Börse Frankfurt: Dax schafft wieder nicht die Wende

Börse Frankfurt: Dax schafft wieder nicht die Wende

, aktualisiert 14. Dezember 2011, 17:55 Uhr
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Händler winken schon ab: Diese Handelswoche macht keinen Spaß.

Quelle:Handelsblatt Online

Den dritten Tag in Folge schließt der Dax schwach. Die Anleger suchen vergeblich nach Orientierungspunkten und halten sich lieber fern von Aktien. Einzige Überraschung am heutigen Tag: Die Commerzbank.

Und wieder ein Handelstag im Minus. Den Dax plagen seit Wochen Schwächenanfälle. Vorgaben aus den USA drückten ihn schon zum Start ins Minus. Am Ende des heutigen Tages verlor der Leitindex 1,7 Prozent auf 5.675 Punkte. Die zweite Garde der Indizes zeigte sich ebenfalls von einer schlechten Seite. Der MDax der mittegroßen Werte verlor über zwei Prozent auf 8.412 Punkte und der TecDax notierte 1,6 Prozent tiefer auf 662 Zähler.

Die gestrige Konferenz zur Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed zerstörte die Hoffnung einiger Anleger auf ein neues Anleihekaufprogramm. Stattdessen verwies der geldpolitische Ausschuss in einem Kommentar auf "signifikante Abwärtsrisiken". Die abflauende Rezessionsgefahr erfordere, laut der Fed, außerdem derzeit keine Konjunkturspritzen.

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Neben der Fed kamen erneut Belastungsfaktoren seitens der Politik. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte einer erhöhten Haftungsobergrenze des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM erneut eine Absage. „Die europäischen Institutionen betonen immer wieder nachdrücklich, was sie nicht gewillt sind, zu tun“, kritisierte Kit Juckes, leitender Analyst der Societe Generale. „Den Markt belastet dabei die Tatsache, wie wenig sie in einem entschuldeten Finanzsystem zu riskieren bereit sind - und das vor den Feiertagen.“

Auf dem Frankfurter Parkett standen wieder einmal die Finanztitel im Fokus. Am Morgen noch verhältnismäßig stark erhöhte sich die Volatilität der Titel zur Mittagszeit. Zu Handelsschluss verlor die Deutsche Bank 1,9 Prozent auf 27,24 Euro und die Allianz notierte 2,1 Prozent schwächer. Im Gegensatz dazu konnte die Commerzbank heute von der Wiederbelebung des Bankenrettungsfond Soffin profitieren. Zur Mittagszeit schossen die Aktien an die erste Stelle unter den Dax-Werten und beendeten den heutigen Handelstag 5,2 Prozent im Plus auf 1,23 Euro.

Der Staat soll Banken im kommenden Jahr notfalls unter die Arme greifen können, damit sie höhere Kapitalanforderungen erfüllen. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch in Berlin, den vor einem Jahr stillgelegten staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin wieder zu aktivieren. Wegen des Widerstands aus der FDP wird aber weiterhin auf Zwangsmaßnahmen für Banken verzichtet. Die Finanzaufsicht Bafin erhält aber mehr Befugnisse und kann früher eingreifen, sollte das Finanzsystem in Deutschland insgesamt gefährdet sein. „Das Ziel von Soffin II ist: schneller, weiter, früher“, hieß es in Regierungskreisen. Mit der Wiederbelebung des Soffin möglichst ab Februar oder März schafft die Koalition ein Instrument, um Banken stützen zu können, sollten sie die bis Mitte 2012 geforderten höheren Anforderungen der europäischen Bankenaufsicht nicht selbst stemmen können. Entscheidend für den Kursanstieg der Commerzbank war, dass Banken künftig Staatsanleihen in eine Bad Bank unter dem Dach des SoFFin auslagern könnten, sagte ein Börsianer. In der ersten Auflage des SoFFin von 2008 bis 2010 war das nur für toxische Wertpapiere möglich.


Chinesen verhängen Strafzölle gegen Autobauer

Aus europäischer Sicht lag heute die Auktion italienischer Staatsanleihen im Fokus. Es war die ersten Auktion langjähriger Staatsbonds nach dem EU-Gipfel. Die Bilanz der Auktion war ernüchternd. Das hoch verschuldete Land nahm zwar mit fünfjährigen Papiere drei Milliarden Euro ein, jedoch musste sie den Anlegern ein Rekordzins von 6,47 Prozent anbieten. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Euro. Italien sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Diese Summe entspricht 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland ist die sogenannte Schuldenstandsquote noch höher.

