Börse Frankfurt: Dax tief im Minus – Italien in bedrohlicher Schieflage

Börse Frankfurt: Dax tief im Minus – Italien in bedrohlicher Schieflage

, aktualisiert 09. November 2011, 20:49 Uhr
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Griechenland, Italien, ... welcher Staat wird der nächste sein?

Quelle:Handelsblatt Online

Alles deutet darauf hin, dass sich Italien dem Club der Europroblemländer anschließt. Die Renditen auf die Staatsanleihen Italiens erreichten heute einen neuen Negativrekord. Anleger flohen aus dem Aktienmarkt.

DüsseldorfGriechenland, Portugal, Irland, Spanien und nun auch Italien? Der Mittelmeerstaat scheint immer weiter zu den Europroblemländern abzudriften. Das alarmierte die Anleger auf der ganzen Welt. Die Schlusskurse auf dem Frankfurter Börsenparkett sprachen eine einheitliche Sprache. Der Dax schloss mit einem Minus von 2,2 Prozent auf 5.830 Punkte. Die zweite Reihe musste ebenfalls starke Verluste hinnehmen. Der MDax sank um 2,1 auf 8.871 Punkte und der TecDax gab 1,5 Prozent auf 692 Zähler nach.

Der Morgen begann noch freundlich. Die Ankündigung von Italiens Noch-Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Ämter niederzulegen verbreitete Optimismus auf den Märkten und schob den Dax weit in die Plusbereiche. Sein Tageshoch erreichte er bei einem Kurs von 6.056 Punkten. Doch die Freude verpuffte schnell.

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Am Vormittag schossen die Renditen auf italienische Staatsanleihen auf ein Niveau von über sieben Prozent. Als Grund für den Rendite-Anstieg nannten Händler die Anhebung der Abschläge durch den britischen Wertpapier-Abwickler LCH. Clearnet für italienische Anleihen. Noch schlimmer als dieser Anstieg wirkte sich aber die inverse Zinskurve aus. Sie führt dazu, dass zweijährige italienische Staatsanleihen mehr abwerfen als zehnjährige und das ist einmalig in der Euro-Geschichte. Erst ein laut Händlern „aggressives“ Eingreifen der EZB am Sekundärmarkt für Anleihen brachte am frühen Nachmittag etwas Entspannung, so dass die meisten Indizes ihre Verluste eingrenzten.

Doch nicht nur Italiens Wirtschaftslage bereitete den Investoren Kopfzerbrechen. Politisch gesehen läuft es ebenfalls alles andere als rund für den südeuropäischen Staat. Denn der scheidende Ministerpräsident Berlusconi macht nicht sofort den Weg frei für seinen Nachfolger. Angesichts dieser Verzögerung in der politischen Entwicklung zogen viele Anleger ihr Geld aus risikobehafteten Anlagen zurück. Dieses Vorgehen zeigte einmal wieder, dass politische Unsicherheiten zu Gewinnmitnahmen verleiten. „Jetzt wird mal durchgerechnet, was die Banken so an italienischen Anleihen in den Portfolien halten, und was an Abschreibungen auf sie zukommen könnte“, sagte Kapitalmarktstratege Jens Beulke von Silvia Quandt Research. „Die Erleichterung über den Abgang von Berlusconi war nur ein Strohfeuer. Er ist nicht das Problem. Das Problem ist das politische System Italiens.“ Außer der Regierung Silvio Berlusconis hat sich seit Kriegsende kaum ein Kabinett langfristig gehalten.

In Griechenland vollzog sich der politische Führungswechsel ebenfalls mit der bekannten südländischen Gelassenheit. Am späten Nachmittag wurden neue Gerüchte laut, nach denen neben dem früheren Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, ein weiterer Kandidat in der engeren Auswahl steht: der derzeitige Parlamentssprecher und frühere Minister Philippos Petsalnikos.

Die US-Börsen komplettierten das negative Bild am Mittwoch. Der Dow Jones lag nach Frankfurter Börsenschluss 1,7 Prozent im Minus auf 11.966 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 1,9 Prozent auf 1.251 Zähler und der Nadaq-100 gab um 1,9 Prozent nach auf 2.354 Stellen.

Die wachsende Ungeduld der Investoren im Bezug auf die politische sowie wirtschaftliche Situation Italien sorgte für eine sich umwälzende Marktdynamik, die besonders die Finanzwerte betraf. Deutsche Bank und Commerzbank, die am Morgen beide im Plus notierten, schlossen heute 4,4 bzw. 6,1 Prozent tiefer. Für die im MDax notierte Aareal Bank ging es sogar 10,6 Prozent abwärts. Papiere der Allianz sanken um fünf Prozent und die Titel der Münchner Rück verloren 4,7 Prozent. Im Falle Allianz ist besonders kritisch, dass Europas größter Versicherer über seine italienische Tochter 28,2 Milliarden Euro in italienische Staatsanleihen investiert hat.

