Börse Frankfurt: Dax schließt schwach – Bundesregierung enttäuscht Anleger

Börse Frankfurt: Dax schließt schwach – Bundesregierung enttäuscht Anleger

, aktualisiert 07. Dezember 2011, 19:40 Uhr
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Enttäuschter Händler an der Frankfurter Börse.

Quelle:Handelsblatt Online

Je näher der EU-Gipfel rückt, desto nervöser werden die Börsen. Der Dax konnte sein deutliches Plus nicht verteidigen. Schuld daran war unter anderem die Bundesregierung, die die Erwartungen vieler Anleger dämpfte.

DüsseldorfHeute war der Wunsch der Vater des Gedanken: Bis zur Mittagszeit hielt sich die Hoffnung, dass der kommende EU-Gipfel endlich konkrete Maßnahmen gegen die Eurokrise hervorbringen könnte. Die Anleger kauften kräftig ein und schoben den Dax deutlich ins Plus. Doch am Nachmittag ruderte die Bundesregierung zurück und zerstörte die Hoffnungen der Anleger. Am Ende ging der Dax mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 5.995 Punkte aus dem Handel und rutschte damit unter die technisch wichtige Marke von 6.000 Punkten. In der zweiten Reihe bot sich das gleiche Bild. Nach anfänglich großen Gewinnen sackte der MDax auf ein Minus von 1,1 Prozent auf 8.850 Zähler ab und der TecDax beendete den Handelstag mit eine Minus von ein Prozent auf 687 Punkte.

Am Morgen sorgten vor allem Berichte über eine mögliche gleichzeitige Anwendung des EFSF und des dauerhaften Eurorettungsschirms ESM für Kaufanreize. Mit dieser Maßnahme würde sich das Rettungspaket beinah verdoppeln. Diese Berichte wurden am Vormittag jedoch von Regierungskreisen dementiert.

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Trotz der gedämpften Erwartungshaltung der Bundesregierung hoffen die Börsianer weiterhin auf den EU-Gipfel am kommenden Freitag. "Investoren setzen sehr viel auf den EU-Gipfel", sagte Analyst Keith Bowman. Dies zeigte auch die leichte Gegenbewegung des Dax gegen Handelsschluss.

Im ständigen Hin und Her rund um den EU-Gipfel gehen die Meinungen der Experten über den gestrigen Vorstoß der Ratingagentur Standard & Poor's auseinander. Die Drohung einer Abstufung zahlreicher Euroländer ist Ralf Grönemeyer von Silvia Quandt Research zufolge das richtige Zeichen für die Politiker. „Die angedrohte Herabstufung der Bonität praktisch aller Euro-Länder dürfte die Politiker noch einmal zusätzlich aufgerüttelt haben“, sagte der Aktienstratege.

Ein deutscher Regierungsvertreter teilte diesen Optimismus dagegen nicht. „Aus den vielen Gesprächen der letzten Tage und Wochen haben wir den Eindruck, dass eine Reihe von Akteuren den Ernst der Lage noch nicht verstanden haben“, sagte er.

Erschwerend zu der derzeitigen Situation kommt die Uneinigkeit zwischen Frankreich und Deutschland im Bezug auf den dauerhaften Eurorettungsschirm ESM hinzu. Während sich Frankreich nicht auf eine konkrete Kreditsumme festlegen will, dessen Grenze der Markt austesten könnte, fordert Deutschland die vereinbarte Summe von 500 Milliarden Euro beizubehalten. Einigkeit herrscht hingegen in der Frage zu den Euro-Bonds, die beide Nationen ablehnen.

"Feste Zusage in Richtung einer Fiskalunion"

Die morgen stattfindende Sitzung der Europäischen Zentralbank könnte schon mal eine Vorgeschmack auf den am Freitag gesetzten EU-Gipfel liefern. Auf der Sitzung werden die weiteren Zinsschritte bekanntgegeben. Experten erwarten eine weitere Senkung um 25 Basispunkte.

Die Europäische Zentralbank könnte in den nächsten Tagen zudem weiter in den Fokus der Börsianer rücken. Aus EU-Kreisen heißt es, dass die EZB eng in die Gipfel-Vorbereitung durch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy eingebunden ist. EZB-Präsident Mario Draghi warte auf "eine feste Zusage, in Stein gemeißelt, von den Mitgliedstaaten, sich in Richtung einer Fiskalunion zu bewegen". Nach Draghis Andeutungen in der vergangenen Woche gehen viele Beobachter davon aus, dass die Zentralbank stärker in die Unterstützung klammer Euro-Länder einsteigen würde, wenn es einen Beschluss zu strikterer Haushaltspolitik und engerer Koordination der Wirtschaftspolitik gäbe.

