Börse Frankfurt: Griechenland schickt den Dax auf Talfahrt

Börse Frankfurt: Griechenland schickt den Dax auf Talfahrt

, aktualisiert 01. November 2011, 19:37 Uhr
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Das ist bitter: Mehr als 300 Punkte verliert der Dax am Dienstag.

von Martin Barwitzki, Reuters und dpa Quelle:Handelsblatt Online

Griechenlands Premierminister Giorgos Papandreou will die Griechen über den Schuldenschnitt abstimmen lassen. Damit droht dem Euro-Kompromiss das schnelle Aus. Die Anleger reagieren entsetzt, die Aktienmärkte stürzen ab.

Das drohende Scheitern des Schuldenschnitts in Griechenland hat die Aktienmärkte am Dienstag erneut auf Talfahrt geschickt. Am späten Nachmittag schloss der Dax fünf Prozent tiefer bei 5.835 Punkten. In der Spitze ging es sogar bis auf 5.762 Zähler hinunter. Am Montag hatte der Dax bereits 3,2 Prozent verloren und war auf 6.141 Punkte abgerutscht. Der MDax rauschte 3,8 Prozent auf 8.730 Punkte abwärts, der TecDax knickte um 4,6 Prozent ein bei 674 Punkten.

Mit seinem Plan einer Volksabstimmung über das neue Rettungspaket hat Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou auch die europäischen Aktienmärkte am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Der Börsenwert der im EuroStoxx50 gelisteten Unternehmen schrumpfte im Vergleich zum Vortagesschluss um 64 Milliarden Euro. Dies entspricht in etwa einem Viertel der jährlichen Wirtschaftskraft Griechenlands. Die 30 Dax -Werte waren rund 26 Milliarden Euro weniger wert als am Montag.

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Enttäuschende US-Daten haben den Dax am Dienstag zusätzlich belastet. Am Nachmittag blieb der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der weltgrößten Volkswirtschaft deutlich hinter den Erwartungen zurück: Das Wachstum im Oktober schwächte sich im Vergleich zum Vormonat spürbar ab. Analysten hatten eine leichte Verbesserung prognostiziert.

Zu den größten Verlierern gehörten wieder einmal die Bankaktien - die Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank gaben 9,4 beziehungsweise knapp acht Prozent nach. Bereits am Montag hatten die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank jeweils rund achteinhalb Prozent an Wert verloren. Auf europäischer Ebene büßten Societe Generale und BNP Paribas sogar mehr als zehn Prozent ein. Der Brancheindex rutschte um 3,6 Prozent ab. Die Gewinne der vergangenen Woche, als Finanzwerte nach dem Euro-Gipfel in die Höhe geschossen waren, sind damit schon wieder aufgezehrt.

Die Verluste im Finanzsektor wurden durch Zahlen von Credit Suisse noch verstärkt. Die Schweizer Großbank legte am Morgen ihre Zahlen für das dritte Quartal vor. Der Reingewinn stieg um zwölf Prozent auf 683 Millionen Franken. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Reingewinn von 1,1 Milliarden Franken gerechnet.

Stattdessen zweifeln die Anleger daran, dass der auf dem Euro-Gipfel gefundene Kompromiss im Kampf gegen die Schuldenkrise wirken kann. Josef Kaesmeier, Chefvolkswirt des Bankhauses Merck Finck, fordert eine Entscheidung: „Entweder Griechenland wird gerettet und kommt den Sparanforderungen nach - oder es geht pleite und tritt aus der Eurozone aus. Einen Mittelweg gibt es nicht.“ Sein Kollege Jörg Krämer von der Commerzbank warnte vor den Folgen eines griechischen „Nein“. „Durch eine Pleite und einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone würde die Ansteckungsgefahr für andere Krisen-Länder steigen. Die EU müsste einen Schutzwall aufbauen - besonders um Italien und Spanien. Der Euro-Rettungsschirm müsste bis dahin auf jeden Fall stehen.“ Janwillem Acket, Chefvolkswirt der Bank Julius Bär, bezeichnete Papandreous Plan als „geschickten Schachzug einer verzweifelten Regierung, die nichts mehr zu verlieren hat“. „Dem Volk wird die Frage vor die Füße geworfen: Wollt ihr den Euro? Wenn nicht, müssen wir mit der Konsequenz leben. Und die lautet wirtschaftlicher Kollaps. Das ist ein bisschen wie ein Pokerspiel.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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