Inmitten der politischen Machtverschiebungen der europäischen Mittelmeerstaaten sind Unternehmensmeldungen an der Börse zuletzt ziemlich in den Hintergrund gedrängt worden. Das gilt im Großen und Ganzen auch für die Ergebnisse der Berichtsaison für das dritte Quartal, die zurzeit auf Hochtouren läuft. Die Aktie der Deutschen Post reagierte positiv auf die Zahlen, die der Konzern am Morgen vorgelegt hat. Die Post steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 2,5 Prozent auf 13,125 Milliarden Euro, der Nettogewinn wuchs um satte 70 Prozent. Damit übertraf der Logistik-Dienstleister die Erwartungen der Analysten. Er hob zudem seine Prognosen für das Gesamtjahr ein weiteres Mal an. Die Aktien der Deutschen Post konnten 3,8 Prozent zulegen auf 11,10 Euro und belegten damit den ersten Platz unter den Dax-Werten.


Eon verdient deutlich weniger

Anders als bei der Post konnte Henkel trotz guter Zahlen nicht überzeugen. Zwar konnte das Traditionsunternehmen einen Gewinn mit einem Nettoergebnis von 366 Millionen Euro erreichen, jedoch lag diese Zahl unter den Erwartungen der Analysten. Am Nachmittag setzte die Aktie des Chemiekonzerns zum Sinkflug an und zu Handelsschluss verlor sie 4,5 Prozent auf 41,61 Euro.

Deutschlands größter Energieversorger Eon musste wie erwartet einen Gewinneinbruch hinnehmen. Wegen des politisch verordneten Atomausstiegs in Deutschland verdienten die Düsseldorfer nach neun Monaten netto nur noch 1,6 Milliarden Euro. Das sind 34 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. An der im August gesenkten Prognose - einem Jahresüberschuss von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro - hielt Eon fest. Den heutigen Handelstag beendete die Aktie 1,7 Prozent im Minus.

In der zweiten deutschen Reihe gab es einige enttäuschende Ergebnisse: Rückläufige Gewinne meldete der im MDax notierte Stahlhändler Klöckner. Das Unternehmen verdiente operativ nur noch acht Millionen Euro, unter dem Strich stand sogar ein Verlust von elf Millionen Euro. Die Aktie schickte das auf Talfahrt, in Frankfurt stand ein Minus von 8,5 Prozent. Beim Duft- und Aromenhersteller Symrise ging es ebenfalls abwärts, allerdings nicht annähernd so rasant. Hier waren es die sich abschwächende Konjunktur und hohe Rohstoffkosten, die das Ergebnis belasteten. Die Aktie von Symrise konnte diesen negativen Nachrichten aber standhalten und schloss vier Prozent höher.

Noch stärker, um satte fünf Prozent, ging es für den Roboter- und Anlagenbauer Kuka aufwärts: Der Auftragseingang habe bereits nach neun Monaten vor allem dank einer starken Nachfrage aus der Automobilindustrie das Niveau des gesamten Vorjahres übertroffen, teilte Kuka mit und bestätigte seinen Ausblick für das Geschäftsjahr. Im dritten Quartal kletterte der Umsatz um knapp 35 Prozent auf 369 Millionen Euro, der Gewinn betrug neun Millionen Euro nach einem Verlust im Vorjahr. Mit diesen Zahlen konnte Kuka die Anleger erfreuen, die die Aktien auf ein Plus von vier Prozent brachten.

Abseits der Zahlenflut werden Anleger im TecDax erneut ein Auge auf die Aktie von Q-Cells haben. Die Papiere der Solarfirma, führen seit Tagen ein bizarres Eigenleben. Nach einer wilden Rally von 125 Prozent in fünf Tagen kippte am Dienstagnachmittag ursprünglich die Stimmung. Nachdem die Aktie morgens noch bis zu 18 Prozent gewonnen hatte, stand zum Handelsschluss ein Tagesminus von 20 Prozent auf 1,04 Euro. Als Grund für die Turbulenzen gelten Panikkäufe von Spekulanten, die mit Wetten auf fallende Kurse falsch lagen. Heute ging es wieder auf und ab für die Aktien. Am Ende ging die Q-Cells-Aktie mit einem Plus von 7,9 Prozent aus dem Handel.

Neben Q-Cells stand in den letzten Tagen auch Drillisch im Fokus. Zu Beginn der Woche brach die Aktie wegen des Betrugsvorwurfs der Telekom regelrecht ein und verlor beinah vierzig Prozent an einem Handelstag. Seitdem erholt sich der Mobilfunk-Dienstleister von Tag zu Tag immer mehr. Am Mittwoch konnte die Aktie 9,5 Prozent zulegen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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