An der Frankfurter Börse konnten heute zunächst die Finanztitel von der Zuversicht hinsichtlich des EU-Gipfels profitieren. Am Nachmittag drehten die Kurse dann aber mit der umschwenkenden Marktdynamik in Richtung Minus. Berichte über das mögliche Durchfallen der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der NordLB verbreiteten im Vorfeld eine negative Stimmung unter den Finanztitel. Auch der pessimistische Ausblick der Bundesregierung trübte die Stimmung der Finanztitel ein. Am Ende verlor die Deutsche Bank 0,5 Prozent und die Allianz gab 1,7 Prozent nach. Lediglich die Commerzbank schaffte mit 1,4 Prozent den Sprung ins Plus.


Deutsche Börse will Teile des Derivate-Bereichs abspalten

Die Titel der Deutschen Börse fielen am Mittwoch negativ auf. Die Aktien des Börsenbetreibers stürzten 5,5 Prozent ins Minus auf 42,29 Euro. Am Nachmittag veröffentlichte Agenturberichte gaben an, dass die Deutsche Börse diverse Teile des Derivate-Geschäfts abspalten und daraus einen eigenständigen Konkurrenten bilden möchte. Dies soll eine Fusion mit der Nyse Euronext ermöglichen, die schon seit langem geplant ist aber wegen Bedenken der EU-Kommission noch nicht umgesetzt werden konnte. „Der Derivate-Bereich ist der Goldesel der Deutschen Börse“, sagte ein Händler. Wenn man daraus einen Konkurrenten formen wolle, sei es kein Wunder, dass die Aktie unter Druck gerate.

Die pessimistischen Töne des Branchenverbandes IATA und ein skeptischer Analystenkommentar haben Lufthansa am Mittwoch zugesetzt. Die Titel gehörten mit einem Abschlag von 3,9 Prozent auf 9,12 Euro zu den größten Verlierern im Dax. Metzler-Analyst Jürgen Pieper stufte die Lufthansa-Aktien von „buy“ auf „sell“ herunter und reduzierte das Kursziel von zwölf auf 8,50 Euro.

Metro-Aktien haben es heute wieder schwer. Gestern verlor die Aktie zeitweise über zehn Prozent, nachdem das Unternehmen seine Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Jahr klar nach unten korrigiert hatte. Heute kam zu der ohnehin schon schlechten Nachrichtenlage eine Abstufung durch die Deutsche Bank hinzu. Analysten der Bank stuften die Metro-Aktie von "buy" auf "hold" herunter. Am Mittwoch sackten die Papiere der Handelskette um weitere 2,7 Prozent auf 30,99 Euro ab.

Ähnlich erging es gestern den Aktien des Energiekonzerns RWE: Nach einer Kapitalerhöhung brachen die Aktien um über sieben Prozent ein und verzeichneten damit den größten Kursverlust der letzten Jahre. Die heutige Gegenreaktion hielt nicht lange. Zu Handelsschluss lagen die Papiere von RWE 1,1 Prozent auf 27,85 Euro im Minus.

Im Gegensatz zu den schwachen Zahlen von RWE und Metro konnte BMW glänzende Daten vorweisen. Der Münchner Autobauer hat im November ein weiteren Absatzrekord geknackt und einen Monat vor Jahresende bereits das beste Jahr in der Firmengeschichte perfekt gemacht. "In den ersten elf Monaten des laufenden Jahres haben wir damit bereits mehr Fahrzeuge verkauft als im Gesamtjahr 2010 und auch den Absatz des Rekordjahres 2007 bereits übertroffen," , erklärte Vertriebsvorstand Ian Robertson. Die guten Zahlen halfen dem Münchner Autobauer jedoch nicht lange. Die Aktien fielen heute um 0,7 Prozent.

Die seit einigen Tagen im Fokus liegenden Aktien von ThyssenKrupp konnten heute ein wenig durchatmen. Der Ex-Vorstandschef Ekkehard Schulz legt mit sofortiger Wirkung seine Mandate nieder. Er zog damit die Konsequenzen aus dem unglücklichen Brasiliengeschäft. Die Anleger begrüßten diesen Schritt und schoben die Papiere des Stahlkonzerns auf ein Plus von 0,9 Prozent auf 18,17 Euro.

Fans und Anleger des BVB mussten heute starke Nerven haben. Gestern verlor Borussia Dortmund das entscheidende Spiel 2:3 gegen Olympique Marseille und schied damit aus der Champions League aus, heute schickten die Anleger die Aktie auf Talfahrt. Die Papiere des Fußball-Bundesligisten fielen um vier Prozent auf 2,08 Euro. Mit dem ausscheiden entgehen dem Club Zusatzeinnahmen aus Ticket-Verkäufen und TV-Übertragungen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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