Börse Frankfurt: Katastrophaler Wochenstart für den Dax

Börse Frankfurt: Katastrophaler Wochenstart für den Dax

, aktualisiert 12. Dezember 2011, 18:24 Uhr
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Der EU-Gipfel enttäuscht im nachhinein die Anleger.

Quelle:Handelsblatt Online

Ein Handelstag zum Vergessen. Der Dax war am Montag chancenlos gegen die Skepsis der EU-Beschlüsse. Vor allem die kritische Sicht der Ratingagenturen auf die Ergebnisse des EU-Gipfels ließen den Dax einknicken.

Düsseldorf/FrankfurtDer EU-Gipfel überzeugte die Anleger – ein Wochenende lang. Am Montag schon verflog die Euphorie des EU-Gipfels und die Ratingagenturen machten sich ans Werk, die Beschlüsse zu prüfen. Sie kamen zu keinem guten Ergebnis. Mit dem Messer der Ratingageturen im Rücken kapitulierte heute der Dax. Nach Handelsschluss stand beim Dax ein Verlust von satten 3,4 Prozent auf 5.785 Punkte zu buche. Die zweite Reihe gab ebenfalls ein trauriges Bild ab. Der MDax schloss 2,4 Prozent tiefer auf 8.562 Punkte und der TecDax verlor 1,9 Prozent auf 667 Zähler.

Ganz besonders schwer wog heute die Kritik der Ratingagentur Moody's. Ihr gehen die Maßnahmen nicht weit genug und viele Beschlüsse seien einfach nicht neu, sondern ähnlich den Entscheidungen, die in früheren Krisensitzungen gefällt wurden. Einige Experten schlossen sich der Meinung der Ratingagentur an. „Auf der Suche nach langfristigen Lösungen haben die Politiker die kurzfristigen Probleme aus den Augen verloren“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die Spar- und Stabilitätsvereinbarungen könnten die akuten Probleme von Ländern wie Italien oder Spanien nicht lösen.

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Die Analysten der Standard Chartered Bank bemängelten vor allem die Finanzausstattung des EU-Rettungsschirms. „Kurzfristig reicht die Feuerkraft nicht aus, um große Euro-Staaten zu stützen“, schrieben sie in einem Kommentar. „Wir gehen davon aus, dass die EZB diese Rolle über kurz oder lang übernehmen muss.“

Doch Spekulationen über eine verstärkte Partizipation der Europäischen Zentralbank an der Rettung von Euro-Staaten wurde heute eine klare Absage erteilt. Bundesbankpräsident Jens Weidmann erklärte, dass zwar die EU-Vereinbarung zur Begrenzung der Haushaltsdefizite ein Fortschritt sei, aber die Bürde, die Krise zu lösen, liege eher bei den Regierungen als bei der EZB.

Die Ernüchterung über den EU-Gipfel vergrößerte im Umkehrschluss die Nervosität an den Märkten. Einige Anleger griffen wieder zu den als sicher geltenden Bundesanleihen, deren Verzinsung um 0,2 Prozent sank auf 2,01 Prozent. Dagegen stiegen die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen um 0,38 Prozent auf 6,68 Prozent und spanische Staatspapiere machten eine Sprung um 0,28 Prozent auf 5,96 Prozent. Auch der Euro, der im Vergleich zum Dollar verlor, zeigte, dass die Skepsis über die Beschlüsse des EU-Gipfels groß ist. Nach Frankfurter Börsenschluss kostete ein Euro 1,3189 Dollar.

Die US-Börsen konnten sich der Enttäuschung um den EU-Gipfel auch nicht entziehen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte sank um 1,3 Prozent auf 12.024 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 1,7 Prozent auf 1.235 Zähler und der Nasdaq-100 notierte 1,6 Prozent schwächer auf 2.282 Zähler.

"2012 wird ein konjunkturell schwieriges Jahr"

Viele Börsianer sind sich einig, dass die strengere Haushaltsdisziplin innerhalb der EU und die automatischen Sanktionen im Falle von Regelüberschreitungen das Wachstum im kommenden Jahr ausbremsen könnten. „Die Sparmaßnahmen werden einen stark negativen Effekt auf das Wachstum haben und werden 2012 zu einem konjunkturell schwierigen Jahr machen“, sagte Gijsels. Vereinzelt wird schon von Rezession oder sogar Depression gesprochen.

