Börse Frankfurt: Dax legt Verschnaufpause nach Gipfelrally ein

Börse Frankfurt: Dax legt Verschnaufpause nach Gipfelrally ein

, aktualisiert 28. Oktober 2011, 19:57 Uhr
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Börse Frankfurt: Die Kauflaune ist den Anlegern schnell wieder vergangen. Gewinnmitnahmen belasten.

von Reuters und dpa Quelle:Handelsblatt Online

Der Dax erlebt einen goldenen Oktober mit kräftigen Kursgewinnen. Dem Höhenflug nach dem Euro-Gipfel folgt zum Wochenschluss allerdings eine Atempause. Gewinnmitnahmen und neue Skepsis bremsen die Euphorie.

DüsseldorfDie Freude an den Aktienbörsen über die Beschlüsse des Euro-Gipfels zur Bekämpfung der Schuldenkrise hat am Freitag nachgelassen. Angesichts zahlreicher noch offener Fragen gingen einige Investoren auf Nummer sicher und machten Kasse. Darüber hinaus trübte eine als enttäuschend gewertete Emission italienischer Staatsanleihen die Stimmung.

„Das Fehlen von Details gibt Anlegern nicht gerade ein Gefühl von Sicherheit“, sagte Fredrik Nerbrand, der bei HSBC das Portfolio-Management verantwortet. Auch die Analysten der Landesbank Berlin äußerten sich zurückhaltend. Im Prinzip würden mit den verkündeten Maßnahmen weiterhin nur die Symptome bekämpft, betonten sie.

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Für einen Dämpfer sorgte auch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die das kleine ESFS-Gremium ausbremste. Hilfe für Schuldenstaaten wird damit nicht im kleinen Kreis entschieden werden können.

Der Index des US-Verbrauchervertrauens von Reuters und der Uni Michigan betrug im Oktober endgültig 60,9 Punkte. Analysten hatten lediglich 58 Punkte erwartet. Dies blieb von der Börse jedoch weitgehend unbeachtet.

Der Dax rutschte nach anfänglichen Kursgewinnen zeitweise ins Minus und schloss kaum verändert bei 6.343 Punkten, einem Plus von 0,1 Prozent. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex noch mehr als fünf Prozent gewonnen. Der EuroStoxx50 bröckelte ebenfalls zum Wochenschluss ab und notierte 0,6 Prozent niedriger bei 2.467 Zählern. Auf Wochensicht legte der Dax 6,28 Prozent zu.

„Vor dem Wochenende bekommen einige hier doch wackelige Knie und gehen auf Nummer Sicher. Es ist weiter Skepsis im Markt, die Leute fragen sich, wie die Hebelung kommt und ob die Banken überhaupt mitmachen“, sagte ein Händler.

Goldener Oktober für den Dax

Dank der Fortschritte im Kampf gegen die Schuldenkrise hat der Dax in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Mit einem Plus von bislang knapp 16 Prozent steht er vor dem besten Oktober-Ergebnis seiner mehr als 20-jährigen Geschichte. Der Börsenwert der 30 Dax-Werte stieg im gleichen Zeitraum um knapp 90 Milliarden Euro. Dies entspricht in etwa dem Doppelten der jährlichen Wirtschaftsleistung Luxemburgs.

Auch der EuroStoxx50 erlebte einen „goldenen Herbst“. Der pan-europäische Leitindex legte binnen vier Wochen 13 Prozent zu und verbuchte damit das immerhin zweitbeste Oktober-Ergebnis seiner Geschichte.

Italien zahlt höhere Zinsen
Bei der knapp acht Milliarden Euro schweren Emission italienischer Anleihen stiegen die Renditen teilweise auf den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Gleichzeitig ging die Nachfrage zurück. Als Reaktion darauf kletterten die Renditen der bereits gehandelten zehnjährigen Bonds auf knapp sechs Prozent.

„Ich finde es bemerkenswert, wenn nicht sogar besorgniserregend, dass die italienischen Anleihe-Renditen auf dem Niveau von vor dem Gipfel liegen, während sich die Aktienmärkte davon komplett abgekoppelt haben“, betonte HSBC-Experte Nerbrand.

