
FrankfurtDie Experten des Londoner Brokers IG Markets taxieren den deutschen Standardwerteindex bei 7.063 Punkten und damit 23 Punkte fester. Dem Dax fehlt es an Schwung. Zu gering erscheinen die Fortschritte zur Lösung der europäischen Schuldenkrise, zu wenig stabil das weltweite Konjunkturfundament. „Die Grundrichtung der Märkte sollte in den kommenden Monaten eher abwärts gerichtet sein“, schreiben die Analysten der Landesbank Berlin. Vorerst könnte es noch sommerlich ruhig bleiben. Denn die Umsätze an den Börsen bleiben niedrig, weil viele Investoren noch im Urlaub sind.
Im September allerdings könnten „politische Stürme die Märkte durchwirbeln“, fürchten die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen. So sei längst nicht ausgemachte Sache, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer nächsten Ratssitzung ihren geldpolitischen Spielraum nutzen werde. Die Notenbank will sich am 6. September zu ihren in Aussicht gestellten Hilfen für kriselnde Euro-Staaten äußern. Auf neue Geldspritzen der Notenbanken aber stützt sich ein Großteil des Optimismus an den Märkten. Mitte September beraten dazu die führenden Notenbanker der USA.
Am 12. September will zudem das Bundesverfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit des Rettungsschirms ESM urteilen. Außerdem berichtet die Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds über die Sanierungserfolge Griechenlands. Davon hängen weitere Hilfen für das Land ab. Dabei scheint die Finanzlücke des Landes aber um 2,5 Milliarden Euro größer als bekannt zu sein, wie das Magazin „Der Spiegel“ berichtet.
Vor allem die Erwartung, dass die EZB den am höchsten verschuldeten Ländern weitere Gelder genehmigt, ließ den Dax am Freitag um 0,6 Prozent steigen und damit erstmals seit April wieder über 7.000 Punkten schließen. Dabei stützten Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, nach denen die europäischen Regierungschefs alles täten, um den Euro zu erhalten. Es gebe keine Differenzen zwischen den Euro-Regierungen und der EZB, sagte Merkel.
In den USA kletterte der Leitindex Dow Jones zwar nur um 0,2 Prozent, markierte dabei mit 13.275 Zählern aber sogar ein Fünfjahreshoch. Vor allem das überraschend gestiegene Verbrauchervertrauen stützte die Kurse. Dennoch erkennen Analysten keine „nennenswerte Erholung der US-Konjunktur“, zumal die Ertragsdynamik von US-Firmen sich weiter abschwäche. Eher Spekulationen auf einen Regierungswechsel in den USA im November könnten US-Aktien kurzfristig beflügeln, heißt es bei der DZ Bank.
Für Spannung sorgen diese Woche US-Zahlen wie Auftragseingänge für langlebige Güter, dazu gibt es noch einige Unternehmensergebnisse. An den Anleihemärkten sanken die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen den fünften Tag in Folge auf 6,38 Prozent. Angeblich spekulieren Investoren darauf, dass die EZB spanische Bonds kaufen wird. Auch Bundesanleihen und US-Staatsanleihen wurden wieder stärker gekauft, die Renditen fielen leicht. Der Euro sank nach den US-Daten leicht auf 1,233 Dollar.



















