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Börse Frankfurt: Griechen stimmen zu – Dax startet durch

Quelle: Handelsblatt Online

Kurz vor dem Abgrund stehend wendet Griechenland die eigene Pleite ab. Die Anleger sind erleichtert und schieben den Dax an. Auch der Euro legt zu. Händler warnen jedoch vor verfrühter Euphorie.

Der Dax hat seit Jahresanfang bereits mehr als 13 Prozent zugelegt. Quelle: Reuters
Der Dax hat seit Jahresanfang bereits mehr als 13 Prozent zugelegt. Quelle: Reuters

Düsseldorf/FrankfurtEs war eine hart erkämpfte Einigung. Draußen auf den Straßen Athens tobte der Mob. Cafés, Geschäfte, Banken und historische Kinos standen in Flammen, als vermummte Randalierer im Zentrum der Hauptstadt selbst gebaute Brandsätze warfen. Drinnen im Parlament rangen sich die Abgeordneten am Sonntag zu später Stunde zu einem Ja durch. Eine Mehrheit von 199 der 278 anwesenden Abgeordneten stimmte dem Spardiktat zu, das Entlassungen im öffentlichen Dienst sowie Kürzungen beim Mindestlohn und bei einigen Renten vorsieht.

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Ohne weitere Sparmaßnahmen hätte Griechenland keine weiteren Hilfen von EU und IWF erhalten - die unmittelbare Pleite wäre die Folge gewesen. Nun aber ist der Weg frei für die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer Rettung Griechenlands. Am Mittwoch will die Euro-Gruppe erneut tagen, um eine abschließende Entscheidung über die Finanzhilfen zu treffen sowie die Umsetzung des Schuldenschnitts zu verabschieden. Mit dem Bankenverband IIF hatte sich Griechenland auf einen Schuldenschnitt geeinigt. Die Details darüber sollen aber erst dann verkündet werden, wenn das gesamte Rettungspaket steht, welches einen Umfang von 130 Milliarden Euro haben soll.

An den Finanzmärkten kommt die Einigung im griechischen Parlament gut an. In Frankfurt stieg der Dax zu Handelsbeginn bis zu 1,2 Prozent in Plus. Am Vormittag schwächte sich dann die Aufwärtsdynamik ein wenig und der Leitindex notierte nur noch 0,5 Prozent fester auf 6.728 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Werte stieg um 0,6 Prozent auf 10.311 Punkte und der TecDax lag 0,5 Prozent im Plus auf 774 Zähler. In Tokio drehte der Nikkei ins Plus und kletterte fast auf 9000 Punkte, nachdem die Meldung aus Griechenland über den Ticker gelaufen war.

Von der Parlamentsabstimmung konnten erwartungsgemäß die Finanztitel am meisten profitieren. Die Commerzbank verteuerte sich am Vormittag um 2,3 Prozent auf 2,11 Euro und die Deutsche Bank stieg um 1,6 Prozent auf 34,01 Euro. Aktien der Allianz lagen ein Prozent im Plus auf 88,44 Euro

Dennoch hält sich die Begeisterung noch in Grenzen. Händler mahnten zur Vorsicht: Noch seien nicht alle Etappen geschafft, um Griechenland vor einer Pleite zu bewahren, sagten sie. Erst wenn tatsächlich neue Hilfen für Griechenland freigegeben werden, dürften dies den Aktienmärkte einen ordentlichen Schub geben. „Es wird Zeit für eine Einigung mit Griechenland“, sagt Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. Wenn diese große Unsicherheitskomponente endlich raus sei, könnte der Dax auch die 7000 Punkte-Marke nehmen. Der Dax hat seit Jahresanfang bereits mehr als 13 Prozent zugelegt, nachdem er 2011 mit einem Minus von 14,7 Prozent eines der schwärzesten Börsenjahre seiner Geschichte verzeichnet hatte.

Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten sei intakt, schreibt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp in einem Kommentar. „Während im November noch Risikofaktoren wie eine globale Rezession, ein Auseinanderbrechen des Euro-Raums und eine Kreditklemme im europäischen Finanzsektor im Fokus standen, erwarten mehr und mehr Investoren mittlerweile wieder ein anhaltendes, moderates Wachstum der Weltwirtschaft.“ Hinzu kamen der riesige Drei-Jahres-Kredit von der Europäischen Zentralbank an die Banken, der immer noch für eine hohe Liquidität in den Finanzmärkten sorgt – und dieses Geld will angelegt werden. Außerdem folgt am 29. Februar ein weiter Drei-Jahres-Tender der Zentralbank, der für weiteren Schwung an den Aktienmärkten sorgen könnte.

