Börse Frankfurt: G20-Gipfel enttäuschend – Dax schließt tief im Minus

Börse Frankfurt: G20-Gipfel enttäuschend – Dax schließt tief im Minus

, aktualisiert 04. November 2011, 17:54 Uhr
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Börse Frankfurt: Die unbefriedigenden Ergebnisse des G-20-Gipfels schickten den Dax in den Keller.

Quelle:Handelsblatt Online

Vor dem Wochenende ging es nochmal kräftig abwärts. Das griechische Politik- und Schuldendrama sorgte für Verunsicherung. Der G20-Gipfel konnte keine überzeugenden Ergebnisse vorweisen.

Düsseldorf, FrankfurtDer deutsche Leitindex hat am letzten Wochenhandelstag noch einen starken Kursrutsch erlebt und schloss 2,7 Prozent tiefer bei 5.966 Punkten. Gestern hatte der Index noch fast drei Prozent auf 6.133 Punkte zugelegt.

Analysten führten vor allem unerwartet schwach ausgefallene Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten sowie enttäuschende Meldungen vom G20 Gipfel als Begründung an. Die Hoffnung, dass die Politik ein klares Signal in der Schuldenkrise gibt, wurde nicht erfüllt.

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„Die anfängliche Erleichterung über die Absage des griechischen Referendums ist einer neuen Unsicherheit gewichen“, sagte Sachs. Premierminister Giorgos Papandreou will in der Nacht zum Samstag die Vertrauensfrage stellen. „Wie es danach in Griechenland weiter geht, ist vollkommen offen“, sagte Sachs.

Der G-20-Gipfel konnte kaum Länder für den EFSF finden, was zusätzlich für pessimistische Stimmung sorgte. „Es gibt eigentlich kaum Länder, die jetzt bereits gesagt haben, wir machen beim Rettungsschirm EFSF mit“, räumte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag am Rande des G20-Treffens in Cannes ein.

Der Euro ging ebenfalls auf Talfahrt und verbilligte sich auf 1,3766 Dollar. An der Wall Street gab der US-Standardwerteindex Dow Jones zur Eröffnung 0,6 Prozent nach. Auf dem G20-Treffen wurde eine Restrukturierung der systemrelevanten Banken beschlossen, damit deren Rettung in Zukunft nicht mehr vom Steuerzahler bezahlt werden muss.

Griechenland-Lösung noch in weiter Ferne

„Selbst wenn das Referendum nicht kommt, sind mehrere Wochen der politischen Instabilität zu erwarten“, sagte Felicity Smith, Fondsmanagerin bei Bedlam Asset Management. Sollte Ministerpräsident Giorgos Papandreou stürzen, werde die Bildung einer neuen Regierung die Verabschiedung der geplanten Sparmaßnahmen voraussichtlich verzögern.

Smith betonte, sie richte bei Investitionsentscheidungen ihre Aufmerksamkeit auf gut geführte Unternehmen, vor allem aus der Industrie, deren Aktienkurs von der Schuldenkrise übermäßig stark in Mitleidenschaft gezogen werde. Dass das griechische Drama auch an den Top-Managern dieser Branche nicht spurlos vorübergeht, machte ABB -Chef Joe Hogan deutlich: „Sie können auch Finanzvorstand Michel Demaré fragen: Irgendwann bekommt man eine posttraumatische Belastungsstörung.“

Anfang der Woche hatte Papandreou die Märkte mit der Ankündigung schockiert, die Griechen in einer Volksabstimmung über das Maßnahmenpaket abstimmen zu lassen. Bei einem Nein der Griechen fürchteten Investoren eine ungeordnete Staatspleite des hoch verschulden Landes und ein Austritt aus der Währungsunion.

Heute ging es vor allem für die Aktien der Commerzbank bergab, die 6,2 Prozent schwächer schlossen und damit das Dax-Schlusslicht bildeten. Das Finanzinstitut gab nach einem Quartalsverlust von fast 700 Millionen Euro sein Gewinnziel für 2012 auf. Vor allem die Abschreibungen europäischer Anleihen zogen die Commerzbank tief in die roten Zahlen. Allein Wertberichtigungen auf ihre griechischen Papiere kosteten sie weitere 798 Millionen Euro. „Das Q3-Ergebnis, der Ausblick und die Notprogramme zur Risikoreduzierung zeigten, wie anfällig die Commerzbank derzeit für Gefahren von außen ist“, schrieb Michael Rohr, Analyst bei Silvia Quandt Research, in einem Kommentar.

Die Deutsche Bank schloss ebenfalls tiefer mit einem Minus von 3,1 Prozent – ähnlich wie die meisten europäischen Bankenwerte. Der europäische Branchenindex verlor 2,6 Prozent. Im Tagesverlauf war der Index noch gestiegen, doch die Meldungen des G-20-Gipfels ließen die Stimmung kippen.

Für pessimistische Stimmung sorgte auch der Ausblick der Dienstleister. Der Einkaufsmanagerindex sank im Oktober um 2,4 auf 46,4 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte 2009. Erst ab 50 Punkten wird Wachstum signalisiert. „Die anhaltende Schuldenkrise und die weltweite Konjunkturerlahmung schaden zweifelsohne“, sagte Ökonom Rob Dobson vom Markit-Institut, das monatlich mehr als 2000 Unternehmen befragt.

