Börse Frankfurt: Gute US-Daten können Dax-Abstieg nicht verhindern

Börse Frankfurt: Gute US-Daten können Dax-Abstieg nicht verhindern

, aktualisiert 15. November 2011, 17:56 Uhr
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Börsenhändler brauchen derzeit starke Nerven.

Quelle:Handelsblatt Online

Nachdem Turbulenzen aus der Eurozone und Konjunkturdaten aus Deutschland den Dax tief ins Minus trieben, konnten Wirtschaftsdaten aus den USA die Sorgen ein wenig zerstreuen. Dennoch geht es weiter abwärts.

Frankfurt, DüsseldorfPositive Wirtschaftsdaten aus den USA haben die Verluste am deutschen Aktienmarkt am Dienstag abschmelzen lassen. Zuvor hatten Turbulenzen an den Anleihemärkten der Eurozone für Katerstimmung gesorgt. Die anhaltend steigende Zinslast für Staatspapiere und die sich somit verteuernden Schulden drückten den Dax zeitweise um 2,8 Prozent. Am späten Nachmittag schloss der Leitindex 0,9 Prozent tiefer auf 5.933 Punkte, nachdem er kurzzeitig sogar leicht ins Plus drehte. Der MDax sank um 1,5 Prozent auf 8.898 Punkte und für den TecDax ging es um 1,9 Prozent nach unten auf 686 Punkte.

Die US-Konsumenten zeigten im abgelaufenen Monat bessere Kauflaune als erwartet, entsprechend stiegen die Umsätze der Einzelhändler im Oktober überraschend stark. Zudem hellte sich die Stimmung des Verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York im November überraschend stark auf.

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Die erneut zugespitzte Lage am europäischen Anleihemarkt bleibt jedoch ein großer Belastungsfaktor. So kletterten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen aus Frankreich und Belgien auf Rekordstände und auch Papiere aus Spanien, Italien und Österreich gerieten auf die Abschussliste der Investoren. Die steigenden Renditen seien Ausdruck von Befürchtungen, dass die Schuldenkrise nicht in den Griff zu bekommen ist, kommentierte Marktstratege Stan Shamu von IG Markets. Nachdem Italien am Vortag für frisches Geld deutlich mehr als sechs Prozent Zinsen zahlen musste, folgte nun Spanien mit über fünf Prozent.

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3532 (Montag: 1,3659) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7390 (0,7321) Euro.

Trotz sinkender Arbeitslosigkeit und steigender Löhne verunsichert die ausufernde Schuldenkrise allmählich auch die deutschen Konsumenten. „Die Verbraucher reagieren schon leicht zurückhaltend“, sagte der Präsidenten des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser. Da sich gleichzeitig der Welthandel abschwächt, steht der Export-Vizeweltmeister vor schwierigen Zeiten. Die Industrie beklagte zuletzt den stärksten Auftragseinbruch seit knapp drei Jahren. „Wir rechnen mit einer milden Rezession im Winter“, sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank. Wie lange sie dauern werde, hänge sehr stark von der Schuldenkrise ab.

Börsenprofis rechnen nicht mit einer raschen Trendwende: Sie blicken so skeptisch auf die deutsche Wirtschaft wie seit rund drei Jahren nicht mehr. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sanken im November den neunten Monat in Folge - um überraschend starke 6,9 auf minus 55,2 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu der Umfrage unter knapp 300 Börsenexperten mitteilte. Das war der niedrigste Wert seit drei Jahren. Die andauernde Schuldenkrise im Euroraum und in den USA lege sich «wie Mehltau» auf die Konjunktur in Deutschland, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz am Dienstag. «Diese Risiken könnten noch gewichtiger werden, was das Wachstum in Deutschland weiter beeinträchtigen dürfte.»

Schlusslicht im deutschen Leitindex war unter anderem die Deutsche Bank, deren Aktie sich um zwei Prozent verbilligte. Die Finanzkrise holt den Branchenprimus ein: Das Frankfurter Institut zahlt in einem Vergleich in den USA 145 Millionen Dollar (106 Mio Euro), um Streitigkeiten wegen der Pleite von fünf großen Genossenschaftsbanken beizulegen. Am Vorabend hatte Vorstandschef Josef Ackermann zudem überraschend den Verzicht auf einen Wechsel an die Aufsichtsratsspitze bekanntgegeben. Die Nominierung von Paul Achleitner für den Posten sahen Analysten kritisch. Der Kauf der Dresdner Bank durch die Allianz, den der Finanzvorstand des Versicherers mit eingefädelt hatte, und den späteren Verkauf der Dresdner an die Commerzbank seien kein Glanzstück gewesen, sagte einer von ihnen.