Die Schwellenländer würden durch ein gebremstes Wachstum in Europa ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Der für die Schwellenländer wichtige europäische Exportmarkt wäre bei schwachem Wachstum nicht mehr in der Lage das Angebot nachzufragen und ein Ausgleichsmarkt ist nicht in Sicht. Denn China und Indien veröffentlichten in den letzten Wochen immer unerfreulichere Konjunkturdaten.


Commerzbank berät sich mit Bundesregierung über Staatshilfen

Die Finanzwerte standen heute unter besonderer Beobachtung. Zum Wochenausklang waren Bankaktien die klaren Gewinner am Aktienmarkt. Europaweit stiegen die Kurse, nachdem die EZB zusätzliche Liquidität bereitgestellt hatte. Heute konnten die Finanztitel im Dax allerdings nicht überzeugen. Die Allianz verlor 6,5 Prozent, die Deutsche Bank lag 5,5 Prozent im Minus und die Commerzbank gab 7,8 Prozent nach, womit sie das Schlusslicht unter den Dax-Werten bildete. Im Falle der Allianz belastete die drohende Herabstufung der gesamten Versicherungsbranche Europas durch die Ratingagentur S&P das Münchner Unternehmen. Kurz vor Börsenschluss kam noch die Meldung, dass sich die Commerzbank mit der Bundesregierung intensiv über erneute Staatshilfen berät. In den vergangenen Wochen hatte die zweitgrößte Bank Deutschlands noch dementiert diese in Anspruch zu nehmen und erklärte die EBA-Richtlinien aus eigener Kraft einhalten zu können.

Die Deutsche Post machte am Morgen mit der Verkündung möglicher Auszahlungen von Sonderdividenden von sich reden. Halte der Trend der vergangenen Quartale an, "würde uns das mittelfristig in eine Position bringen, in der wir über überschüssige Liquidität verfügen", sagte Post-Finanzvorstand Larry Rosen. Den Anlegern gefiel diese Nachricht. Jedoch hielt die Freude nicht lange an. Am Nachmittag fiel die Aktie und am Ende stand ein Minus von 1,3 Prozent auf 10,70 Euro, jedoch lag das Papier damit noch vergleichsweise stark.

ThyssenKrupp besiegelte heute den Verkauf weiter Teile der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss an einen britischen Finanzinvestor. Der Kaufvertrag sei unterzeichnet worden, teilte ThyssenKrupp am Montag mit. Die Briten hätten zugesagt, die Aktivitäten an allen Standorten weiterzuführen. Die Anleger zeigten sich wenig begeistert von diesem Geschäft. Die Aktien von ThyssenKrupp gaben in einem schwachen Marktumfeld 4,7 Prozent nach.

Die stockenden Verhandlungen um den Verkauf der Lufthansa-Tochter BMI brachte Europas größte zivile Luftfahrtgesellschaft in Bedrängnis. Die Aktien der Lufthansa verbilligten sich heute um 5,2 Prozent auf 8,64 Euro. Seit der Vollübernahme 2009 flog die Tochter Verluste von 315 Millionen Euro ein.

Der Energieriese Eon musste einen Rückschritt hinnehmen. Am frühen Morgen wurde bekannt das der Konzern die Entlassung von 6.000 Mitarbeitern erwägt. Ein Unternehmenssprecher ließ dies in der "Rheinischen Post" verlauten. "Wie viele Arbeitsplätze über welches Instrument abgebaut werden, lässt sich noch nicht sagen." Aus Konzernkreisen erfuhr die Zeitung, dass E.ON bis zu 3000 Beschäftigte in den Vorruhestand schicken will. Bis zu 2500 Angestellte sollen demnach in eine Transfergesellschaft wechseln und 500 Stellen durch das Auslaufen befristeter Verträge wegfallen. Im Anschluss an diese Meldung stufte die BofAML Eon-Papiere von "buy" auf "neutral" herunter und warnte die gesamte Energiebranche vor einer schwachen Geschäftsentwicklung. Das setzte der Aktie zu, die heute 4,6 Prozent auf 17,00 Euro verlor. Eons Konkurrent RWE lag 4,3 Prozent im Minus.

Linde konnte heute von einer positiven Analysteneinstufung profitieren. Die Experten der Citigroup sehen bei dem Industriegas-Hersteller gute Wachstumschancen und stuften die Papiere auf "buy" mit einem Kursziel von 140 Euro (vorher: 120 Euro). Linde-Aktien konnten im Anschluss an die Einstufung zeitweise steigen. Der Trend jedoch hielt nicht lange und nach Börsenschluss lag die Aktie 1,9 Prozent im Minus auf 108,55 Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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