Weiterhin ist sind die Aufträge der Industrie im September wegen der schwachen Nachfrage aus den Euro-Ländern so stark eingebrochen wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Die Bestellungen lagen um 4,3 Prozent unter dem Niveau des Vormonats und schrumpften damit den dritten Monat in Folge. MAN-Aktien fielen daraufhin deutlich und schlossen 4,4 Prozent niedriger.

Für gute Stimmung konnte auch nicht der US-Arbeitsmarkt vom Oktober sorgen (13:30 MESZ). Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 80.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten ein Plus von 95.000 erwartet . Die auf einer separaten Haushaltsbefragung basierende Arbeitslosenquote sank auf 9,0 von 9,1 Prozent. Zugleich wurden aber die September-Daten kräftig auf 158.000 von 103.000 Stellen nach oben revidiert.


Aktien der Bau- und Solarbranche stark gefragt

Hoch im Kurs standen heute auch Solarwerte. „Die Aussagen Obamas helfen dem gesamten Solarsektor schon seit gestern“, sagte ein Händler. Chinas Solarfirmen seien hoch subventioniert und fluteten den internationalen Markt mit Billigprodukten. „Das macht auch den deutschen Firmen enorm zu schaffen.“ US-Präsident Barack Obama hatte sich kritisch über die Wettbewerbspraktiken chinesischer Solarfirmen geäußert und gesagt, er wolle die Petition von Solarworld und US-Solarfirmen genau prüfen und handeln, sollte gegen Regeln verstoßen worden sein.

Die Papiere von Q-Cells, die am Vortag schon kräftig zugelegt hatten, verteuerten sich in der Spitze um 41 Prozent und schlossen 28 Prozent höher. Solarworld konnten bis zum Handelsschluss 6,5 Prozent zulegen.

Europaweit gefragt waren auch Bauwerte: Allein die Aktien des französischen Zementherstellers Lafarge punkteten in der Spitze mit einem Plus von 8,3 Prozent. Der Branchenprimus hat sich nach einem Gewinnrückgang im abgelaufenen Quartal zum Ziel gesetzt, im kommenden Jahr eine halbe Milliarde Euro einzusparen. Die Geschäftszahlen seien zwar eher enttäuschend ausgefallen, aber das Kostensenkungsprogramm dürfte die Stimmung heben, schrieb DZ-Bank-Analyst Marc Nettelbeck in einem Kommentar.

Der deutsche Konkurrent HeidelbergCement hatte bereits am Donnerstag Einblick in seine Quartalszahlen gegeben. Die Aktien bauten zuerst ihren 3,5-prozentigen Vortagesgewinn aus, waren zeitweise an der Dax-Spitze, schlossen aber in mit dem schwachen Gesamtmarkt 2,2 Prozent niedriger. Die Titel des französischen Baukonzerns Vinci legten um 1,5 Prozent zu, nachdem das Unternehmen seine Umsatzziele für 2011 am Donnerstagabend bestätigt hatte.

Händler und Ökonomen erwarten, dass sich die Achterbahnfahrt der Börsen weiter fortsetzen wird. „Über Langeweile kann sich derzeit kein Investor beschweren“, sagt Christian Jasperneite, Anlagestratege bei MM Warburg.

Vermögensverwalter Martin K. Wilhelm vom Institut für Kapitalmarktforschung spricht von einer „politischen Wackelbörse“, die er so zuletzt im Jahr 1992 in der Krise des Europäischen Währungssystems (EWS) gesehen hat. „Im Moment haben wir wenig zu lachen“, sagt auch Oliver Roth, Händler und Kapitalmarktstratege der Close Brothers Seydler Bank: „Wenn es an den Märkten abwärts geht, verliert die Mehrheit an der Börse Geld, da man tendenziell Aktien hält.“ Aber es sind nicht nur die Verluste, die ihm zu schaffen machen. Schlimmer ist, dass die Märkte nicht mehr planbar sind, jede Anlagestrategie ist schnell über den Haufen geworfen, wenn die politischen Wirren die Märkte rotieren lassen. Es dominiert die kurzfristige Spekulation, und das führt zu extremen Ausschlägen.

Dass sich die Lage in absehbarer Zeit beruhigen wird, glaubt kaum ein Experte. „Wir gehen davon aus, dass die Märkte auch in den nächsten Monaten turbulent bleiben werden“, sagt Jasperneite. Auch Roth erwartet so schnell keine Beruhigung der Situation. Um nachhaltig Vertrauen aufzubauen, bedürfe es Planbarkeit und Verlässlichkeit. Investoren müssten davon ausgehen können, dass es für mindestens sechs Monate, besser noch für mehrere Jahre ruhig bleibe. „Aber davon sind wir weit entfernt. Niemand kann vorhersagen, wie es in Griechenland weitergeht.“

Dabei versucht Roth, sich viel in die Politik einzulesen, um die Märkte zu verstehen. Allerdings ist das kaum möglich, denn die zentralen Fragen werden hinter verschlossenen Türen verhandelt, vorhersagen lassen sich die Antworten auf die Fragen nicht: „Etwa 50 Prozent sind im Moment Glück“, gibt Roth zu: „Als Händler kann man dem Markt im Moment nur hinterherlaufen. Man fühlt sich wie ein Spielball der Gezeiten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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