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Börse Frankfurt: Dax setzt seine Achterbahnfahrt fort

Quelle: Handelsblatt Online

Der Dax dürfte schwächer starten. Im Blickpunkt steht heute in mehrfacher Hinsicht China: Auf der Hannover Messe ist die Handelspolitik der Chinesen ein Thema, im Land selbst zeigen die Autobauer ihre Modelle.

Der Dax am Freitag: Es ging wieder hoch. Quelle: Reuters
Der Dax am Freitag: Es ging wieder hoch. Quelle: Reuters

FrankfurtDer Dax könnte heute schwächer starten. Erste Aktivitäten von Händlern deuten auf Kurse um 6720 Punkte hin. Das wären 30 Zähler weniger als am Freitag. Da hatte der Dax mit 6750 Punkten 1,2 Prozent fester geschlossen. Wichtigster Kurstreiber war der zum sechsten Mal gestiegene Ifo-Index. Auf Wochensicht stand ein sattes Plus von 2,4 Prozent zu Buche - mehr als 150 Punkte.

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Dennoch, nach dem besten Jahresauftakt in der Dax-Geschichte gehen die ruppigeren Zeiten weiter: Die Kurse sanken zuletzt so stark wie noch nie in diesem Jahr. Der Dax verlor seit seinem Hoch im März bei 7158 Punkten sechs Prozent. Endet damit die Aufwärtsbewegung? „Keineswegs“, urteilt Achim Matzke von der Commerzbank. „Konsolidierungen, wie wir sie jetzt erleben, sind Teil einer jeden Hausse“ — und sehr viel mehr eine Chance als ein Risiko, wie der erfahrene Charttechniker erläutert.

Heute stehen die Hannover Messe und China im Blickpunkt. Der VW-Konzern will seine Marktführerschaft im weltgrößten Automarkt China mit kräftigem Wachstum im weitgehend unerschlossenen Westen des Landes zementieren. Die geplante Fabrik in dieser Region sei "nur ein Teil unserer Go-West-Strategie", sagte Vertriebschef Christian Klingler am Sonntagabend vor der Automesse in Peking.

Die Verträge für den Werks-Neubau will VW-Chef Martin Winterkorn am Montag in Wolfsburg unterzeichnen, wo der chinesische Premierminister Wen Jiabao zu Besuch ist. Europas größer Autobauer konzentrierte sich in China bislang auf die prosperierenden Küstenregionen im Osten. "Die Entwicklung im Westen könnte vielleicht irgendwann einmal in Teilen der an der Küste ähneln", sagte Klingler. Wann das soweit sein könnte, ließ er offen. "Die Musik spielt im Westen und im Osten."

Im vergangenen Jahr verkaufte der VW-Konzern in China rund 2,3 Millionen Fahrzeuge und hatte nach eigenen Angaben einen Marktanteil von etwa 18 Prozent. Bis 2014 werde die Produktionskapazität auf etwa drei Millionen steigen, bekräftigte der Vertriebschef. Dieses Volumen werde der Konzern auch brauchen. Für 2012 erwartet VW, dass der gesamte chinesische PKW-Markt um fünf bis zehn Prozent zulegt. Als Platzhirsch wollen die Wolfsburger schneller wachsen als der Markt.

Die Kunden der Lufthansa müssen sich auf deutliche Veränderungen einstellen. Das geht aus einem Brief von Carsten Spohr, Vorstandsmitglied der Lufthansa und Chef des Passagiergeschäfts, an die Mitarbeiter von Europas größter Airline hervor. Spohr nennt darin Details des Ende vergangenen Jahres beschlossenen Sparprogramms über 1,5 Milliarden Euro.

So sollen unter anderem die Personalkosten um fünf Prozent pro Flugstunde reduziert werden. Lufthansa schließt auch einen Personalabbau nicht aus. Vor allem aber kommt es auf der Produktseite zu Änderungen. Auf Langstreckenflügen will Spohr teilweise die Erste Klasse abschaffen. Dadurch kann Lufthansa mehr Sitze einbauen und mehr Umsatz und Gewinn pro Flug erzielen.


Wolken im Autoparadies China

Im Autoparadies China sind Wolken aufgezogen. Nach vielen Jahren mit schwindelerregend hohen Plusraten hat das Tempo im größten Pkw-Markt der Welt nachgelassen: Rund 14,5 Millionen Limousinen, Geländewagen und Kombis wurden dort 2011 verkauft. Das waren nur gut fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor - so wenig Wachstum wie noch nie in diesem Jahrtausend. Im ersten Quartal 2012 gab es sogar ein Minus, weil viele chinesische Kunden lieber mit ihren Familien das traditionelle Neujahrsfest feierten als Autos zu kaufen. Schlechtere gesamtwirtschaftliche Aussichten, welche die Regierung in ihrer vergleichsweise zurückhaltenden Prognose für das Bruttosozialprodukt dokumentierte, und höhere Benzinpreise taten ein Übriges.

Zudem waren am Jahresende staatliche Subventionen ausgelaufen. In den vergangenen zwei Jahren hatte der Staat Käufern von kleinen Autos mit einem Hubraum bis zu 1,6 Litern finanziell ebenso unter die Arme gegriffen wie Leuten auf dem Land, die sich leichte Nutzfahrzeuge oder Minivans anschaffen wollten. Allen Hindernissen zum Trotz erwarten viele Fachleute für das laufende Jahr erneut zweistellige Wachstumsraten. Analysten der Investmentbank Morgan Stanley gehen etwa von einem Anstieg um 14 Prozent auf 16,7 Millionen verkaufte Fahrzeuge.