Dagegen meinen die Analysten der Landesbank Berlin, das Risiko für Kurseinbrüche sei wieder gestiegen - weil Anleger nach der jüngsten Rally vermehrt Gewinne mitnehmen könnten. „Die Gefahr negativer Überraschungen hat sich mit der zuversichtlicheren Erwartungshaltung erhöht“, warnen die Experten.


Fusionsspekulationen um Siemens und ThyssenKrupp

Außerhalb des Griechen-Dramas waren neue Firmendaten auf der Tagesordnung. Der Baukonzern Bilfinger Berger machte den Auftakt und konnte überzeugen. Im laufenden Jahr seien in allen Geschäftsfeldern eine positive Entwicklung zu erwarten. Zudem kündigte das Unternehmen an, die Aktionäre sollten eine Dividende von 2,50 zuzüglich eines Bonus von 0,90 Euro aus dem Veräußerungsgewinn erhalten. "Das kommt natürlich auch gut an", sagte der Händler. Die Papiere lagen 1,8 Prozent im Plus.

Ebenfalls stark im MDax präsentierten sich Tui-Aktien. Unterstützend wirkte sich eine Meldung aus, nach der Tui die Möglichkeit bekommt weitere Hapag-Lloyd Anteile zu verkaufen. Die Papiere stiegen am Morgen um 2,9 Prozent auf 6,48 Euro und waren damit stärkster Wert im MDax. "Dies sind zweifellos gute Nachrichten für TUI-Anleger", schrieb DZ-Bank-Analyst Herbert Sturm in einem Kommentar.

Siemens und ThyssenKrupp gerieten heute in den Fokus, nachdem Fusionsspekulationen auf dem Markt die Runde machten. Börsianern zufolge heizte ein entsprechender Bericht der „Wirtschaftswoche“ die Übernahmephantasien wieder an. Allerdings dementierte Siemens Finanzvorstand Joe Kaeser diese im „Handelsblatt“: „Ich glaube, einer der wenigen Namen, über die wir als Übernahmeziel noch nie diskutiert haben, ist ThyssenKrupp.“ Die Aktien zeigten sich am Morgen verhalten im Plus. Sie notierten 0,3 beziehungsweise 0,2 Prozent im Plus.


Die Woche an den Märkten

Montag In Japan wird das Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal veröffentlicht. Quartalszahlen kommen von der Deutschen Börse, Bilfinger Berger, Derby Cycle, ING-Diba, Bertrandt und L’Oréal.

Dienstag Interessant sind die Daten zur Industrieproduktion der Euro-Zone, der ZEW-Konjunkturbericht für Deutschland sowie aus den USA die Einfuhrpreise und Einzelhandelsumsätze. Außerdem öffnen Thyssen-Krupp, Aurubis, MAN, Carl Zeiss Meditec, Goodyear Tyre & Rubber, Borg Warne und Actelion ihre Bücher.

Mittwoch Für Deutschland und zahlreiche europäische Länder wird das jeweilige Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2011 bekanntgegeben. Außerdem wird die Handelsbilanz für die Euro-Zone veröffentlicht. Aus den USA kommt der Industrieindex der New Yorker Notenbank sowie Daten zur Industrieproduktion. Tui, Gesco, MVV Energie, Puma, BNP Paribas, PSA Eni, Voest-alpine, Heineken, Marriott, Comcast, Danone und Clariant veröffentlichen ihre Ergebnisse.

Donnerstag Für Aufmerksamkeit dürfte der Bericht des Ifo-Instituts zum Weltwirtschaftsklima im ersten Quartal sorgen sowie darüber hinaus in den USA die Wohnbaubeginne und die Erzeugerpreise im Januar und der Philadelphia Fed Industrieindex für Februar. Einen Blick in ihre Bilanzen gewähren Kabel Deutschland, Société Générale, Akzo Nobel, Renault, Axa, ABB, BAE Systems, General Motors, Saint-Gobain und Nestlé.

Freitag Am Vormittag werden die Erzeugerpreise für Deutschland im Januar bekanntgegeben, genau wie die Leistungsbilanz der Euro-Zone im Dezember. Am Nachmittag kommen aus den USA die Verbraucherpreise. Zahlen legen außerdem H&R Wasag, Air Liquide und Aegon vor.

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