Im MDax rutschten Papiere von Kabel Deutschland nach Zahlen um 3,2 Prozent ab. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber hat im zweiten Quartal dank gestiegener Abonnentenzahlen und einer geringeren Zinslast zwar mehr umgesetzt und verdient. Für das Gesamtjahr konkretisierte das Unternehmen das Umsatzziel aber nach unten.

Anleger haben am Dienstag die kräftigen Umsatz- und Gewinnsteigerungen bei Norma honoriert. Die Aktien des Industrie- und Autozulieferers stiegen 4,7 Prozent und waren damit Spitzenreiter im SDax. Die Zahlen hätten über den Erwartungen gelegen, sagte ein Börsianer. Positiv sei außerdem das angehobene Umsatzziel für das Gesamtjahr.


Xing steigert Umsatz und Gewinn deutlich

Das deutsche Karriere-Netzwerk Xing hat im vergangenen Quartal Umsatz und Gewinn deutlich verbessert. Die Erlöse legten im Jahresvergleich um gut ein Fünftel auf 16,56 Prozent zu. Der Gewinn stieg um 23,2 Prozent auf knapp 2,6 Millionen Euro, wie das Hamburger Unternehmen am Dienstag mitteilte. Bei Xing können Nutzer Profile mit beruflichem Schwerpunkt erstellen, die bei der Suche nach einem neuen Job helfen oder von Personaldienstleistern erfasst werden können. Den Großteil seiner Umsätze macht Xing mit den Zahlungen sogenannter Premium-Mitglieder, die für eine monatliche Abo-Gebühr zusätzliche Funktionen bekommen. Die im TecDax notierte Aktie konnte nicht lange gegen den allgemeinen Trend ankämpfen und verlor am Ende ein Prozent.

Deutsche Wohnen haben am ersten Tag der Zeichnungsfrist für ihre Kapitalerhöhung die Talfahrt fortgesetzt. Die ex Bezugsrechte gehandelten Aktien verloren 3,8 Prozent oder 39 Cent auf 10,17 Euro. Der Preis für die Bezugsrechte schwankte zwischen 17 und 24 Cent. „So richtig lässt sich noch nicht abschätzen, wie die Kapitalerhöhung laufen wird und wie groß das Interesse von Anlegern sein wird“, sagte ein Händler. „Der Preis für das Bezugsrecht basiert ja noch nicht auf einem realen Preis für die neuen Aktien, sondern ergibt sich nur aus den Spekulationen von Investoren.“ Am Vortag hatten Deutsche Wohnen 6,3 Prozent verloren. Analyst Ulrich Geis von der DZ Bank empfahl Anlegern, neue Aktien zu zeichnen, „da es vermutlich einen attraktiven Abschlag geben wird“. Nach Berechnung von Analyst Thomas Effler von der WestLB dürfte der finanzielle Spielraum der Wohnungsgesellschaft nach einer erfolgreich verlaufenden Kapitalerhöhung ausreichend sein, um mindestens 3000 neue Apartments zu kaufen. Die Zeichnungsfrist für die neuen Aktien läuft voraussichtlich bis 28. November.

Bei Q-Cells hält die Talfahrt an: Die Aktien verbilligten sich um 15,3 Prozent, nachdem sie am Vortag bereits um knapp 27 Prozent abgestürzt waren. Die hohen Quartalsverluste von Montag wirkten noch immer nach, sagte ein Händler. Auch die Prognosesenkung bei LDK Solar trage nicht gerade zur Stimmungsaufhellung im Solarsektor bei. Der chinesische Solarkonzern hat wegen des Preisverfalls in der Branche seine Umsatzziele für das Gesamtjahr heruntergeschraubt.
Solarworld verbilligten sich im TecDax ebenfalls weiter und gaben 8,2 Prozent nach. Bereits gestern brachen Solarworld nach enttäuschenden Zahlen um rund 30 bzw. 15 Prozent ein.

Börsianer betrachten die von Regierungen und Notenbanken zuletzt auf den Weg gebrachten Maßnahmen – Rettung des Finanzsystems durch Ingangsetzung der Druckerpressen und anschließende Reflationierung der Schuldenlast – als jene Lösung, die am wenigsten Schmerzen bereitet und zudem die Architektur des Finanzsystems vor dem Kollaps bewahrt. In der Finanzwelt scheint inzwischen weitgehend Konsens in der Einschätzung zu bestehen, dass die Europäische Zentralbank der US-Notenbank folgen und unter dem Druck der Regierungen versuchen wird, die Turbulenzen an den Märkten dadurch einzudämmen, indem sie Finanzmittel in unbegrenzter Höhe zur Verfügung stellt. „Es scheint, als hätten die Regierungen und Notenbanken in dieser Frage einen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück zu anderen Lösungen mehr gibt“, sagt Christian Angermayer, Vorstandschef des Finanzdienstleisters ABL Group, im Handelsblatt-Gespräch.


Quelle:  Handelsblatt Online
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