Die mittelmäßige Auktion der italienischen Staatspapiere hatte Auswirkungen auf den Euro. Im Vergleich zum Dollar kostete nach Frankfurter Börsenschluss ein Euro nur noch 1,2977 US-Dollar und sank damit unter die psychologisch wichtige Marke von 1,30 US-Dollar.

Im Gegensatz zu Italien waren deutschen Staatspapiere begehrt. 1,4-fach überzeichnet konnte der Bund über vier Milliarden Euro mit ihnen einnehmen. Die Verzinsung dieser Bonds lag bei 0,29 Prozent. Einige Analysten werten dies als Zeichen erhöhter Angst der Anleger. Sie versuchen mit den als sicher geltenden deutschen Staatspapieren ihre Vermögen abzusichern.

"Zahlen liegen über den Erwartungen"

TUI hat den Gewinn trotz Belastungen durch die Unruhen in Nordafrika und schwächerer Geschäfte in der Containerschifffahrt gesteigert. „Die vorgelegten Zahlen liegen in allen Bereichen über den Erwartungen“, schrieb Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher in einem Kommentar. Die Tui-Aktie stemmte sich am Mittwoch gegen den überwiegend negativen Markt und ging mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 4,06 Euro aus den Handel.

Im Sog der Insolvenz des Solarmodul-Bauers Solon ist ein weiterer Solarwert unter Verkaufsdruck geraten. Die im TecDax gelistete Firma Centrotherm verlor am Mittwoch 5,6 Prozent. Der Solon-Kurs brach um knapp 48 Prozent ein. Die Solon-Insolvenz komme zwar nicht überraschend, sei aber dennoch ein Belastungsfaktor, sagte ein Börsianer.

Von den Unruhen in der Solarbranche konnte der Branchenführer Solarworld profitieren. Spekulationen auf eine schwindende Konkurrenz schoben den Kurs der Aktie um 5,9 Prozent nach oben. Zuvor sank sie im Sog der Insolvenz des Konkurrenten Solon. "Solarworld hat gute Chancen, aus einer bevorstehenden Konsolidierungswelle innerhalb der Solarbranche als Gewinner hervorzugehen", sagte ein Börsianer. Ein anderer Börsianer wies daraufhin, dass mit Solon ein direkter Konkurrent wegfalle.

Die Aktien der Autohersteller mussten am Mittwoch große Verluste hinnehmen. Der bayrische Autohersteller BMW notierte 5,1 Prozent im Minus auf 50,25 Euro und war damit größter Verlierer im Dax. Daimler und Volkswagen sanken um 3,1 beziehungsweise. 4,5 Prozent. Die Ankündigung chinesischer Strafzölle auf in Amerika gebaute Autos hat sich laut Börsianern negativ auf die Kurse entwickelt. Dem chinesischen Handelsministerium zufolge werden für Fahrzeuge der großen US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler sowie für ausländische Produzenten mit Werken in den USA Zusatzabgaben fällig.

Von konjunktureller Seite stand heute die Industrieproduktion der Euro-Zone im Oktober im Fokus. Die um 11.00 Uhr veröffentlichten Daten konnten nicht überzeugen. Statt das von den Experten erwartete Wachstum von 2,1 Prozent wurden nur 1,3 Prozent erreicht.

Die vom ifo-Institut veröffentlichte Konjunkturprognose für das Jahr 2012 kam zu einer ähnlich enttäuschenden Bilanz. Der Prognose nach werde das Wachstum hierzulande weiter abflauen. Ein Absturz in die Rezession, wie sie anderen EU-Staaten droht, werde die Bundesrepublik jedoch nicht erleben. Die gute Arbeitsmarktlage und die günstige Einkommenssituation in Deutschland fördere weiterhin die Binnennachfrage, wodurch die Konjunktur gestützt werde. "Daher ist zu erwarten, dass Deutschland - anders als viele europäische Partnerländer - nicht in eine Rezession gerät," teile das Münchner Institut am Mittwoch mit.

Quelle:  Handelsblatt Online
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