Noch immer sind mehr als drei Viertel der chinesischen Autokunden Erstkäufer. Rund 100 Millionen Pkw waren zuletzt in dem Riesenreich mit rund 1,4 Milliarden Menschen registriert. Zum Vergleich: In Deutschland kommen auf fast 82 Millionen Bürger knapp 43 Millionen Autos. So niedrig wie heute in China war die Pkw-Dichte in der Bundesrepublik in den 1950er Jahren.

Deutschland und China sehen sich als Anker der Weltkonjunktur: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Premier Wen Jiabao betonten am Sonntagabend bei der Eröffnung der Hannover-Messe ihre gemeinsame Verantwortung für die wirtschaftliche Stabilität. Wen hob hervor, dank ihrer Industrien sei es beiden Ländern als ersten gelungen, nach der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder stabiles Wachstum zu erreichen. Wenn China und Deutschland als die beiden wichtigsten Produktionsnationen der Welt enger zusammenarbeiteten, "werden wir sicher eine noch wichtigere Rolle bei Innovation und Entwicklung der weltweiten Industrie spielen", sagte Wen.

An der Wall Street dreht sich in der neuen Woche fast alles um Apple und die US-Notenbank Fed. Viele Branchenführer stellen ihre Zahlen vor, allen voran das Börsenschwergewicht aus Cupertino. Der Technologiekonzern, der seine Bilanz am Dienstag nach Börsenschluss veröffentlicht, überraschte seine Anleger in liebgewonnener Regelmäßigkeit mit Rekordzahlen. Viele Analysten sind der Meinung, dass damit eine überzogene Erwartungshaltung geschaffen wurde. In den vergangenen zwei Wochen gab die Apple-Aktie vier Prozent ab.


Die Woche an den Finanzmärkten

Gespannt warten Anleger auf die Ratssitzung der Notenbank Fed. Von der anschließenden Pressekonferenz des US-Notenbankchefs Ben Bernanke erhoffen sie sich Hinweise auf die weitere Geldpolitik. Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob die Fed die Geldschleusen ein drittes Mal öffnet (QE3). Angesichts einer langsamen Erholung des Arbeitsmarktes und eines relativ soliden Wirtschaftswachstums rechnen laut einer Reuters-Umfrage immer weniger Investoren mit einem solchen Schritt.

Einige Marktbeobachter setzen darauf, dass beim S&P 500, wie bereits 2010 und 2011, auf Höchststände im April ein Knick folgt. "Saisonalität spielt eine wichtige Rolle, und es gibt ein bestimmtes Muster", sagte David Joy von Ameriprise Financial. "Diesem kann man folgen, doch wenn man sich zu streng danach richtet, kann es auch nach hinten losgehen." Die Wirtschaft stehe auf einer solideren Basis als in den vorangegangenen Jahren.

In der vergangenen Woche konnten die US-Börsen, angetrieben von überraschend guten Zahlen von GE, Microsoft und Intel, überwiegend zulegen. "Es ist ermutigend, dass sich die Nachrichten hauptsächlich um die Bilanzen und nicht um Europa drehen", sagte Leo Grohowski von BNY Mellon Wealth Management in New York. Die Quartalszahlen linderten die Sorgen um das Wirtschaftswachstum und sorgten auch für einen optimistischeren Jahresausblick.

Viele wichtige Firmenzahlen stehen in dieser Woche an.

Heute: Leipziger Energiebörse, Michelin, Philips, ST Microelectronics, Texas Instruments berichten.

Dienstag: 3M, Amgen, Apple, AT&T, Baader Bank, Boehringer Ingelheim, Bremer Landesbank, GDF Suez, Indus Holding, KPN, Lexmark, Novartis, Scania, SEB, Software AG, United Tech., Valeo, WMF legen Zahlen vor. Zur Hauptversammlung laden Alstria Office, Dialog Semiconductor und Gea.

Mittwoch: Die Bundesregierung stellt ihre Konjunkturprognose für Deutschland vor. Für die USA werden Auftragseingänge langlebiger Güter im März veröffentlicht. Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed entscheidet über ihren Leitzins. Es berichten: ABB, Air Liquide, Berliner Volksbank, Boeing, Canon, Caterpillar, Comdirect, Credit Suisse, Delta Airlines, Eli Lilly, Ericsson, Glaxosmithkline, Harley-Davidson, , LBBW, Motorola, Nasdaq OMX, Puma, PSA, Renault, SAP, Siemens, Sprint Nextel, Qiagen, Tomtom. Springer und Landesbank Berlin laden zur HV.

Donnerstag: Das Verbrauchervertrauen für Euro-Land, Verbraucherpreise für Deutschland werden veröffentlicht. Amazon, Astrazeneca, Barclays, BAT, Bayer, BBVA, Beiersdorf, Bristol-Myers Squibb, BSCH, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Dow Chemical, EnbW, Exxon Mobil, Fiat, Fielmann, Kellogg, Nintendo, Pepsico, Royal Dutch Shell, Tyco, Unilever, UPS, VW berichten.

Freitag: Der deutsche GfK-Konsumklimaindex wird veröffentlicht, das US-Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal und das US-Verbrauchervertrauen. Die japanische Notenbank entscheidet über ihren Leitzins. BASF, Chevron-Texaco, Daimler, Goodyear, Honda, Mazda, Merck, Nippon Steel, Nomura, Procter&Gamble, Sharp berichten.

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