
DüsseldorfDer Dax ist am Morgen vorbörslich unter die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Punkten gefallen. Am Mittwoch hatte das Marktbarometer die 7.000 noch gehalten, obwohl es die Börsen sehr entspannt zugehen ließen. Bei extrem dünnen Umsätzen schloss der deutsche Aktienindex mit 0,1 Prozent auf 7.011 Punkte leicht im Plus. Die zweite Reihe beendete den heutigen Handelstag etwas deutlicher im grünen Bereich. Der MDax stieg um 0,6 Prozent auf 11.064 Punkte und der TecDax notierte 0,5 Prozent fester auf 795 Zähler.
Mit den Kursverlusten heute knüpft der Dax nahtlos an die Stimmung des Vortags an. "Es scheint ein absoluter Käufer- und Verkäuferstreik zu sein", beschrieb ein Händler in Frankfurt die Haltung der Anleger. "Keiner will sich positionieren, um nicht auf dem falschen Fuße erwischt zu werden." Ein anderer Börsianer ergänzte, dass vor dem Treffen der Notenbanker in Jackson Hole am Freitag nicht mehr viel passieren werde. Bis dahin würden Anleger das Geld "von der linken Tasche in die rechte" stecken.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt heute die Arbeitslosenzahlen für August bekannt. Erwartet wird allenfalls eine geringe Veränderung: Für den Sommer- und Ferienmonat ist es typisch, dass die Arbeitslosenzahl stagniert, weil Betriebe mit Neueinstellungen bis zum Ende der Sommerpause warten. In den vergangenen Monaten hatte sich Arbeitslosigkeit allerdings schlechter entwickelt als im Jahresmuster üblich. Die Zahl von 2,876 Millionen Arbeitslosen im Juli könnte daher stärker zugelegt haben als in den Vorjahren. Im Drei-Jahres-Durchschnitt stieg die Arbeitslosenzahl im August jeweils um 3500. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen erwarten Experten eine Fortsetzung des saisonbereinigten Anstiegs um 8000 Erwerbslose.
Gespannt schauen die Anleger vor allem nach Amerika. In Jackson Hole wird Fed-Präsident Ben Bernanke Ende der Woche eine Rede auf der Notenbankkonferenz halten. Die Märkte setzen auf weitere Schritte zur Lockerung der Geldpolitik. Doch ob es tatsächlich zu einem neuen Anleihekaufprogramm kommt, um die schwächelnden US-Wirtschaft zu stützen, steht noch in den Sternen.
Die US-Börsen notierten im Vorfeld an die Konferenz der Federal Reserve denn auch verhalten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsende kaum verändert bei 13.107 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1410 Punkten, ein Plus von knapp 0,1 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,13 Prozent und ging mit 3081 Punkten aus dem Handel. Neue Konjunkturdaten brachten kaum weitere Aufschlüsse über das Verhalten der Notenbank. Wie an den europäischen Börsen blieb auch in New York das Handelsvolumen in dieser Woche ungewöhnlich gering.
Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal mit einer Jahresrate von 1,7 Prozent und damit so stark wie am Markt erwartet. Die Aktivität habe im Juli und Anfang August graduell zugenommen, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht der Federal Reserve. Der Handel habe zugelegt, was etwa an den Autoverkäufen abzulesen sei. Schwächer sei die Entwicklung dagegen in der verarbeiteten Industrie ausgefallen.
Achillesferse der Wirtschaft bleibt die hohe Arbeitslosigkeit. Im Beige Book, das den Beginn des dritten Quartals abdeckte, deuteten die Notenbanker an, dass die Erholung nicht stark genug sei, um Unternehmen zu deutlich mehr Einstellungen zu bewegen. In den meisten Fed-Bezirken sei die Beschäftigung stabil geblieben oder nur leicht gewachsen, hieß es. Die hohe Arbeitslosigkeit belastet die US-Wirtschaft, die traditionell stark von der Kauflaune der Amerikaner abhängt. Ökonomen halten ein Wirtschaftswachstum in den USA von mehr als zwei Prozent für notwendig, um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Im Juli war die Arbeitslosenquote von 8,2 auf 8,3 Prozent gestiegen. Das verschärft den Druck auf Präsident Barack Obama. Da ihm die flaue Konjunktur und hohe Arbeitslosigkeit angelastet werden, muss er im November um seine Wiederwahl bangen.
Die Flugbegleiter der Lufthansa beginnen ihren Streik am Freitag. "Der morgige Freitag wird der erste Tag sein, an dem konkret gestreikt wird", teilte die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Donnerstag auf ihrer Internetseite mit. Die Zentrale Streikleitung habe noch nicht bekanntgegeben, wo und wann dies geschehen werde. Die Stewardessen und Stewards würden mit einer Vorlaufzeit von sechs Stunden über den Beginn und die Orte der Arbeitsniederlegung informiert.
Der Tarifstreit dauert bereits seit gut einem Jahr. Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Managements hingegen sind Einschnitte nötig, da Billigfluggesellschaften der Lufthansa in Europa das Leben schwer machen und ihr auf den Fernstrecken Rivalen aus dem Nahen Osten Passagiere abluchsen. Die Airline legte deshalb ein Milliarden-Sparprogramm auf und verlangt nun, dass auch die Bord-Servicekräfte einen Beitrag leisten.
Der angekündigte Streik zeigte bereits Wirkung auf den Aktienkurs der Lufthansa. Die Papiere schlossen am Mittwoch mit einem Minus von 1,3 Prozent auf 9,71 Euro. Langfristig sollte der Streik jedoch keine negativen charttechnischen Auswirkungen haben. "Wir sind zuversichtlich, dass das Management in der Lage ist, eine gute Lösung zu verhandeln, und dies wird den Aktienkurs in Zukunft unterstützen", schrieb DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky in einem Kommentar. Er bestätigte seinen Anlageurteil "Kaufen".
Die französische Regierung will andere EU-Länder mit einer neuen Behörde zur Haushalts-Überwachung von seinem Sparkurs überzeugen. Der französische Finanzminister Pierre Moscovici kündigte am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf an, "um unseren Partnern Glaubwürdigkeit zu liefern". Die Behörde soll dem Rechnungshof angegliedert sein, erklärte Moscovici in einem Interview mit der Zeitung "Les Echos". Zudem werde die Regierung ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr anpassen, um sie "realistischer" zu machen.






