Finanzwerte bleiben im Blickpunkt
Die nachlassende Kauflaune der Investoren machte vor allem den Finanzwerten zu schaffen, die am Vortag teilweise zweistellige prozentuale Kursgewinne verbucht hatten. Der europäische Branchenindex rutschte knapp ins Minus. Die besonders stark in Griechenland engagierten französischen Großinstitute Societe Generale , Credit Agricole und BNP Paribas konnten ihr Vortagesgewinne dagegen behaupten. Deutsche Bank schlossen 1,2 Prozent höher, Commerzbank-Titel lagen dagegen 4,2 Prozent tiefer.

Anleger kauften dagegen im Tagesverlauf verstärkt Aktien der Deutschen Börse. Die Papiere des Börsenbetreibers schlossen jedoch 0,3 Prozent schwächer. Am Vortag hatte die Deutsche Börse - wie auch die Nyse Euronext , mit der sie fusionieren will - ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt . Außerdem hatte das Unternehmen sein Kostenziel für das laufende Jahr gesenkt.


Unternehmenszahlen im Fokus

Der Gesundheitskonzern Fresenius hat nach Einschätzung von Analysten Umsatz und Betriebsgewinn dank des stabilen Krankenhaus- und Dialysegeschäfts weiter ausgebaut. Konzernchef Ulf Schneider hatte bereits Mitte Oktober im Reuters-Interview erklärt, er blicke "auf ein sehr starkes drittes Quartal zurück". Die Aktie gewinnt vier Prozent. Detaillierte Zahlen werden am 02.11. erwartet. Von einer vorläufigen positiven Einschätzung der Quartalsbilanz konnten auch Adidas profitieren, die 1,8 Prozent zulegen.

Der US-Pharmakonzern Merck & Co. legte seinen Quartalsbericht vor und hat demnach mit starken Geschäften mit seinen Diabetes- und Asthma-Mitteln gepunktet. Der Gewinn vor Sonderposten sei auf 94 Cent je Aktie von 85  Cent je Anteilsschein im Vorjahreszeitraum gestiegen. Die Aktie ging als bester Dax-Wert aus dem Handel mit einem Plus von 4,7 Prozent.

Die Aktien von Linde profitieren von einer Bestätigung der Jahresprognose. „Wir sind weiterhin gut unterwegs und können deshalb unseren bisherigen Ausblick bestätigen“, sagte Konzernchef Wolfgang Reitzle. „Viele Unternehmen schrauben ihre Jahresprognose derzeit nach unten - von daher ist das eine gute Nachricht“, sagte ein Händler. Die Aktie schloss 0,9 Prozent dazu.

Die Aktien des bayerischen Spezialchemiekonzerns Wacker-Chemie verbilligten sich gegenüber ihrem Schlussstand vom Vortag um 9,8 Prozent und bildeten damit das Schlusslicht im MDax. Das Unternehmen hat seine Jahresprognose wegen hoher Rohstoffkosten und einer Nachfrageflaute der Solar- und Halbleiterindustrie zurechtgestutzt.

Quartalszahlen gab es auch vom französischen Ölkonzern Total, der wie seine Konkurrenten vom gestiegenen Ölpreis profitiert. Im dritten Quartal sei der Gewinn um 13 Prozent gestiegen, teilte Total am Freitag mit. Der bereinigte Nettogewinn - ohne Sondereffekte und nicht realisierte Gewinne oder Verluste aus der Neubewertung von Beständen - belief sich auf 2,8 Milliarden Euro. Allerdings blieb der Konzern mit seinen Wachstumsraten hinter Konkurrenten wie Shell oder Exxon zurück, die mit Gewinnanstiegen von gut 40 Prozent aufwarten konnten. Die Aktie verlor in Frankreich zwei Prozent.

In den ersten neun Monaten des Jahres steigerte der Sportwagenhersteller Porsche den Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel auf 85.872 Fahrzeuge. Auch das operative Ergebnis der Porsche AG stieg um rund ein Viertel auf 1,51 Milliarden Euro. Anleger waren davon zunächst nicht nicht begeistert. Im späteren Handel drehte die Aktie jedoch und schloss 2,5 Prozent höher.

Quelle:  Handelsblatt Online
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