
FrankfurtZinsspekulationen bewegen die Märkte. In Amerika reagierte die Wall Street enttäuscht auf die Konjunkturhilfe der amerikanischen Notenbank. In Europa hoffen Investoren auf eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank. Der Dax bewegte sich vorbörslich wieder rückwärts und verliert dadurch die Marke von 6.400 Punkten erneut aus dem Blick. Am Mittwoch hatte er kurz davor mit 6.392 Punkten und einem Plus von 0,45 Prozent geschlossen.
In Luxemburg beraten am Nachmittag die Finanzminister der Euro-Länder über Spanien und Griechenland, die derzeit größten Krisenherde in der Währungsunion. Spanien wird womöglich im Lauf des Tages den schon angekündigten Antrag auf Milliardenhilfen aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF für seine Banken stellen. Die Euro-Gruppe hatte Spanien vor kurzem bereits eine Unterstützung von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt. Auch Konjunkturdaten werden erwartet: Zunächst gibt es Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Euro-Zone, später Daten zu US-Hauspreisen und den Geschäftsklimaindex der Notenbank von Philadelphia. Zu Hauptversammlungen laden Deutsche Euroshop und Ströer.
Die US-Notenbank greift der lahmenden Wirtschaft zwar weiter unter die Arme, aber nicht so umfassend wie von manchen Investoren erhofft. Durch ein Umschichten ihrer Vermögensbestände will sie die langfristigen Zinsen weiter senken und damit Kredite billiger machen. Auf den Ankauf von Staatsanleihen in großem Stil verzichtete die Fed jedoch und fuhr damit im Kampf gegen die Wirtschaftskrise nicht ihr schwerstes Geschütz auf. Einige Experten hatten spekuliert, dass die Fed eine dritte Runde einer geldpolitischen Lockerung - QE 3 genannt - einleiten würde.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach Angaben ihres Direktoriumsmitglieds Benoit Coeure auf ihrer vergangenen Sitzung über eine Zinssenkung debattiert und wird dies wohl auch auf ihrer nächsten Sitzung tun. Allerdings müsse bedacht werden, dass eine Zinssenkung der schwächelnden Wirtschaft zwar eine gewisse Unterstützung bringen könne, aber kein Allheilmittel sei, sagte der Franzose der "Financial Times" laut Vorab-Bericht aus der Donnerstag-Ausgabe. "Es (eine Zinssenkung) würde sicher nicht die fundamentalen Probleme lösen."
Vor einigen Tagen hatte bereits EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung der EZB genährt. "Die EZB hat weitere Instrumente zu ihrer Verfügung - auch in Bezug auf die Zinspolitik", hatte er in Wien erklärt. Dabei sprach er überraschend auch davon, dass eine Senkung des Einlagezinssatzes auf null "natürlich vorstellbar" sei. Derzeit können die Banken Geld bei der EZB zum Zinssatz von 0,25 Prozent über Nacht parken. Den Leitzins hatten die Notenbanker um EZB-Chef Mario Draghi zuletzt trotz der Euro-Krise bei 1,0 Prozent belassen. Allerdings hatte Draghi eingeräumt, dass einige Zentralbanker bereits für eine Senkung plädierten.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor großen Risiken für die Weltwirtschaft durch die europäische Schuldenkrise und vor einer Verschärfung der Haushaltslage in einigen reichen Ländern gewarnt. In einem Bericht für die zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) forderte der IWF zudem gemeinsame Anstrengungen, um die Arbeitslosigkeit zu verringern. Die Euro-Krise bleibe die größte Bedrohung für die Finanzstabilität, erklärte der Währungsfonds. Das weltweite Wirtschaftswachstum schwäche sich anscheinend ab.
In den USA und in einigen anderen Industrieländern bestehe im kommenden Jahr das Risiko einer massiven Anspannung der Haushaltslage. Für eine anhaltende weltweite Erholung sei es zwingend nötig, dies zu vermeiden und die Euro-Krise rasch und dauerhaft zu überwinden. Es müsse auch mehr getan werden, um die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit in naher Zukunft in den Industrieländern zu überwinden, forderte der IWF. Zugleich mahnte der Währungsfonds größere Anstrengungen an, um solide Staatsfinanzen sicherzustellen.
Der Energiekonzern RWE kommt mit seinen Ölförderplänen in Libyen auch nach Ende des Bürgerkriegs in dem nordafrikanischen Land nicht so schnell voran wie erhofft. Der Beginn der Förderung müsse verschoben werden, sagte der ranghohe RWE Dea-Manager Christoph Schlichter am Mittwoch. Die Ölfördertochter Dea warte immer noch auf eine Einigung mit den lokalen Behörden auf die Struktur des Projekts. RWE hatte ursprünglich gehofft, mit der Produktion 2014/2015 starten zu können. Dieses Datum sei aber nicht mehr realistisch, sagte Schlichter. Dea hatte Verträge zur Entwicklung von Öl- und Gasfeldern mit dem libyschen Staat geschlossen. Das Unternehmen ist in Libyen seit 2003 aktiv, produziert dort aber noch nicht.
Nordafrika spielt insgesamt eine große Rolle für die Firma mit Hauptsitz in Hamburg. Die Gesellschaft ist in etwa einem Dutzend Länder aktiv, neben Deutschland und anderen europäischen Staaten in Nordafrika und Turkmenistan. Derzeit gewinnt das Unternehmen noch rund 45 Prozent der Produktion in Deutschland, etwa aus Feldern in der Nordsee. Das Ausland wird aber weiter an Bedeutung zunehmen.
Der geplante Verkauf des ThyssenKrupp-Werkes in Brasilien weckt einem Medienbericht zufolge das Interesse chinesischer Stahlhersteller. Wie die "Financial Times Deutschland" vorab unter Berufung auf Kreise berichtet, haben die beiden größten Stahlkonzerne des Landes, Hebei und Baosteel, Interesse an dem neuen Werk signalisiert. Der Einstieg in die Stahlproduktion in Übersee hat sich für Thyssen-Krupp zu einem Desaster mit Milliardenverlusten entwickelt.




















