen. Da Infineons Geschäftsjahr bis zum 30.9. läuft, handelt es sich dabei um die Gesamtjahresbilanz. Nach einem Rekordgewinn von 1,12 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, blickt der Vorstand jetzt skeptischer in die Zukunft. „Wir sind natürlich nicht immun gegen Konjunkturschwankungen“, sagte Vorstandschef Bauer. Der Umsatz dürfte im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken und die Ergebnismarge deutlich zurückgehen, sagte Infineon am Mittwoch voraus.

Für die Aktien von BMW ging es nach einer Investorenkonferenz in Barcelona um 3,2 Prozent abwärts. Ein Analyst sprach von einigen positiven Aspekten der Veranstaltung, monierte allerdings den in südeuropäischen Märkten spürbaren Preisdruck.

Abseits der Quartalszahlen dürfte der Solarkonzern Q-Cells erneut die Blicke auf sich ziehen. Nachdem die Aktie vor knapp zwei Wochen plötzlich in die Höhe geschossen war und sich binnen weniger Tage mehr als verdoppelte, ist sie mittlerweile wieder fast auf ihrem Ausgangsniveau angekommen. Am Dienstag hatte das Papier erneut 15 Prozent auf 71 Cent eingebüßt. Heute gab es eine Gegenreaktion und die Aktie des Solarkonzerns schloss über zwanzig Prozent höher auf 0,87 Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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